Wirbel um Plakate auf Hebräisch

Der Werber Walther Salvenmoser wirbt mit hebräischen Buchstaben für mehr Toleranz. Für die Israelitische Kultusgemeinde sind seine Plakate „misslungen“. Die Plakate werden bis Ende Juli aufgehängt sein.

(c) Mirjam Reither

Wien. „Es gibt den Gott des Tanach, und es gibt Jesus Christus. Letzterer ist für gesetzestreue Juden nur ein ganz gewöhnlicher Mensch. Aber was soll's – Wahrheit ist Wahrheit, so oder so.“ Es ist ein Satz, der für Aufregung sorgt: Diese Zeilen sind auf Plakaten des Vereins „Aktion Mensch“ zu lesen, die seit vergangener Woche im Großraum Wien affichiert wurden– in großen hebräischen Lettern und kleinen lateinischen Buchstaben. Die Hauptaussage ist demnach, dass es in Sachen Religion die Wahrheit nicht gibt.

In der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) stößt das Plakat aber auf Unverständnis. „Für einige Mitglieder unserer Gemeinde wirkt das wie eine religiöse Provokation“, sagt IKG-Generalsekretär, Raimund Fastenbauer. Man habe sogar vermutet, dass mit dem Plakat christlich-missionarische Ziele verfolgt würden. Erst nach einem Gespräch mit dem Werber habe Fastenbauer erfahren, dass das Plakat das Gegenteil zum Ziel habe, nämlich Antisemitismus zu bekämpfen. „Aber wie er es gemacht hat, das halte ich für total misslungen“ – auch wenn es „gut gemeint“ sei.

Fastenbauer sieht ein Problem darin, dass die hebräischen Buchstaben das Plakat dominieren und die kleine Übersetzung am unteren Rand kaum gelesen werde. Dem widerspricht Walther Salvenmoser, der die Plakate gestaltet hat (sein Verein Aktion Mensch – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen deutschen Organisation – setzt sich eigenen Angaben nach für humanitäre Anliegen ein und gestaltet Plakate für Hilfsorganisationen wie „Die Boje“ und „Hospiz Rennweg“).

Er habe sehr wohl beobachtet, wie Passanten stehen bleiben, um die Zeilen auf Deutsch zu lesen. Und: „Hätte ich diese Botschaft groß auf Deutsch geschrieben, wären alle vorbeigegangen.“ Dass das nicht der Fall ist, zeige auch die Resonanz der vergangenen Tage, wobei diese hauptsächlich aus „Fragen, Fragen, Fragen“ bestünden.

 

Vier Konzentrationslager

Den Versuch provokant zu sein sieht Salvenmoser als gelungen an. Mit dem Plakat wolle er vermitteln, dass das Jüdische ein Teil des österreichischen Alltagslebens sei. Salvenmoser hat bereits im vergangenen Jahr einen TV-Spot zum Holocaust-Gedenktag gedreht. Auf einem anderen Plakat von ihm sind die Wörter „Dach“, „Maut“, „Buch“ und „Berg“ zu lesen – vier Anfangssilben von vier Konzentrationslagern (Dachau, Mauthausen, Buchenwald, Bergen-Belsen).

Die neuen Plakate werden bis Ende Juli in Wien aufgehängt sein. Zuvor hat sich die IKG an das Plakatierungsunternehmen Gewista gewandt, mit dem Wunsch, die Plakate nicht mehr zu affichieren. Das wurde abgelehnt: Zum einen sei man nicht für den Inhalt verantwortlich, heißt es vonseiten der Gewista; zum anderen sei die Phase der Veröffentlichung mit zwei Wochen ohnehin recht kurz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2011)

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