Wien stockt PR-Budget massiv auf

Die Stadt erhöht ihr Marketing-Budget um 35 Prozent auf jährlich 5,37 Millionen Euro. Im nächsten Jahr werden es sogar plus 60 Prozent sein – wegen des Songcontests.

Rathausplatz
Rathausplatz
Touristen und Bevölkerung sollen Wien (noch mehr) lieben. Dafür wird das Budget des Stadt-Marketings massiv erhöht. – Die Presse

Wien. „Tue Gutes und rede darüber.“ Diesen Auftrag hat Bürgermeister Michael Häupl vor längerer Zeit seiner Wiener SPÖ vorgegeben. Die Partei soll ihre Erfolge (z. B. Gratiskindergarten, Gratisnachhilfe etc.) besser vermarkten. Denselben Befehl hat Häupl offenbar für die Arbeit der Stadtregierung ausgegeben – ihren Niederschlag findet diese Vorgabe am Mittwoch. Dann wird im Ausschuss für Bildung, Jugend, Information und Sport das Werbebudget der Stadt Wien Marketing GmbH für das Jahr 2015 schlagartig um rund 60 Prozent erhöht, wie der zuständige Stadtrat, Christian Oxonitsch, der „Presse“ bestätigt.

Konkret erhält die Stadt Wien Marketing GmbH im nächsten Jahr 6,37 Millionen Euro anstelle von bisher vier Millionen. In dieser 60-prozentigen Budgeterhöhung ist eine Million Euro an PR-Maßnahmen für den Songcontest enthalten. Dieses Geld wird zusätzlich zu den rund 53 Millionen Euro für die städtische PR-Arbeit durch den PID (Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien) ausgegeben. Und: Die deutliche Erhöhung des Budgets für das Stadtmarketing gilt nicht nur für das Songcontestjahr 2015. Laut Antrag, der der „Presse“ vorliegt, ist das Budget ab 2015 acht Jahre lang um mindestens 35 Prozent erhöht. Mit diesen jährlichen 5,37 Millionen Euro kümmert sich die Organisation um die Beratung externer Veranstalter. Und organisiert selbst jährlich vier Projekte: Wiener Eistraum, Silvesterpfad, Filmfestival auf dem Rathausplatz und ein sogenanntes Themenjahr (heuer ist es das Motto „Bewegung findet Stadt“).

Millionen für Events

Falls in einem Jahr ein Großevent wie der Songcontest stattfindet, wird dieses Marketingbudget noch weiter erhöht. Im nächsten Jahr fließt daher die erwähnte zusätzliche Million in das Marketing für den Songcontest. Das ist aber noch nicht alles. Zu den 5,37 Millionen als jährliche Basis kommt noch eine jährliche Indexanpassung – das Marketingbudget steigt also mit der Inflationsrate.
Argumentiert wird die massive Budgeterhöhung für die Stadt Wien Marketing GmbH in dem Antrag so: mehr Flexibilität, mehr Kostenwahrheit, mehr Transparenz, gestiegene Anforderungen. „Der PID hat in den vergangenen Jahren für Citymarketing über Einzelaufträge Leistungen der Stadt Wien Marketing in Anspruch genommen“, heißt es in dem Antrag: „Das Citymarkting war bisher kein Vertragsbestandteil, jedoch wird es für die Stadt Wien immer wichtiger, sich im internationalen Städtewettbewerb bestmöglich zu positionieren und auch auf dem Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten.“

Aufgrund knapper werdender Ressourcen bei steigenden Anforderungen werde sich der PID nun auf strategische Aufgaben konzentrieren und in Zukunft vermehrt Leistungen der Stadt Wien Marketing in Anspruch nehmen müssen. Im Klartext: Der PID lagert Aufgaben an die Stadt Wien Marketing aus. Das treibt dort die Kosten in die Höhe – die nun auch ersetzt werden –, während der PID, also die große Medienorgel der Stadt, weiterhin auf ein stabiles Jahresbudget in der Höhe von rund 53 Millionen Euro zurückgreifen kann. Dazu Stadtrat Christian Oxonitsch: „Es haben sich die Herausforderungen im Städtemarketing grundlegend verändert – es gibt immer mehr internationale Events in Wien.“ Nachsatz: „Nachdem sich die Anforderungen an die Stadt Wien Marketing geändert haben, musste der Vertrag adaptiert werden.“ Immerhin würden in Wien „immer mehr Großevents von internationaler Bedeutung“ stattfinden, sagt Oxonitsch, der auf die Fußball-EM 2008 und den Songcontest verweist.

 

"Brot und Spiele"

Wiens VP-Chef, Manfred Juraczka, dagegen reagiert zynisch: „Die rot-grüne Kernkompetenz ist offenbar Brot und Spiele. Und jetzt genehmigt sich Rot-Grün 1,4 Millionen Euro pro Jahr mehr zum Spielen.“ Und alle Wiener müssten das bezahlen – ohne zu wissen, wofür das Geld verwendet werde.

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