Wien: Erzdiözese verschenkt Kirche Neulerchenfeld

Die Übergabe an die serbisch-orthodoxe Kirche sei "wohlbegründet und unwiderruflich", beharrt die Erzdiözese auf ihrem Plan. Widerstand kommt von der betroffenen Gemeinde.

NEULERCHENFELDER KIRCHE
NEULERCHENFELDER KIRCHE
NEULERCHENFELDER KIRCHE – (c) APA/HERBERT NEUBAUER (Herbert Neubauer)

Es bleibt dabei: Die Pfarrkirche Neulerchenfeld im 16. Bezirk wird im Frühsommer 2011 an die serbisch-orthodoxe Kirche übergeben. Das hat die Erzdiözese Wien am Dienstag in einer Aussendung bekräftigt. Die katholische Pfarrgemeinde Neulerchenfeld werde, so wurde betont, nicht aufgelöst, sondern mit der Nachbargemeinde Maria Namen vereinigt. Dies sei auch bis zum Jahr 1939 so gewesen. Die beiden Kirchen sind laut Diözese nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

Die betroffenen Katholiken sind allerdings mit der Ersatzkirche nicht zufrieden. Diese sei viel zu klein für die rund 800 Gläubigen, die jeden Sonntag kommen, hieß es in einer Mitteilung. Die Katholiken betonten zudem, dass nicht nur polnische Gläubige betroffen wären. "Tatsächlich wehrt sich auch die österreichische Kirchengemeinde gegen die Übergabe an die Serben", hieß es. Die Aktivisten sprachen sich dafür aus, den Serben die angebotene Ersatzkirche zu überantworten, "auch wenn in der Nähe sich eine bosnische Gemeinde befindet". Das sollte für gute Christen doch kein Problem sein, zeigten sich die Pfarr-Aktivisten überzeugt. Am Samstagvormittag wird am Stephansplatz für den Erhalt der Kirche demonstriert.

"Wohlbegründet und unwiderruflich"

Doch die Entscheidung sei "wohlbegründet und unwiderruflich", bleibt die Diözesanleitung standhaft. Es gebe in Wien für rund 750.000 Katholiken 172 Pfarrkirchen. Zugleich würden geschätzte 150.000 serbisch-orthodoxe Christen in Wien und Umgebung leben, für die nur drei kleine Gotteshäuser zur Verfügung stünden. Dies sei ein "eklatantes Missverhältnis".

Vor allem in den Bezirken im Bereich innerhalb des Gürtels ist die Zahl der Katholiken laut Erzdiözese in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. Zugleich gebe es viele Immigranten, von denen mehr als 50 Prozent Christen seien - viele von ihnen orthodoxe oder orientalisch-orthodoxe Christen. "Den orthodoxen Schwesterkirchen beim Aufbau der Seelsorge zu helfen, ist eine selbstverständliche Verpflichtung", wurde heute betont.

Kirche und Pfarrhof geschenkt

Die serbisch-orthodoxe Kirche erhält Kirche und Pfarrhof Neulerchenfeld geschenkt, es gibt laut Erzdiözese auch keine versteckten "Gegenleistungen". Die bisher dort beheimateten polnischen Katholiken würden keinesfalls "vertrieben". Die Gemeinde werde weiterbestehen, auch wenn ihr Seelsorger in Zukunft in dem benachbarten Gotteshaus tätig sei.

Die Erzdiözese verwies zudem auf Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn. Dieser habe betont, dass keine katholischen Gotteshäuser geschlossen oder verkauft werden. Stattdessen werde das "eine oder andere Gotteshaus" an östliche Kirchen übergeben, "mit denen die Katholiken so viel gemeinsam haben".

Diese Haltung gelte in der Erzdiözese Wien übrigens seit 1974, hieß es. Damals wurde die alte Lainzer Pfarrkirche an die syrisch-orthodoxe Kirche übergeben. Später wurde die Markuskirche am Fuß der UNO-City und eine Kapelle in der Martinstraße an die koptisch-orthodoxe Kirche übereignet: "Diese Schritte waren und sind eine Bereicherung der christlichen Identität Wiens."

(APA)

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