Wiener Migrantenverein überfallen: Hooligans als Täter

Etwa 30 Hooligans der Austria-Fangruppe "Unsterblich Wien" stürmten am Sonntag die Räume des türkischen Vereins ATIGF und verletzten einen Mann. Neun einschlägig bekannte Männer wurden festgenommen.

Das Ernst Kirchweger-Haus (EKH) in Wien-Favoriten, in dem die Räumlichkeiten des türkischen Migrantenvereins ATIGF untergebracht sind.
Das Ernst Kirchweger-Haus (EKH) in Wien-Favoriten, in dem die Räumlichkeiten des türkischen Migrantenvereins ATIGF untergebracht sind.
Das Ernst Kirchweger-Haus (EKH) in Wien-Favoriten, in dem die Räumlichkeiten des türkischen Migrantenvereins ATIGF untergebracht sind. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Wenige Stunden vor dem Wiener Fußball-Derby Austria gegen Rapid Wien haben am Sonntag rund 30 Männer, die Polizeiangaben zufolge der Fangruppierung "Unsterblich Wien" angehören dürften, die Räumlichkeiten des türkische Migrantenverein ATIGF (Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Österreich) gestürmt. Der Verein ist im Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) untergebracht. Schon im Stiegenhaus trafen sie auf einen Mann, Mitglied der Kommunistischen Gewerkschaftsinitiative-International (KOMintern), die gerade in den Räumen tagten, und griffen ihn an. Die anderen Mitglieder der Tagung eilten ihm zu Hilfe, sagt Polizeisprecherin Adina Mircioane, und konnten die Rechtsradikalen auf die Straße drängen, wo sich diese bei einer nahen Baustelle mit Flaschen und Latten bewaffneten und neuerlich angriffen.

Die Polizei konnte neun Angreifer festnehmen, den anderen gelang die Flucht, sie sollen aber anhand des Video- und Fotomaterials ausgeforscht werden. "Die neun Personen wurden einvernommen", sagt Sprecherin Mircioane. "Sieben sind bereits wegen Gewaltdelikten amtsbekannt. Zwei, weil sie in der Vergangenheit bereits gegen das Verbotsgesetz verstoßen haben." Die Festgenommenen geben die Taten nicht zu, sondern gaben gegenüber der Polizei an, auf dem Weg zum Stadion von Mitgliedern des türkischen Vereins angegriffen worden zu sein.

Austria Wien distanziert sich

Die Wiener Austria, die dem Fanklub "Unsterblich" bereits im Jänner 2013 nach rassistischen und rechtsradikalen Äußerungen im Stadion den Status als offizieller Fanklub entzogen hat, hat sich am Montag erneut von der Fangruppe distanziert. "Es ist kein Geheimnis, dass es eine gewisse Form von Radikalismus im Stadion bei uns gegeben hat," heißt es in der offiziellen Aussendung. "Allerdings liegen Vorfälle schon lange zurück. Der FK Austria Wien tritt seit Jahren massiv gegen jede Form der Gewalt auf."

Die neun Festgenommen, zwischen 23 und 38 Jahre alt,  sind mittlerweile wieder entlassen. Sie müssen mit einer Anzeige rechnen. Ob sie wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruchs oder eines anderen Vergehens angezeigt werden, wisse man erst nach Auswertung des Bildmaterials, so Mircioane.

Grüne: "Neuer Höhepunkt des Rassismus"

Die Menschenrechtssprecherin der Grünen, Alev Korun, verurteilt den Anschlag am Montag in einer Aussendung als "einen neuen Höhepunkt des Rassismus." Sie fordert eine Anzeige nach dem Verbotsgesetz: Unter Berufung auf Gespräche mit Augenzeugen berichtet sie, dass die Angreifer in einem nahe gelegenen Park neben "Ausländer raus" auch "Heil Hitler" gerufen und den "Hitler-Gruß" vorgeführt haben sollen. Die Polizei konnte das am Montag gegenüber der "Presse" nicht bestätigen.

Fangruppe "Unsterblich"

Der Fanzusammenschluss "Unsterblich" fiel vor seiner Verbannung durch den Verein auf der Tribüne durch rassistische und neonazistische Parolen wie "Adolf Hitler ist mein Freund", "Zick-Zack Zigeunerpack" und "Rassist, Faschist, Hooligan" auf, auch der Hitler-Gruß war zu sehen. Die Austria reagierte bereits vor einigen Jahren mit Hausverboten.

2009 gab es rund um das EL-Spiel Austria gegen den baskischen Club Athletic Bilbao Ausschreitungen. Die Partie wurde für etwa 20 Minuten unterbrochen, nachdem Austria-Fans den Platz gestürmt hatten. Insider berichteten damals auch davon, dass führende Mitglieder des berüchtigten und offen faschistischen Lazio-Rom-Anhangs "Irriducibili", von Lewski Sofia und von Real Madrid dabei waren. Die Spanier hatten Fahnen aus der Franco-Ära mitgebracht.

(Red.)

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