Tunesien: Islamisten-Krawalle nach Zeichentrickfilm

Die tunesische Polizei setzt Tränengas ein, um die Proteste von Islamisten gegen ein Schleierverbot und einen privaten TV-Sender zu ersticken. Gemäßigt geltende Islamistenbewegung verurteilte Ausschreitungen.

(c) AP

Tunis/Apa/Reuters/Red. Die Ausstrahlung des Animationsfilms „Persepolis“ im tunesischen Privatsender Nessma rief am Sonntag Vormittag in Tunis die Islamisten auf den Plan: Sie versammelten sich vor dem Gebäude des Privatsenders Nessma im Zentrum von Tunis. Grund für den wütenden Protest: Der preisgekrönte, autobiografische Zeichentrickfilm der Comicautorin Marjana Satrapi basiert auf der Lebensgeschichte einer Frau im Iran nach der Islamischen Revolution 1979 und geht hart mit islamischem Fundamentalismus ins Gericht. Die 300 teils mit Stöcken und Messern bewaffneten Demonstranten versuchten, das Gebäude in Brand zu setzen. Die Polizei konnte dies noch verhindern und nahm etwa 40 Personen fest.

Im Vorfeld der am 23. Oktober angesetzten Wahlen, den ersten seit dem Sturz von Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali, wachsen die Spannungen zwischen Islamisten und säkularen Kräften. Zuvor hatten am Sonntag die Islamisten gegen das Verbot des Gesichtsschleiers Niqab an den Universitäten demonstriert. Mehrere hundert Aktivisten hatten sich vor dem Campus der Hauptuniversität in Tunis versammelt und waren dann in den Arbeiterbezirk Jebel el-Ahmar im Norden der Stadt gezogen, wo es dann zu Zusammenstößen mit der Polizei kam.

Die als gemäßigt geltende Islamistenbewegung Ennahda (Wiedergeburt) verurteilte die Ausschreitungen. Für den Analysten Salah Attya sind die Zusammenstöße vom Sonntag ein „sehr schlechtes Zeichen für die bevorstehenden Wahlen“. Es gebe bestimmte Kräfte oder Parteien, die eine Explosion der Situation vor den Wahlen herbeiführen wollten, sagte Attya der Nachrichtenagentur Reuters.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2011)

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