Gewog-Chef kauft Penthouse von sich selbst

Gewog-Chef Karl Wurm besitzt Wohnungen, in Häusern, die er selbst gebaut hat. Sein Penthouse in Hernals war billiger als die geförderten Wohnungen der Nachbarn. Möglich machte es Werner Faymann und ein Vertrag mit sich selbst.

In diesem Gewog-Bau in Hernals kaufte Karl Wurm ein Penthouse. Es war billiger als die Wohnungen der Nachbarn.
In diesem Gewog-Bau in Hernals kaufte Karl Wurm ein Penthouse. Es war billiger als die Wohnungen der Nachbarn.
In diesem Gewog-Bau in Hernals kaufte Karl Wurm ein Penthouse. Es war billiger als die Wohnungen der Nachbarn. – Janis / Die Presse

Wien. Wohnbauförderungen sind eigentlich dazu da, um Wohnungen billiger zu machen. Außer, man ist Gewog-Chef, dann bekommt man sie sogar ohne staatliche Finanzspritze recht günstig – sogar günstiger als die per Gesetz förderwürdigen Nachbarn. Möglich macht das eine Sondergenehmigung aus dem Büro des damaligen Wohnbaustadtrats Werner Faymann (SPÖ) und ein Kaufvertrag mit sich selbst.

Aber von vorne: Im Jahr 2001 erwarb die Gewog/Neue Heimat ein Grundstück in der Gschwandnergasse 20–24 in Hernals. Hier sollten mit Unterstützung von Wohnbaufördermitteln des Landes insgesamt 36 Tops zwischen 45 und 120 Quadratmeter entstehen. Geschäftsführer des gemeinnützigen Bauträgers ist Karl Wurm. Er ist auch Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), der neben wirtschaftlichen Prüfungen und Interessensvertretung vor allem die Festlegung strenger Wohlverhaltensregeln für gemeinnützige Bauträger zum Ziel hat. Karl Wurm ist Stimme des sozialen Wohnbaus.

Zu Baubeginn 2003 suchte er um eine Sondergenehmigung bei der MA 50 an, der Rechtsabteilung des Wohnbauressorts von – damals – Werner Faymann. Sein Anliegen: Eine Dachgeschoßwohnung solle von der Wohnbauförderung befreit werden. Der Hintergrund: Wurm erfüllte die Kriterien nicht – er verdiente zu viel, ist zu vermögend. Um die Wohnung kaufen zu können, muss er also auf Förderungen verzichten. Er erhielt die Genehmigung.

Ein Vermögen musste er für die nun freifinanzierte 139-Quadratmeter-Wohnung mit vier Zimmern, Bad/Sauna, einem Wintergarten und einer 50 Quadratmeter großen Terrasse sowie Wintergarten dennoch nicht hinblättern. Der Bauträger ist noch immer ein gemeinnütziger – wegen Steuerbegünstigungen können diese auch freifinanzierte Wohnungen preiswert anbieten. Dazu schloss Wurm vor Baubeginn mit der Gewog einen der „Presse“ vorliegenden Anwartschaftsvertrag ab, in dem der vorläufige Kaufpreis von 283.832,22 Euro fixierte wurde. Wurm unterzeichnete das Dokument übrigens zwei Mal: Ein Mal als Geschäftsführer der Gewog/Neue Heimat und ein Mal als Käufer.

Billiger als bei den Nachbarn

Erst 2010, nachdem das Projekt abgerechnet war, wurde Wurm ins Grundbuch eingetragen – und bekam sogar 4000 Euro zurückbezahlt. Die tatsächlichen Errichtungskosten waren geringer als im Anwartschaftsvertrag geschätzt. Der tatsächliche Quadratmeterpreis belief sich auf 1761 Euro. Laut Immobarometer von FindMyHome.at lag der durchschnittliche Preis 2003 bei 2671 Euro pro Quadratmeter – aktuell sind es 5938 Euro. Wurm war der einzige mit einem derartigen Vertrag. Alle anderen bekamen, wie üblich, erstzehn Jahre später, 2013, ein Kaufangebot. Der Quadratmeterpreis lag dann bei 2200 Euro.

Inflationsbereinigt hatten Wurms 1761 Euro im Jahr 2013 eine Kaufkraft von knapp 2100 Euro, er bekam die Wohnung also um rund 100 Euro pro Quadratmeter billiger. Allerdings gilt Wurm nicht als förderwürdig. Und andere Mieter bezahlten zehn Jahre lang Miete, die nicht auf den späteren Kaufpreis angerechnet wurde. Auch für die gute Lage unter dem Dach gab es keinen extra Aufschlag.

„Dass solche Praktiken vom Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz gedeckt sind und von Politik und Aufsichtsrat abgesegnet werden, ist skandalös. Die leerstehenden Wohnungen und Immobilien-Deals des Herrn Wurm sind im Rathaus ein offenes Geheimnis“, sagt Gemeinderatskandidat und unabhängiger Bezirksrat der Josefstadt Christoph Ulbrich vom Parteienbündnis „Wien anders“. Die Partei hat sich zum Ziel gesetzt, bis zur Wahl im Herbst Missstände aufzuzeigen. Und weiter: „Stadtrat Ludwig wird erklären müssen, warum er dem Treiben und der Spekulation mit Immobilien tatenlos zusieht.“

Wohnungen stehen leer

Stichwort Spekulation. Dagegen kämpft Wurm als GBV-Obmann an vorderster Front. Er besitzt in Wien fünf Wohnungen, in Häusern, die von Gewog und ihrer Tochter „atHome“-Immobilien errichtet wurden. Er erwarb sie vergleichsweise günstig. In Hernals wohnt Wurm selbst, zwei Wohnungen sind vermietet, zwei stehen seit Jahren leer, wie die „Presse am Sonntag“ exklusiv berichtete.

„Meine Frau war immer berufstätig, und da sie selbstständig ist, hat sie anstelle einer privaten Pensionsvorsorge in zwei Vorsorgewohnungen investiert“, argumentiert Wurm auf Nachfrage. Weiters: „Ich weiß, dass ich in meinen Funktionen eine besondere Verantwortung trage. Ich habe daher bei diesen Käufen penibel darauf geachtet, keinerlei Begünstigung zu haben.“

Ein Detail am Rande: An zwei Adressen heißt Wurms Nachbar Karl Ecker. Er war Vorstandsdirektor der Bank Austria Creditanstalt Wohnbaubank (Wurm ist Aufsichtsrat) – und auch er war Gewog-Funktionär, saß dort 2003 etwa mit dem AK-NÖ-Präsidenten Josef Staudinger und dem ÖGB-Vizepräsidenten Günter Weninger im Aufsichtsrat. Damit Wurm die Wohnung in Hernals damals als Geschäftsführer der Gewog für sich selbst kaufen konnte, benötigte er die Zustimmung des Aufsichtsrats.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18. Juni 2015)

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