Schließung: Letzter Schlussverkauf bei La Stafa

Das berühmte Kaufhaus auf der Mariahilfer Straße sperrt zu. Bis auf den Billa im Untergeschoß schließen sämtliche Geschäfte. Der markante Rundbau wird zu einem Designhotel. Auch Slama schließt.

(c) Clemens FABRY

Wien. Der große Schlussverkauf läuft seit Tagen. Minus 50 Prozent. Und dann noch einmal minus zehn. Und wie lange noch? „Das ist ein Rätsel, das weiß niemand“, sagt die Verkäuferin im Esprit aufgewühlt und sortiert die T-Shirts in Zellophansackerln. „Das Haus ist verkauft, wir müssen raus“, sagt sie. Mehr will sie dann auch nicht mehr dazu sagen.

Verkauft wurde der auffällige Rundbau an der Ecke Mariahilfer Straße und Kaiserstraße schon vor gut anderthalb Jahren. Damals sicherte sich eine Gesellschaft der Schöps-Gruppe das historische Kaufhaus. Was damit geschehen sollte? Von einem Neubau war die Rede, oder von einer kompletten Neugestaltung der Innenflächen. Weg von kleinen Billigläden, hin zu hochwertigen, großen Einkaufsflächen.

Nun sperrt das La Stafa zu, sämtliche Geschäfte, bis auf den Billa im Untergeschoß, schließen. Das alte Warenhaus wird zu einem Designhotel. Die historische Fassade dürfte bleiben, das Innere komplett umgestaltet werden. Und das nahe Ende sieht man in jeder Ecke. Das Café ist schon abgebaut, billige Kristallluster hängen noch vor samtenen Stoffen an den Wänden, an das Geschäft nebenan erinnern nur noch Aufkleber mit „Wir schließen“ und Schilder, die auf Rabatte hinweisen. Das Ende kommt in Raten. Aber nicht überraschend. Sie wisse, erzählt die Verkäuferin im Sport-Outlet, von Anfang an, also seit August vorigen Jahres, dass dieses Geschäft nur für begrenzte Zeit aufsperrt. „Schade“, sagt sie. Bis Mitte Jänner wird nun das Sortiment abverkauft.

Niedergang war absehbar

Der Niedergang des La Stafa zeichnet sich schon seit Jahren ab. Gut besucht war es lange nicht mehr, nach und nach sind Billighändler eingezogen. Seit der Pleite von Cosmos, einem der wichtigsten Mieter, im Jahr 2010, hatte das Kaufhaus trotz der guten Lage Probleme, Kunden anzuziehen.

Dabei hat das La Stafa als Kaufhaus einst funktioniert. 2003, als es als La Stafa eröffnet wurde, war der Ansturm riesig. Und das war nicht der erste Neustart für den traditionsreichen Rundbau. Gebaut unter Architekt und Bauherr Jakob Wohlschläger, zieren die Fassade des siebenstöckigen Stahlbetonbaus Reliefs von Anton Hanak, die öffentliche Aussichtsterrasse war in der Anfangszeit mit Fernrohren mit Blick über Wien ausgestattet.

Ursprünglich eröffnet wurde der Bau am 81. Geburtstag Kaiser Franz Josephs am 18. August 1911 als „Mariahilfer Zentralpalast – erstes Wiener Warenmuseum und Kollektivkaufhaus“, in das sich damals etwa hundert Kaufleute eingemietet hatten. Mit den Kaufhäusern Gerngross und Herzmansky (anstelle des heutigen Peek & Cloppenburgs) begründete der „Zentralpalast“ den Aufstieg der Mariahilfer Straße zur Einkaufsmeile.

Fürsorgeanstalt als Warenhaus

Seit 1919 kennt man den Rundbau als Stafa – kurz für Staatsangestellten Fürsorgeanstalt, schließlich war er im Laufe des Krieges erst von einer Bank, schließlich von dieser übernommen worden. Ungeachtet vieler Besitzerwechsel – am längsten, jahrzehntelang, gehörte das Kaufhaus zur GÖC, der Großeinkaufsgesellschaft der österreichischen Konsumgenossenschaften. Das Stafa wurde im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe beschlagnahmt, teilweise zerstört, von der GÖC wiederaufgebaut, florierte als Nachkriegswarenhaus, schlitterte, wie alle Warenhäuser, in deren Krise. Und wurde nach der Konsumpleite zum Einkaufszentrum. Eurocenter stand dann auf der runden Fassade, das markante, weithin sichtbare, sich drehende Stafa-Symbol wurde 1998 abmontiert. Aber das Geschäft lief nicht recht, Mieter gingen pleite, Kunden blieben aus.

2003 wurde wieder umgebaut, der damalige Besitzer, eine Gesellschaft der Bawag, fügte dem alten Namen Stafa ein italienisches La hinzu, wieder wurde neu eröffnet. Und ein Jahr später noch ein Verkauf, diesmal an eine deutsche Immobiliengesellschaft, eine Tochter der Deka-Bank, und wieder ein neues Konzept für den alten Bau. Schließlich, nach einigen Überlegungen, wie man das La Stafa neu positionieren könne, entschloss sich die Bank zum Verkauf. Und mit dem neuen Besitzer ist die Ära als Kaufhaus wohl (vorerst) vorbei, der Umbau soll 2014 starten.

Fenstersturz als Vorbote

Und er dürfte nötig sein. Hat doch erst vor gut zwei Wochen ein Fenstersturz – eine Glasscheibe stürzte vier Etagen tief auf die Kaiserstraße – zu umfangreichen Sperren der Straße geführt. Ein Vorbote, kurz bevor das Ende des Kaufhauses bekannt wurde?

Auch innen hat das kleine Shoppingcenter schon heute, wenige Wochen vor dem endgültigen Aus, mancherorts Baustellencharme. Dunkle Glasscheiben, alte Schilder, abmontierte Lokale, Schnäppchenjäger, und in den Geschäften Ratlosigkeit und Trauer.

Auch Slama schließt

Auch das Geschirr- und Tischkulturgeschläft Slama in der Mariahilferstraße wird zusperren. In der Slama-Geschäftsleitung wurde der Austria Presse Agentur wurden am Montag Medienberichte bestätigt, wonach das große Geschäft an der Adresse Mariahilfer Straße 71 aufgegeben wird. Derzeit läuft der Totalabverkauf. "Wir bauen unseren Standort in Hennersdorf aus", wurde betont. Das und die damit zusammenhängende Schließung in Wien sei schon länger geplant gewesen. Mit der Umgestaltung der Mariahilfer Straße in eine Fußgängerzone habe der Abschied nichts zu tun, hieß es.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2013)

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