Wiener Gemeinderat: Mariahilfer Straße wird adaptiert

Ein Antrag der rot-grünen Koalition sieht eine Prüfung der Neugestaltung der Mariahilfer Straße vor: Die Fußgängerzone soll größer, Radfahren laut SP-Kreisen verboten und Queren wieder möglich werden.

Aus für Radfahrer auf der Mariahilfer Straße?
Aus für Radfahrer auf der Mariahilfer Straße?
MARIAHILFER STRASSE NEU: PASSANTEN – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Die massiven Proteste gegen die Neugestaltung der Mariahilfer Straße zeigen Wirkung. Die rot-grüne Koalition wird am Montag beim Sondergemeinderat einen gemeinsamen Antrag einbringen, mit dem das Projekt grundlegend verändert und der Konflikt gelöst werden soll – der Antrag liegt der „Presse“ vor.

Erweiterung der Fußgängerzone. Der Antrag sieht eine Prüfung vor, ob die Fußgängerzone erweitert werden kann. Fällt diese Prüfung des Magistrats positiv aus, wird die Fußgängerzone bis zur Stiftgasse verlängert, die Begegnungszone schrumpft. Dabei muss noch ein Problem gelöst werden. In diesem Bereich sind große Kaufhäuser mit Tiefgaragen. Eine Regelung, diese nicht von der Außenwelt abzuschneiden, muss noch gefunden werden.

Keine Radfahrer in Fußgängerzone. Im Antrag gibt es zwei interessante Formulierungen: Naheliegende Straßenzüge sollen für den Radverkehr optimiert werden und es sollen Maßnahmen gesetzt werden um eine gefahrlose Nutzung, besonders für Fußgänger, zu gewährleisten. In SP-Kreisen wird erklärt: Die Fußgängerzone soll für Radfahrer gesperrt werden, weil es ständig zu gefährlichen Situationen und Konflikten kommt. Deshalb müssten naheliegende Straßenzüge für Radfahrer optimiert werden, damit diese Alternativrouten hätten. Das sei Parteilinie, meint ein ranghoher SP-Funktionär zur "Presse": Auch, weil Häupl öffentlich erklärt habe, dass es ein Problem mit Radfahreren in der Fußgängerzone gebe, weshalb das Vorbild die Kärntner Straße sei. 

Querungen wieder möglich. Die Barriere zwischen dem sechsten und siebenten Bezirk soll fallen. Der Magistrat wird untersuchen, wo und wie Querungen für den Autoverkehr möglich sind.

Buslinie 13A wird umgeleitet. Bereits bekannt ist, dass die Buslinie 13A nicht mehr durch die Fußgängerzone fahren wird. Im rot-grünen Antrag wird das nun festgeschrieben. Eine neue Route gibt es (noch) nicht. Die Wiener Linien arbeiten derzeit daran, dass der 13A die Mariahilfer Straße künftig nur mehr quert.

Mehr Flair für Fußgängerzone. Die Umgestaltung in eine echte Fußgängerzone ohne Radfahrer soll sich auch atmosphärisch niederschlagen. Grundsätzlich ist von einer Attraktivierung die Rede.

Umgestaltung der Begegnungszonen. Nachdem es in den Begegnungszonen zu massiven Konflikten zwischen allen Verkehrsteilnehmern kommt, werden sie umgestaltet. Details dazu sind aber noch offen.
Im Grunde wird die Fußgängerzone so geändert, wie es Bürgermeister Michael Häupl gefordert hat. Damit ist es aber nicht getan. Denn am Montag ist eine hitzige Diskussion im Gemeinderat zu erwarten. VP-Chef Manfred Juraczka erklärt: In dem rot-grünen Antrag sei kein Wort mehr von der angekündigten Befragung. Offenbar würde auch bei der Adaption der Neugestaltung über die Bürger drübergefahren.

Fußgängerbeauftragte nicht eingebunden

Ein bemerkenswertes Detail: Petra Jens, Fußgängerbeauftrage der Stadt, erklärte kürzlich gegenüber orf.at, sie sei bei der Gestaltung der neuen Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße nicht eingebunden worden. Das ist deshalb interessant, weil die ehemalige Grün-Aktivistin Jens von der grünen Planungsstadträtin Maria Vassilakou zu Jahresbeginn als Sonderbeauftragte geholt wurde, um die Situation für alle Fußgänger zu verbessern. Bei der Gestaltung des größten Wiener Fußgängerzonenprojektes der vergangenen Jahrzehnte blieb Wiens oberste Fußgängerin allerdings nur Zaungast.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2013)

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