Slowenien: Pädophiler Priester in Jugendheim versetzt

Die katholische Kirche in Slowenien soll bei der Verfolgung von mutmaßlich pädophilen Priestern die Regeln des Vatikan nicht so streng nehmen, berichtet eine Zeitung. Die Kirchenleitung verweist auf das laufende Verfahren.

Slowenien Paedophilen Priester Jugendheim
Slowenien Paedophilen Priester Jugendheim
Symbolbild – (c) REUTERS (� Chris Helgren / Reuters)

Die slowenische römisch-katholische Kirche nimmt es mit der Verfolgung mutmaßlicher Kinderschänder in ihren Reihen offenbar nicht besonders ernst. Wie die Tageszeitung "Dnevnik" berichtet, wurden zwei unter Pädophilie-Verdacht geratene Priester entgegen den vatikanischen Vorschriften nur halbherzig diszipliniert. Ein Priester konnte sogar in ein diözesanes Bildungsheim wechseln, in dem auch Ferienprogramme für Schulkinder stattfinden. Dem zweiten Priester sei eine kleinere Pfarre in der Oberkrain anvertraut worden.

Die Missbrauchs-Vorwürfe gegen die Priester waren schon unter dem früheren Erzbischof Alojz Uran (2004-2009) bekanntgeworden. Die Laibacher Erzdiözese leitete eine Untersuchung ein und erstattete der vatikanischen Glaubenskongregation Bericht. Der Vatikan forderte die kirchlichen Stellen in Ljubljana daraufhin auf, das Verfahren fortzusetzen. Laut "Dnevnik" geschah dies aber nicht, die Verfahren seien eingestellt worden. Die Maßregelung bestand darin, dass die Priester in andere Pfarren versetzt worden seien. Einer der beiden wechselte daraufhin auf eigenen Wunsch in das kirchliche Heim.

Drohnung "nur auf dem Papier"

"Dnevnik" verweist auf die verschärften Richtlinien des Vatikans, die bei Missbrauchsfällen eine Versetzung der Betroffenen an Orte vorschreibt, wo diese nicht in Kontakt mit Minderjährigen kommen. Verweigere sich ein Geistlicher dieser Aufforderung, sei er zu suspendieren. Laut "Dnevnik" hat der jetzige Erzbischof Alojz Stres dem Geistlichen tatsächlich schon vor längerer Zeit mit der Suspendierung gedroht, sollte er das Bildungsheim nicht verlassen. "Diese Drohung blieb aber nur auf dem Papier."

Die Laibacher Erzdiözese betonte, dass das diözesane Strafverfahren gegen den Priester noch laufe. Man habe es im Sommer 2010 eingeleitet und dem Vatikan im Herbst Bericht erstattet, sagte Pressesprecher Bostjan Prevc. Aufgrund von weiteren Anweisungen sei das Verfahren im April dieses Jahres "fortgesetzt" worden. Derzeit laufe die Berufungsfrist. Dem Geistlichen sei Anfang 2011 mitgeteilt worden, dass er seinen jetzigen Posten verlassen müsse und ihm keine Seelsorge von Kindern und Jugendlichen gestattet sei. Er habe daraufhin schriftlich versichert, dass er sich an die Anordnungen halten wolle.

Laut Prevc wurde ein neuer Leiter für das Bildungsheim ernannt, und die Jugendgruppen stünden unter der Betreuung ihrer jeweiligen Gemeindepfarrer. Daher sei Erzbischof Stres zur Einschätzung gelangt, dass keine formelle Versetzung des mutmaßliche pädophilen Priesters erforderlich sei. In dem Bildungsheim werden auch Kurse für Ministranten, Priester und erwachsene Laien angeboten.

In den vergangenen fünf Jahren gab es in der Laibacher Erzdiözese sieben Meldungen wegen sexuellen Missbrauchs. In zwei Fällen sei das kirchliche Verfahren mit einem dauernden Ausschluss der Geistlichen aus der Seelsorge abgeschlossen worden. Ein Fall sei verjährt, vier weitere seien noch im Gang, sagte Pressesprecher Prevc der Zeitung.

(APA)

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