Privatbuslinien: Mehr Wettbewerb

Mit Jahresende werden die Wiener Linien sämtliche Strecken übernehmen, die bisher privaten Busunternehmen übertragen waren. Das bringt einige Änderungen.

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Wien. In der Bundeshauptstadt prägen die roten Straßenbahnen und Busse der Wiener Linien das Stadtbild. Was viele nicht wissen: Der öffentliche Verkehr wird nicht ausschließlich von den Wiener Linien bestritten, es sind nur rund zwei Drittel der gesamten Wiener Streckenkilometer. Denn einige private Unternehmen besitzen Konzessionen für gewisse Strecken, agieren dort völlig selbstständig als Betreiber. Diese private „Konkurrenz“, die in der Praxis aber eng mit den Wiener Linien kooperiert, wird bis Ende des Jahres de facto von der Bildfläche verschwinden. Zumindest formal und optisch.

Denn auslaufende Buskonzessionen (sie sind meist rund sieben Jahre gültig) müssen seit 2007 automatisch an die Wiener Linien gehen – wie damals im Wiener Gemeinderat beschlossen wurde. Diese Übernahme ist weit fortgeschritten. Ab Juli wandern die Linien 56B, 156B und 58B, die bisher von Dr. Richard betrieben wurden, unter die Kontrolle der Wiener Linien, wie ein entsprechender orf.at-Bericht der „Presse“ am Montag durch die Wiener Linien bestätigt wurde.

Beschluss aus dem Jahr 2007

Warum die städtischen Verkehrsbetriebe die Linien übernehmen? Argumentiert wird nicht nur mit dem Gemeinderatsbeschluss 2007, sondern auch mit praktischen Gründen. Die Busse der betreffenden Linien seien morgens meist völlig überlastet, mancher Fahrgast muss auf den nächsten Bus warten, weil in dem Fahrzeug kein Platz mehr ist. Für diesen Fahrplan sei das Unternehmen Dr. Richard verantwortlich, heißt es bei den Wiener Linien. Wobei das Busunternehmen von der Kritik überrascht ist. „Diese Probleme sind uns neu. Unsere Lenker sagen, dass es bis jetzt nicht zu gravierende Überfüllungen in den Bussen gekommen ist“, erklärt Betriebsleiter Bernhard Weber der „Presse“.

Der Hauptgrund für die Übernahme der (privaten) Konzessionen seit 2007 argumentieren die Wiener Linien grundsätzlich so: Es sei organisatorisch deutlich einfacher, wenn die Wiener Linien sich nicht mühsam mit den privaten Unternehmen abstimmen müssten (z. B. private Bus- auf öffentliche U-Bahn-Intervalle, Fahrzeit des letzen Busses etc.), sondern als zentraler Betreiber „alles aus einer Hand“ anbieten könnten. Das käme massiv den Fahrgästen zugute und erleichtere die Abstimmung des öffentlichen Verkehrs in Wien deutlich.

Dass alle Buskonzessionen bis Jahresende an die Wiener Linien gehen, betrifft nicht nur Dr. Richard, sondern alle anderen Anbieter in Wien wie Blaguss, Postbus und Gschwindl. Trotzdem kommentiert Weber das überraschend emotionslos: „Das ist seit Langem bekannt. Aber die Wiener Linien schreiben diese Strecken wieder aus, wir werden sicher mitbieten.“

Der Hintergrund: Die Wiener Linien sind nicht gezwungen, alle Strecken selbst zu betreiben. Sie haben trotz 500 Bussen regional oft nicht die notwendige Kapazität bzw. kann ein Privater eine (für die Wiener Linien) unrentable Strecke oft rentabel betreiben. Deshalb schreiben die städtischen Verkehrsbetriebe ungeliebte Strecken, nachdem sie die Konzession dafür erhalten haben, EU-weit wieder aus – womit auf der betreffenden Strecke wieder ein privates Busunternehmen unterwegs ist, allerdings nach den Vorgaben der Wiener Linien (Abstimmung auf andere öffentliche Verkehrsmittel, einheitliches Erscheinungsbild z. B. bei den Haltestellen, Vorgabe der Intervalle etc.).

Für Wiener Linien wird es billiger

Was beide Seiten nicht erwähnen: Als positiver Nebeneffekt wird der Steuerzahler entlastet. Warum? Hatte ein privates Busunternehmen die Konzession für eine Strecke, konnte es dort alle Bedingungen festlegen. Beispielsweise den Preis, den die Wiener Linien bezahlen müssen, damit ihre Fahrgäste diese Route mit Wiener-Linien-Tickets benützen dürfen bzw. damit sie mit den Wiener Linien überhaupt kooperieren. Dieses regionale Monopol ist gefallen, nun gibt es eine EU-weite Ausschreibung. Und dadurch sinkt der Preis deutlich, weil nun mehrere private Busunternehmen in den Startlöchern stehen, um den Auftrag zu bekommen – und daher deutlich unter dem Preisniveau des ehemaligen Monopols anbieten. Wobei Weber auch warnt: Die Wiener Linien dürften jetzt nicht nur auf den billigsten Preis schauen, damit die Qualität für die Fahrgäste nicht leidet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2014)

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