Rapid-Stadion: Kritik an Vergabe

Nachdem der SK Rapid die Strabag mit dem Neubau des Stadions beauftragt hat, kommt nun Protest der Architektenkammer: Die Vergabe des Neubaus sei intransparent.

(c) SK Rapid Wien

Wien. Unter tosendem Applaus von 2000 Mitgliedern des SK Rapid Wien wurde Dienstagabend in der Wiener Stadthalle das Geheimnis um den Stadionneubau gelüftet: Der Strabag-Konzern werde in Hütteldorf für den österreichischen Rekordmeister „eines der modernsten Stadien Europas“ (24.000 Sitzplätze, Fertigstellung: Sommer 2016) bauen, verkündete Rapid-Präsident Michael Krammer stolz. Das alte Hanappi-Stadion werde abgerissen. Nun, da die erste Begeisterungswelle abklingt, kommt geballte Kritik vonseiten der österreichischen Architektenkammer: Die Vergabe an den Strabag-Konzern sei intransparent erfolgt.

Es habe keine öffentliche Ausschreibung stattgefunden. Diese sei zwar nicht zwingend erforderlich gewesen, wäre aber dennoch angebracht gewesen. Denn, so sagt der Präsident der Bundeskammer der Architekten, Georg Pendl, zur „Presse“: „An der architektonischen Form besteht großes öffentliches Interesse.“ Und: „In seiner Bedeutung für die Stadtentwicklung ist das neue Stadion einem Bezirkszentrum gleichzusetzen.“

Klar ist: Rapid war gemäß Vergabegesetz nicht verpflichtet, den Neubau öffentlich (EU-weit) auszuschreiben. Der Verein bekommt von der Stadt Wien (MA 51, Sportamt) zwar rund 20 Millionen Euro Förderung, das Stadion kostet aber 53 Millionen. Die Differenz, also 33 Millionen Euro, will der Klub mittels Krediten finanzieren. Damit liegt die Beteiligung der öffentlichen Hand bei unter 50 Prozent, wodurch eben die Verpflichtung zur Ausschreibung wegfällt. Pendl meint aber, dass die „baukulturellen Leitsätze der Stadt Wien“ private Investoren dazu anhalten würden, große Projekte jedenfalls auszuschreiben. Auch dass ein Vorstand der Strabag AG der Bruder von Rapid-Präsident Krammer ist, ergibt für Pendl keine schöne Optik.

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Anrainer protestieren

Der Chef der MA 51, Anatol Richter, erinnert daran, dass die Stadt das Vergabegesetz „strikt“ einhalte. „Wir haben auch keine Handhabe, von einem Privaten eine Ausschreibung zu verlangen.“

Indes fordern Stadionanrainer, konkret der Mieterbeirat des Hugo-Breitner-Hofes, die Stadt auf, den Pachtvertrag mit Rapid zu kündigen (das jetzige Stadion gehört der Stadt, der Klub ist Pächter). Denn: Die Lärmbelästigung werde künftig steigen, auch an das versprochene Verkehrskonzept für das neue Oval glaube man nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2014)

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