Moskauer Metro: Die ''unterirdischen Paläste''

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Sie gilt als Stalins Lieblingsprojekt und ist die Lebensader der größten Stadt Europas: die Metro von Moskau. Am 15. Mai 1935 raste der erste Waggon durch den Untergrund der russischen Hauptstadt.

Eine Reportage von GÜNTER FELBERMAYER UND BRITTA TIVAN für DiePresse.com
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Die Moskauer Metro (Московский метрополитен/Moskowskij metropoliten) ist weltberühmt für die anspruchsvolle Architektur ihrer Stationen. Der Moskauer Volksmund spricht von unterirdischen Palästen. Und wirklich - die russische Sauberkeit lässt den Eindruck gewinnen, man könnte in schönem Ambiente vom Boden essen.
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Viele der 176 Stationen sind geprägt durch den sozialistischen Klassizismus zu Zeiten Stalins - und daher sehr prunkvoll ausgestattet.
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Palastartige Bahnhöfe, weitlaufige Säle mit verzierten Kronleuchtern, Mosaik-geschmückte, riesige Hallen machen die Metro zum steingewordenen Triumph sozialistischer Utopie. Paläste für das Volk, die beste U-Bahn der Welt für die Hauptstadt des Arbeiter-und-Bauern-Reichs.
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70.000 Quadratmeter verschiedenfarbigen Marmors, edle Metalle, Bronze, Mosaike, Gold, Glasschmuck und vieles mehr verschlang allein die erste Linie, die von der Station Park Kultury bis nach Sokolniki führte.
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Jede Station hat ihre Geschichte. Am "Ploschad Rewoljuzii" (Bild) wartet zum Beispiel eine Hundenase auf Besucher. Passagiere halten hier eine Sekunde inne und wünschen sich Glück für die Zukunft.
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Die U-Bahn wurde im Jahr 1935 eröffnet und gehört zu den tiefsten Metro-Systemen der Welt. Sie ist mit rund 2,5 Milliarden Fahrgästen jährlich auch eine der am stärksten in Anspruch genommenen U-Bahnen der Welt.
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In der Moskauer Metro werden pro Tag rund zehn Millionen Menschen befördert, das entspricht 47 Prozent des gesamten Personenverkehrs in der Stadt.(c) Wikimedia Commons
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Wenn sich die Menschen in der Rushhour in die Waggons drängen, stehen auf einem Quadratmeter bis zu 6,4 Menschen. Die Züge fahren dann alle 60 bis 90 Sekunden, ihre mittlere Geschwindigkeit liegt bei 41 km/h.
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Durchschnittlich werden 68 Personen in einem Waggon von A nach B gebracht. Dies geschieht durch 33.700 Angestellte der Metro, ziemlich genau zur Hälfte Männer, zur Hälfte Frauen.(c) Wikimedia Commons
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Auf 276,1 Kilometer Schienen fahren insgesamt 4.319 Waggons. Durch die Bauvorhaben wird dies aber ausgedehnt.
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Täglich fahren 8.737 Züge die 170 Stationen an, von denen 22 über der Erde liegen und 56 als Umsteigestationen ausgebaut sind.(c) Wikimedia Commons
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Das System der Moskauer Metro ist relativ einfach aufgebaut - jeder Linie wird eine Farbe zugeordnet. Manchmal sind die Wege bei den Umsteigbahnhöfen etwas weit, dafür wird man mit einmaliger Architektur entschädigt.(c) Wikimedia Commons
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Einziger Wermutstropfen: Von Aufzügen haben die russischen Techniker noch nichts gehört, man muss mancherorts viele Stufen überwinden. Witzig: Bei den Rolltreppen sitzen gelangweilte Aufpasser in kleinen Glashüttchen.
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Die Moskauer Metro ist nicht nur prunkvoll, sie birgt auch viele Geheimnisse. Seit der Perestroika reißen die Spekulationen darüber nicht ab, dass eine "Metro-2" aus Bunkeranlagen und geheimen Strecken bestehen soll.
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So wird gemunkelt, dass diese Anlagen als Schutz vor einem Atomschlag nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt worden seien: Die Strecken wären auch keine richtige U-Bahnlinie, sondern ein Autotunnel mit einer in die Fahrbahn eingelassenen Gleisspur. Sie würde auch nur in eine Richtung führen: Bei einem atomaren Angriff wäre es nur wichtig, aus der Stadt heraus zu kommen.
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Die Metro war und ist ein Prestigeobjekt, ihr Bau hatte in Stalins Moskau Priorität. An Ressourcen wurde alles verwendet, was in den 1930er Jahren verfügbar war. Selbst kapitalistische Technik kam zum Einsatz.
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Mit der Metro veränderte sich Moskau. Die strahlenden Untergrund-Paläste kontrastierten mit dem Strassen- und Hinterhofdreck über der Erde. Die Tempel unter der Erde traten in Konkurrenz zu den Kirchen am Tageslicht, der Sozialismus zeigte seine ganze Pracht.
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Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde fleißig gebaut. In der Zeit der heftigsten Angriffe auf Moskau sind die Metrobahnhöfe zu Bunkern und Lazaretts umfunktioniert worden.
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Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte Moskau lange Zeit kein Geld für teure Infrastrukturprojekte, so kam der Metrobau nur langsam voran. Erst in den letzten Jahren hat er wieder Fahrt aufgenommen. Viele neuere Stadtviertel sind aber immer noch nicht an das Metronetz angebunden.(c) Wikimedia Commons
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Um dies schnell zu ändern, wird die Metro nun auch überirdisch als Leichte Metro und unter der Erde als Mini-Metro gebaut. Dies geht schneller und ist günstiger als die gewöhnliche Untergrundbahn.
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Weiter: Mehr Bilder aus der Moskauer Metro
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(c) Wikimedia Commons
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