Kirchenstreit um Kloster: Kroatien als lachender Dritter

Seit Jahren streiten die Diözese Poreč und italienische Benediktiner um ein Kloster in Istrien. Selbst der Papst hat im Konflikt intervenieren müssen. Nun soll die Immobilie dem Staat zurückgegeben werden.

Kloster Istrien Kirchenstreit
Kloster Istrien Kirchenstreit
Der streitbare Bischof Ivan Milovan – (c) EPA (Stringer)

Wem gehört das Kloster Dajla auf der kroatischen Halbinsel Istrien? Seit Jahren tobt ein Streit zwischen der Diözese Poreč i Pula und den italienischen Benediktinern, in den selbst die Regierungschefin Jadranka Kosor und Papst Benedikt XVI. eingegriffen haben. Nun könnte der Staat Kroatien als lachender Dritter aus dem Konflikt hervorgehen: Die Diözese hat am Donnerstag einstimmig die Rückgabe der Liegenschaft an den Staat beschlossen. Davor hatte der Vatikan das Grundstück den Benediktinern zugesprochen. Die kroatische Bischofskonferenz stellte sich hinter den Vatikan.

Der istrische Bischof Ivan Milovan hatte vorgeschlagen, das Eigentum dem Staat zurückzugeben, weil dieser ein Anrecht darauf hätte, sagte der Sekretär der Diözese Ilija Jakovljevic. "Selbst wenn der Staat kein Anrecht hat, geben wir das Kloster zurück, denn wir wollen diese Angelegenheit friedlich und innerkirchlich lösen", sagte Jakovljevic laut Nachrichtenagentur Hina. Teile des dazugehörigen Grundstücks hatte die Pfarre Dajla bereits verkauft. Auch dafür soll der Staat eine Entschädigung bekommen.

Vatikan schickte Kommissar

Das mehrere hundert Hektar große Klostergelände in bester Küstenlage hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Ein Adeliger aus Koper hat 1835 den italienischen Benediktinern der Abtei Praglia bei Padua das Grundstück geschenkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Benediktiner enteignet, nachdem die istrische Halbinsel zu Jugoslawien gekommen ist. Mit dem Zerfall Jugoslawiens fiel das Grundstück dem kroatischen Staat zu, der es der Diözese Poreč i Pula übertrug. Die Benediktiner erhoben allerdings im Jahr 2000 erneut Anspruch auf die Immobilie. Eine von Benedikt XVI. eingesetzte Schlichtungskommission sprach den Benediktinern das Kloster und eine Entschädigungszahlung der Diözese zu, weil ein Teil des Geländes inzwischen verkauft worden war.

Damit war der Streit aber nicht zu Ende: Bischof Milovan weigerte sich, das Ergebnis der Kommission anzuerkennen, und drohte damit, die berühmte Euphrasius-Basilika in Poreč zu verkaufen, weil die Diözese pleite sei. Dies sorgte für Entrüstung im mehrheitlich katholischen Kroatien. Der Papst schickte daraufhin am 6. Juli Kurienerzbischof Santos Abril y Castello als Sonderkommissar nach Poreč, um die Übergabe anstelle von Bischof Milovan abzuschließen und notariell besiegeln zu lassen.

(Ag./Red.)

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