Im Dornröschenschlaf

Seit Jahren sind Burg und Kirche auf dem Leopoldsberg gesperrt. Heuer soll endlich mit Umbau und Sanierung des historischen Ausflugziels begonnen werden. Die Kritiker beruhigt das trotzdem nicht.

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Burg Leopoldsberg – Die Presse

Irgendjemand hat ein kleines Loch in das mächtige Holztor gebohrt, durch das Neugierige einen Blick in den Burghof werfen können. Viel erkennt man nicht: Der alte Schriftzug „Gastwirtschaft“ prangt noch an der Ziegelmauer, der Burghof selbst wirkt verwachsen, ja, fast verwunschen.

Und vor allem: gesperrt. Schon seit 2007 ist der Leopoldsberg – genauer gesagt die Burganlage samt Kirche – nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Anfangs war gelegentlich der Besuch der Kirche möglich, seit Mai 2010 hat aber kein Besucher die historische Stätte, einst ein beliebtes Ausflugsziel der Wiener, von innen gesehen. Nur um die Burgmauern herum lässt es sich – bei bestem Blick auf Wien und Klosterneuburg – nach wie vor spazieren. Teils mit Brettern verbarrikadiert, wartet das – sanierungsbedürftige – Burgareal darauf, aus seinem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Dabei sollte es eigentlich längst aufgewacht sein: Denn als das Stift Klosterneuburg als Besitzer des Leopoldsberges im Jahr 2007 dem Architekten Alexander Serda ein hundertjähriges (!) Pachtrecht für die Burganlage vergab, ging man von einer raschen Sanierung des Burgareals aus. Laut Vertrag hätte Serda den Leopoldsberg innerhalb von drei Jahren für die Bevölkerung wieder zugänglich machen müssen. Das sei deswegen nicht gelungen, heißt es aus dem Stift – Serda selbst gibt sich in der Causa seit Jahren medienscheu – weil zunächst das Problem des fehlenden Kanalanschlusses gelöst werden musste. Und man die historische Substanz genau untersuchen musste, ehe Serda Ende Februar 2014 die Baupläne bei den zuständigen Magistratsabteilungen eingereicht hat.

Dass die Burganlage, die seit 1787 im Besitz des Stiftes steht, überhaupt verpachtet wurde, habe finanzielle Gründe, sagt Stiftssprecher Walter Hanzmann. „Die Sanierung hätte unseren finanziellen Rahmen gesprengt.“ Die Kirche wurde aber nicht mitverpachtet und wird vom Stift um geschätzte 250.000 Euro saniert werden, wenn die Bauarbeiten auf der Burg losgehen. Und das soll heuer tatsächlich der Fall sein. „Wir denken“, sagt Hanzmann, „dass die Sache im Sommer in Schwung kommt.“

Details sind kaum bekannt. Fest steht, dass die – umstrittene – Idee, in der Burg ein Luxushotel zu errichten, verworfen wurde. Der Burggarten soll wieder öffentlich zugänglich sein. In der Burg soll es drei Veranstaltungssäle geben, die für Hochzeits- und Tauffeiern gemietet werden können sowie ein Archiv und drei Ausstellungsräume, die sich der langen Geschichte des Leopoldsberg widmen: Siedlungen dürfte es hier schon im 9. Jh. vor Christus gegeben haben. 1130 wurde der Leopoldsberg als „Chalwenberge“ erstmals urkundlich erwähnt. Tatsächlich hieß der Leopoldsberg früher Kahlenberg. Als Ende des 17. Jahrhunderts die Kirche wiedererrichtet und dem heiligen Leopold geweiht wurde, nannte man den Berg um – und der benachbarte Sauberg wurde zum Kahlenberg gemacht. (Wie er bekanntlich heute noch heißt).

Dass die Baupläne nun endlich bei der Baupolizei liegen, beruhigt die über die lange Schließung empörten Bürger nicht. Michael Lenzenhofer von der Initiative „Weltkulturerbe Grinzing“ fordert die sofortige Öffnung. Dass das Stift den Leopoldsberg auf 100 Jahre verpachtet hat, bezeichnet er als „Kindsweglegung. Wie man so einen spirituellen, wichtigen Berg einfach links liegen lassen kann, ist mir unverständlich.“

Lenzenhofers Bürgerinitiative hat mehr als 3000 Unterschriften für die Öffnung von Burg und Kirche gesammelt, 2013 hat sich der Petitionsausschuss des Wiener Gemeinderates mit der Sache befasst– und den Antrag abgelehnt. Tatsächlich hat weder Stadt noch Bezirk – Leopolds- und Kahlenberg liegen auf der Wiener Seite im Bezirk Döbling – wenig Spielraum. Das von Lenzenhofer behauptete Servitut für die Öffentlichkeit existiere nämlich, sagt Stiftssprecher Hanzmann, „schlicht und einfach nicht“. Zudem sei es ob des desolaten Zustands zu gefährlich, Besucher auf das Areal zu lassen.

Die Initiative „Weltkulturerbe Grinzing“ will trotzdem nicht tatenlos abwarten: Für 3. Mai (15 Uhr) ist eine Protestversammlung auf dem Leopoldsberg geplant. Die „Initiative Denkmalschutz“, die ebenfalls die rasche Öffnung der Burg fordert, fürchtet, dass die Schäden durch die jahrelange Tatenlosigkeit noch größer werden. „Es ist bedenklich“, sagt Bezirksobservator Erich Schimek, „eine so große Institution so lange unsaniert stehen zu lassen, bis sie total kaputt ist.“

Bundesdenkmalamt wird aktiv. Diese Gefahr sieht Wiens oberster Denkmalschützer, Landskonsverator Friedrich Dahm vom Bundesdenkmalamt (BDA), nicht. „Das Bauwerk verkommt nicht, nur weil der Verputz an manchen Stellen bröckelt.“ Ganz geheuer war dem BDA die jahrelange Sperre aber nicht. 2010 hat das BDA von sich aus begonnen, das Burgareal „auf Herz und Nieren“ zu prüfen: Sämtliche Oberflächen wurden untersucht, um Alter und Zustand festzustellen. Immerhin handle es sich beim Leopoldsberg um „ein sehr bedeutendes Denkmal von Wien, das fast Wahrzeichencharakter hat“, sagt Dahm. Der Spielraum für Umbauten sei an manchen Teilen der Burg beschränkt. „Es gibt einen mittelalterlichen Kern, da geht gar nichts, und hochwertige Architektur aus dem 19. Jahrhundert, die zu schützen ist.“

Im Oktober 2013 hat das Denkmalamt jedenfalls Serdas – adaptierte – Umbaupläne abgesegnet, nun fehlt noch das Okay der Baupolizei. Dann können die Umbauten theoretisch beginnen. Ewig kann sich Serda nicht Zeit lassen: In drei Jahren läuft die Genehmigung des BDA aus. Dann müsste er die Pläne erneut einreichen.

Veranstaltungen

Am kommenden Dienstag, 15. April, öffnet das Stift Klosterneuburg seinen ersten „interaktiven Wein-Wanderweg“, den Interessierte jederzeit kostenlos begehen können. Der Weg führt entlang der Weinberge des Stifts, auf Infotafeln bekommt man – via QR-Code – aktuelle Informationen zu Rebsorte, Reifestand etc. auf sein Smartphone. 19., Eisernenhandgasse. Infos: www.stift-klosterneuburg.at
Immer wieder gibt es auch geführte zweistündige Weingartenwanderungen, die mit Picknick und Weinverkostung enden. Die nächsten Termine: So, 18. 5, sowie Sa, 22. 6. (14.30 Uhr, 19 Euro, Treffpunkt: Kirche Kahlenbergerdorf).
Anmeldung erforderlich: vinothek@stift-klosterneuburg.at oder 02243/41 15 48

Der Waldseilpark Kahlenberg (19., Josefsdorf 47) ist im April von Do bis So (auch in den Osterferien) von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Im Mai gibt es ein Kletter-Speed-Dating (9. 5. sowie 16. 5.) für Singles (17 bis 19 Uhr). Ab Mai steht zudem jeden Freitag und Samstag Nachtklettern auf dem Programm: Ab Einbruch der Dunkelheit bis 23 Uhr wird der Waldseilpark mit seinen 18 Kletterstationen (Gesamtlänge: 1,8 km) von hunderten Lampions beleuchtet. Mehr Infos unter: www.waldseilpark.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2014)

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