Rick Santorum: Ein heiliger Name und eine Google-Bombe

Der republikanische Kandidat trägt einen Namen, der direkt vom lateinischen Wort für „heilig“ kommt. Kritiker seiner homophoben Äußerungen haben ihn im Wahlkampf grob umgedeutet.

(c) AP (Mark Humphrey)

Das lateinische Wort sacer ist, wie viele alte Wörter (etwa altus, das „hoch“ und „tief“ bedeutet), doppeldeutig, es heißt „heilig“, in manchen Zusammenhängen aber auch „verwünscht“ oder „verflucht“. So steht in Vergils „Aeneis“ der Ausruf auri sacra fames für „verfluchter Hunger nach Gold“. Frei von dieser Doppeldeutigkeit ist sanctus, das Partizip von sancio (heiligen, weihen).

Das christliche Fest Allerheiligen, das festum omnium sanctorum, wurde schon früh eingeführt, aus einem plausiblen Grund: Die Zahl der Heiligen war so stark angewachsen, dass sich nicht mehr für jede(n) ein eigener Tag ausging. Also feierte man sie kollektiv, erst nach Ostern, ab dem 8.Jahrhundert am 1.November. Mit sanctum sanctorum („das Heilige der Heiligen“) übersetzt die Vulgata das „Allerheiligste“ im salomonischen Tempel: Dort stand die Bundeslade (die die Steintafeln enthalten haben soll, auf die Moses die Gebote geschrieben hatte), in diesen Raum durfte selbst der Hohepriester nur einmal im Jahr. Sancta sanctorum heißt die Papstkapelle im Lateran.

Von der (italianisierten) Form der zweiten Person Plural von sanctus kommt auch der Familienname des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum, dessen Vater aus Italien eingewandert ist. Wie die meisten Kinder italienischer Immigranten ist Santorum römisch-katholisch.

Im Gegensatz etwa zu Madonna Louise Ciccone aber ist er nicht nur praktizierender, sondern extrem konservativer Katholik. So nennt er praktizierte Homosexualität in einem Atemzug mit Pädophilie und Zoophilie als „Antithese zur gesunden, traditionellen Familie“. Der Schwulenaktivist Dan Savage hat sich dafür bitter gerächt: Er erfand 2003 ein Wort namens „Santorum“ mit einer höchst unappetitlichen Bedeutung. Durch geschickte „Search Engine Optimization“ und gezieltes Setzen von Links erwirkte er, dass dieser Neologismus an erster Stelle, noch vor dem Politiker, aufscheint, wenn man in Google nach „Santorum“ sucht. Beschwerden von Rick Santorum halfen nicht, das Wort steht längst in diversen „Slang Dictionaries“. Eine Google-Bombe nennt man so etwas, eine solche explodierte auch 2003, als Gegner von Präsident Bush es schafften, dessen Namen mit den Worten „miserable failure“ zu verbinden.

Dass der Name Bush öfter Stoff für simple Kabarettisten abgab, lag an einer vergleichsweise harmlosen und nicht erfundenen Bedeutung des Worts: Im Slang stand „bush“ für Schambehaarung und – damals - als Pars pro Toto fürs weibliche Genital. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2012)

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