Ungehorsam: Mehrheit unterstützt Pfarrer-Initiative

Drei Viertel der Österreicher halten in einer Umfrage den Aufruf zum Ungehorsam für angemessen. Am wichtigsten sind den Befragten Frauen und Verheiratete als Priester.

Ungehorsam Mehrheit unterstuetzt PfarrerInitiative
Ungehorsam Mehrheit unterstuetzt PfarrerInitiative
Symbolbild – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Pfarrer-Initiative genießt mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam breite Unterstützung in der Bevölkerung: 71,7 Prozent der Österreicher halten laut einer Umfrage das Aufbegehren für richtig und angemessen, 76,5 Prozent stehen auf der Seite der Initiative. Bei den Reformbegehren selbst ist den Menschen die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt (30,7 Prozent) am wichtigsten, gefolgt von der Abschaffung des Zölibats (24,1 Prozent).

Das Meinungsforschungsinstitut OEKONSULT befragte 1265 Österreicher von 20. Juli bis 28. August nach ihrer Einstellung zu den Forderungen der Pfarrer. Dabei stellte sich heraus, dass einer großen Mehrheit (82,9 Prozent) die Initiative nicht entgangen war, zwei Drittel zeigten eindeutig Interesse dafür. Dass Priester zum Gehorsam gegenüber der Kirchenführung verpflichtet sind, findet dabei nur eine Minderheit von rund 14 Prozent. 58,2 Prozent akzeptieren allerdings die Ansicht, dass die katholische Kirche keine demokratischen Strukturen besitzt.

Frauenpriester und Laienpredigt

Neben Frauen und Verheirateten als Priester unterstützen die Befragten vor allem das Anliegen der Initiative, auch Laien predigen zu lassen (17,5 Prozent). Die Kommunion für Geschiedene bzw. Wiederverheiratete ist 15,1 Prozent der Österreicher am wichtigsten. Mit derartigen Maßnahmen könnte die Kirche laut Ansicht der meisten Österreicher etliche Probleme lösen: So glauben 86,8 Prozent, dass der Zölibat mehr Probleme als Vorteile bringt.

Dass Jesus selbst keine Frauen mit dem Priesteramt betraut haben soll, sehen nur 14,4 Prozent als Argument für die derzeitige Amtsverweigerung. Dass Frauen allgemein in der Kirche eine angemessene Rolle zukommt, glauben nur 10,4 Prozent. Ein Priestermangel ist übrigens für die meisten (84 Prozent) nicht notwendigerweise ein zwingender Grund für eine Kirchenreform. Trotzdem sollte sich die Kirche - laut Meinung von 84 Prozent - einer solchen nicht verschließen, da sie sonst Gefahr laufe, durch Reformverweigerung weitere Wohlgesinnte abzustoßen.

Trotz der großen Unterstützung glaubt die große Mehrheit von 84,4 Prozent, dass der Aufruf zum Ungehorsam der katholischen Kirche bereits Schaden zufügt. Allerdings glauben nur 10,4 Prozent an eine herannahende "Kirchenspaltung". Rund zwei Drittel der Befragten (64,7 Prozent) würden den "Aufruf zum Ungehorsam" sogar persönlich unterschreiben. Nur 21,5 Prozent der Befragten sind der Meinung, die Pfarrer sollten von selbst ihr Amt niederlegen.

Schüller beliebter als Schönborn

Auch Helmut Schüller selbst - er ist die Galionsfigur der Initiative - sieht kaum jemand in Gefahr. Sollte Kardinal Christoph Schönborn ihn seines Amtes entheben, erwarten sich 96,6 Prozent der Befragten eine sehr große Welle von Kirchenaustritten. Allerdings glauben auch 88,8 Prozent, dass die Drohung mit dem Amtsverlust als letzte Konsequenz ohnehin eine bloße Drohgebärde sei. Schüller genießt jedenfalls persönlich ein wenig mehr Sympathie als der Kardinal: 74,7 Prozent finden den Pfarrer von Probstdorf persönlich sympathisch, 65,6 Prozent Schönborn.

Trotz aller kritischen Haltung ist für rund 70 Prozent die katholische Kirche und ihre höchsten Amtsträger nach wie vor eine "wichtige moralische Instanz", nur einem Viertel der Befragten bietet sie allerdings konkrete Hilfestellungen. Der Pfarrer-Initiative trauen die Österreicher jedenfalls viel zu: 73,8 Prozent glauben, dass ein starker Druck von der Basis Kardinal Schönborn helfen könnte, Reformzugeständnisse vor Rom als unumgänglich zu rechtfertigen. Opfer will dabei allerdings niemand sehen: Knapp 95 Prozent hielten es für begrüßenswert, wenn es im Kirchenstreit keine Gewinner und Verlierer gibt, sondern eine "konstruktive und zukunftsweisende Lösung".

(APA)

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