Arbeiterstrandbad „geht baden“

Ein Teil des ehemaligen Arbeiterstrandbades soll zu einer öffentlichen Badewiese umgestaltet, die Kabinengebäude abgerissen werden. Die Badegäste wehren sich.

Arbeiterstrandbad
Arbeiterstrandbad
(c) Die Presse - Stanislav Jenis

Wien. Ein „Kulturgut geht baden“, sagt Renate Steinmann. Sie ist Kabinenpächterin im Bereich des ehemaligen Arbeiterstrandbades. Doch nicht mehr lange. Denn schon mit Beginn der nächsten Badesaison will die Stadt Wien dort eine öffentliche Badewiese errichten.

Die Kabinengebäude des ehemaligen Strandbades würden abgerissen werden. Die Bürgerinitiative Rettet das Arbeiterstrandbad wehrt sich deshalb gegen die Umbaupläne. Alle Anfragen bei öffentlichen Stellen seien jedoch bisher unbeantwortet geblieben. „Nicht einmal irgendeine Antwort haben wir bekommen“, beschwert sich Steinmann. Eine Petition hat bereits über 1500Unterstützer. Sie soll Bürgermeister Michael Häupl am Tag der offenen Tür im Rathaus am Sonntag vorgelegt werden.

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Das betroffene Areal befindet sich an der Alten Donau. Pächter des Grundstücks ist der Arbeiterschwimmverein (ASV), der das Strandbad Alte Donau betreibt. Subpächter ist jedoch seit 1985 der Club Danube mit einem Fitnessstudio und Sport-Outdooranlagen.

 

Naturnaher Umbau geplant

Ein vorläufiger Plan der Stadt Wien sieht die Errichtung eines öffentlich zugänglichen Badebereichs vor, sowie eventuell die Errichtung einer Sanitäranlage. Das Gelände soll in einem naturnahen Zustand gestaltet werden und der Zugang kostenfrei sein. Eingereichte Pläne gibt es noch nicht, doch eines steht so gut wie fest: Die Gebäude, die sich derzeit auf dem betroffenen Gelände befinden, werden abgerissen. Das Alter ist den Gebäude anzusehen, darin sind sich alle Beteiligten einig. „Der bauliche Zustand ist desolat“, sagt Johann Klepp, der den Club Danube betreibt und für das Gelände zuständig ist. „In den letzten zehn Jahren ist nichts investiert worden“, erklärt Steinmann. Das einige Kabinen deshalb auch leer stehen, sei nicht verwunderlich. Klepp sah sich nicht zuständig. Er habe jedes Jahr für die Erhaltung gesorgt. Eine Erhaltung, die durch die große Anzahl und die teilweise über 80-jährigen Bäume aufwendig war. Eine Investition, wie eine Renovierung oder einen Neubau, habe er nicht geplant. „Das rechnet sich nicht.“ Dem oft geäußerten Vorwurf, das Bad sei nicht öffentlich zugänglich, widerspricht Renate Steinmann. Der Bereich sei über den Club Danube zugänglich. Das Bad selbst war als Klubbad geführt. Rund 500 Personen wären laut Bürgerinitiative von den Änderungen betroffen. Sie verlieren ihre teilweise seit Jahrzehnten gepachteten Kabinen und dadurch ihr Erholungs- und Freizeitgebiet.

 

Räumung bis Ende Oktober

Unklar ist, warum bereits heuer mit dem Umbau begonnen werden soll. Die ursprüngliche Pacht wäre nach 99 Jahren Laufzeit in vier Jahren ausgelaufen. Wer tatsächlich hinter der Idee des Umbaus steht, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. „Der ASV ist an die Stadt Wien herangetreten, da er sich den Erhalt nicht leisten kann“, erklärt Gerald Loew, Leiter der Abteilung MA45 – Wiener Gewässer, die für die Neugestaltung zuständig ist. Beim ASV will man davon nichts wissen. Die Stadt Wien habe bereits letztes Jahr angefragt und um die Rückgabe des Areals gebeten. Die betroffenen Kabinenpächter wurden erst Ende August über die Pläne informiert. „Bis Ende Oktober müssen wir unsere Kabinen geräumt haben“, sagt Steinmann. Die betroffenen Kabinenpächter würden sich eine Eingliederung in das angrenzende Strandbad Alte Donau wünschen. Eine Forderung, die von den Grünen und der FPÖ in der Donaustadt unterstützt wird. Die FPÖ brachte am Mittwoch einen Antrag in der Bezirksvertretung ein. Die Kosten für das Projekt könnten derzeit nicht beziffert werden, heißt es von der Stadt Wien. „Wir hoffen, dass wir mit Saisonbeginn starten können“, sagt Loew.

AUF EINEN BLICK

Das Arbeiterstrandbad wurde 1912 vom Arbeiterschwimmverein Wien (ASV) gegründet. Es befindet sich am rechten Ufer der Alten Donau. Das Bad war für 5000 Leute konzipiert worden. Auch heute noch wird es als „der Strand“ bezeichnet. Der ASV ist nach wie vor Hauptpächter des Areals und betreibt das angrenzende Sportbad Alte Donau. 1985 übernahm der Club Danube einen Teil als Subpächter. Seitdem wird das Arbeiterstrandbad nicht mehr als öffentliches Bad geführt. Auf dem Areal, das von der Neugestaltung betroffen ist, befinden sich mehrere Kabinengebäude mit rund 150 Kabinen und auch einigen Kabanen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2014)

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