Tag des Denkmals: Österreich zeigt seine Steine

Mehr als 300 steinerne Denkmäler werden am 29. September österreichweit gezeigt – viele nur an diesem Tag.

Denkmals oesterreich zeigt seine
Denkmals oesterreich zeigt seine
Denkmals oesterreich zeigt seine – (c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Wien/Mpm. Der 29.September ist nicht nur der Tag, an dem Österreich einen neuen Nationalrat wählt. An diesem Tag stellt das Bundesdenkmalamt auch Österreichs kulturelles Erbe in den Vordergrund: Der „Tag des Denkmals“, seit 1984 ein europäisches Phänomen, an dem sich Österreich seit 1997 beteiligt, ist heuer dem Motto „Aus Stein?“ gewidmet. Stein als Bau- und Werkstoff steht diesmal im Mittelpunkt dieser „Leistungsschau des Bundesdenkmalamtes“, wie es der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm nennt. „An diesem Tag kann die Öffentlichkeit viele Denkmäler besichtigen, die sonst nicht zugänglich sind.“

Stein also. Das mag nach einem eher vagen Motto klingen, konkret haben sich aber so unterschiedliche Einrichtungen wie das Bezirksmuseum Floridsdorf bis zur Nationalbibliothek Führungen, Workshops und andere Programmpunkte (allesamt bei freiem Eintritt) für den heurigen „Tag des Denkmals“ überlegt. Beliebt dabei, sagt Organisatorin Sylvia Schönolt, seien vor allem jene Denkmäler, zu denen man im restlichen Jahr keinen Zugang hat – wie die (bereits ausgebuchte) Tour auf den Dachboden der Wiener Hofburg.

Ebenfalls nur an diesem Tag zugänglich sind einige Grabstätten auf dem alten Jüdischen Friedhof des Wiener Zentralfriedhofs. Darunter ist auch die Grabanlage von Moriz Benedikt (1847–1920), Mitherausgeber und Chefredakteur der „Neuen Freien Presse“, dessen Mausoleum im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die neue Grabanlage wurde erst vor Kurzem fertig gestellt und wird im Zuge der Führungen (siehe Infobox) besucht.

Wer Steinmetze bei der Arbeit beobachten will, kann dies ab zehn Uhr im Wiener Rathaus tun: Hier wird eine Schauwerkstatt eingerichtet, bei der die laufende Sanierung der Rathausfassade erklärt wird. Wie vielseitig das Material Stein ist, zeigt sich auch hier: Allein für die Rathausfassade wurden mehr als 20 Natursteinarten verarbeitet. Wie fein „Stein“ als Werkstoff sein kann, wird wiederum im Porzellanmuseum im Augarten deutlich, in dem Besucher die Bestandteile von Porzellan (Quarz, Feldspat etc.) erfühlen können. Ausnahmsweise seine Tore öffnet der „Bridge-Club Wien“, der in der von Adolf Loos gestalteten, marmorlastigen Wohnung im ersten Bezirk untergebracht ist. Das Krankenhaus St.Elisabeth in Wien Landstraße wiederum rückt die Obelisken im Klostergarten in den Mittelpunkt seiner Führungen. Auch die barocke Klosterapotheke kann besichtigt werden.

 

Fotografieren erwünscht

Auch in den anderen Bundesländern beteiligen sich zahlreiche Einrichtungen am „Tag des Denkmals“: Das Stift Klosterneuburg etwa zeigt sonst nicht zugängliche Grabdenkmäler aus unterschiedlichen Steinarten, in Hainburg findet eine historische Wanderung statt, während sich in Graz ein Stadtspazierung den (steinernen) Masken, Fratzen und Wappen der Hausportale widmet. Der Verein „Druckzeug“ wiederum gewährt in der letzten in Graz erhaltenen Buchdruckerei Einblick in alte Drucktechniken (ja, auch Steindruck).

Fotografieren ist bei den mehr als 300Programmpunkten übrigens ausdrücklich erwünscht: In Zusammenarbeit mit Wikipedia Österreich lädt das Bundesdenkmalamt noch bis 30.September zum Fotowettbewerb „Wiki Loves Monuments“ (http://wikilovesmonuments.at): Dabei können fotoaffine Österreicher Bilder denkmalgeschützter Objekte hochladen. Eine Jury kürt die besten Fotos.

Auf einen Blick

„Tag des Denkmals“, Sonntag, 29. September: in ganz Österreich, freier Eintritt.

Führungen zu den Mausoleen auf dem Jüdischen Friedhof, Treffpunkt: elf und 14 Uhr, Zentralfriedhof, Tor 1.

Porzellanmuseum (2., Obere Augartenstraße 1): 10–16 Uhr.

Krankenhaus St. Elisabeth (3., Landstraßer Hauptstraße 4a): 13–16 Uhr.

Bei vielen Führungen ist eine Anmeldung erforderlich, telefonisch unter 0676/686 07 56 oder online: www.tagdesdenkmals.at. Hier findet sich auch das komplette Programm mit mehr als 300 Veranstaltungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2013)

Kommentar zu Artikel:

Tag des Denkmals: Österreich zeigt seine Steine

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen