Ted Bull Stratos: Bär schlägt Baumgartner

Mit einem Wetterballon schickte David Akerman einen Plüschbären auf eine Absprunghöhe von 39 Kilometern - ausgerüstet mit Kamera, Minicomputer und GPS-Sender.

Babbage vor seinem Absprung aus 39 Kilometern Höhe.
Babbage vor seinem Absprung aus 39 Kilometern Höhe.
Babbage vor seinem Absprung aus 39 Kilometern Höhe. – (c) Dave Akerman

Er stieg höher als Felix Baumgartner beim "Stratos"-Projekt, sein Sprung kostete weit weniger Geld, lieferte dennoch spektakuläre Bilder und büßte dabei nur ein Auge ein. Teddybär Babbage sprang am Montag von seiner Plattform (bzw. wurde gestoßen), die mithilfe eines mit Wasserstoff gefüllten Wetterballons auf 39.000 Meter aufgestiegen ist. Hinter der Idee von "Ted Bull Stratos" steckt Dave Akerman, der den plüschigen Draufgänger von seiner Heimatstadt Berkshire westlich von London aufsteigen ließ.

Auch Akerman brauchte mehrere Versuche, um den Sprung des Bären aus der Stratosphäre erfolgreich durchführen zu können. Starker Wind erschwerte den Startversuch am Samstag, es gelang aber schließlich, Babbage in die Lüfte zu bekommen. Doch der Absprung misslang, der Bär löste sich nicht vollständig von der Plattform und stürzte mit dem in 41 Kilometern geplatzten Ballon wieder zur Erde. Schon zu diesem Zeitpunkt schaffte Akerman aber den Weltrekord für die höchsten Bilder, die je mit Amateur-Geräten zur Erde gesendet wurden.

Babbage springt, Flatspinning ist für ihn kein Problem.
Babbage springt, Flatspinning ist für ihn kein Problem.
Babbage springt, Flatspinning ist für ihn kein Problem. – (c) Dave Akerman

Dave Akerman mit Babbage und der Kapsel
Dave Akerman mit Babbage und der Kapsel
Dave Akerman mit Babbage und der Kapsel – (c) Dave Akerman
Am Montag schließlich der Erfolg - bereits verfolgt von mehreren internationalen Medien wie der BBC oder dem Independent. Die Ausrüstung des Bären ermöglichte es Akerman und seinem Team, den Sprung genau zu verfolgen und auszuwerten. Ein Rasperry-Pi (eine Art Mini-Computer) - im Körper des Bären eingenäht - funkte die Position des Bären und Bildaufnahmen der Kameras zur Erde. Eine davon war in einer Augenhöhle des Bären untergebracht, die somit Bilder aus der Sicht des "Helden" lieferte. Eine weitere Kamera schaute Babbage über die Schulter. Im Ohr brachte Akerman den GPS-Sender unter, die Batterien waren in den Beinen gelagert.

"Der Start und beide Bergungen waren wie aus dem Lehrbuch", sagte Akerman dem "Independent". "Es gab wenig Wind auf dem Startplatz und beide Ladegüter (Bär und Kapsel, Anm.) landeten auf Feldern in 100 bis 200 Metern Distanz zur Straße." Akerman beschäftigt sich schon länger mit Rasperry-Pi-Flugcomputern. Für sein aktuelles Projekt fügte er dem Minicomputer mehrere Komponenten hinzu, wie den Mechanismus zum "Freigeben" des Teddys. "Das hat mich einige Tage gekostet", erklärt Akerman.

Gelandet - Babbage back on earth.
Gelandet - Babbage back on earth.
Gelandet - Babbage back on earth. – (c) Dave Akerman

Red Bull StratosTed Bull Stratos
PilotFelix BaumgartnerBionic Babbage
KamerasKapsel, AnzugKapsel und Auge
Budgetca. 35 Mio. Euroca. 350 Euro
Kapsel-Gewicht1300 Kilogramm200 Gramm
Ballon-Volumen5000 m33 m3
Absprunghöhe38.969 Meter39.000 Meter

Die Minicomputer ermöglichen Amateuren viele Einsatzmöglichkeiten zu einem günstigen Preis. Der Chip ist in etwa so groß wie eine Kreditkarte und kostet aktuell rund 36 Euro. Beide Kameras waren so programmiert, dass sie in unterschiedlicher Höhe, Bilder unterschiedlicher Auflösung schickten. Bevor der Ballon die Zwei-Kilometer-Marke erreichte, war die Auflösung der Bilder geringer. Vor dem Absprung filmten die zwei Kameras eine kurze Sequenz mit. Der Loslass-Mechanismus sollte ausglöst werden, wenn der Bordcomputer eine Höhe von 39 Kilometern oder höher misst. Am Montag klappte das perfekt und der kleine Bär löste sich vom Großen Bären, so der Name seiner Kapsel, benannt nach dem Sternenbild.

Die Innereien des Bären
Die Innereien des Bären
Die Innereien des Bären – (c) Dave Akerman

Der Teddybär ist übrigens nach dem englischen Mathematiker, Philosophen und Erfinder Charles Babbage benannt worden. Babbage hatte 1822 eine funktionierende Rechenmaschine entwickelt und entwickelte die Differenzmaschine - beides erste Vorfahren von Computern.

Links

>> David Akerman
>> Fotos von Akerman auf Flickr
>> Rasperry Pi - Babbage-Projekt

(Red.)

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