Gürtler: "Auch in der goldenen Zeit hat es unschöne Bilder gegeben"

Generaldirektorin Elisabeth Gürtler über den Kartenverkauf zum Jubiläum und "Problempferde" im einstigen Plaisir des Kaisers.

INTERVIEW: ELISABETH GUERTLER
INTERVIEW: ELISABETH GUERTLER
INTERVIEW: ELISABETH GUERTLER – APA/HERBERT PFARRHOFER

Vor 450 Jahren wurde die Spanische Hofreitschule erstmals erwähnt. Sie feiern kommendes Wochenende mit drei Tagen Galaprogramm. Wie laufen die Verkäufe?

Elisabeth Gürtler: Es gibt insgesamt 10.000 Karten, und wir haben etwa die Hälfte verkauft. Es ist nicht ganz einfach um die Zeit, es ist sehr viel los in Wien. Aber es ist auch immer last minute, ich bin überzeugt, dass wir noch tausend Karten verkaufen werden.

 

Wie ist die Verteilung?

Am besten verkauft man die ganz teuren und die ganz billigen Karten. Die Logenkarten für die Gala vor der Fête Impériale sind ausverkauft. Was nicht ausverkauft ist, ist das dazwischen. Die Vorpremiere ist sehr gut verkauft, da gibt es Karten schon um 25 Euro.

 

Insofern funktioniert immerhin Ihr Wunsch, das breite Publikum anzusprechen.

Absolut. Ich glaube, dass ein solches Jubiläum ein breites Publikum ansprechen muss. Wir haben deshalb das Gestüt eingeladen, mit den Fohlen und den Stuten. Wir glauben auch, dass die Spanier (die Königlich-Andalusische Reitschule aus Jerez, Anm.)sehr publikumswirksam sind. Und wir glauben, dass das, was wir aus unserem Repertoire zeigen, die Highlights sind. Die auch Leute, die nichts vom Reiten verstehen, als schön empfinden. Wo Emotionen entstehen.

 

Nun gibt es Kritiker, die sagen, die Hofreitschule verliere an Qualität – auch wenn es das breite Publikum nicht sieht.

Das ist sicher nicht richtig. Wir bilden die Pferde nach wie vor aus, wie es in der klassischen Reitkunst gefordert wird. Wir geben den Pferden jede Zeit, wir versuchen, sie nicht mit Gewalt oder Druck auszubilden. Natürlich gibt es immer wieder Pferde, die Probleme haben. Wenn man dann eine Momentaufnahme macht – und ein Foto ist eine Hundertstelsekunde –, dann kann hier etwas zu sehen sein, was nicht der klassischen Reitkunst entspricht. Man müsste sich die Mühe machen, ein Video anzuschauen. Und da glaube ich, dass wir all das, was uns vorgeworfen wird, widerlegen können. Und wir reiten manchmal Pferde, um die sich ein Turnierreiter gar nicht bemühen würde. Wir sagen: Wir brauchen dieses Pferd, weil es für die Zucht wieder wichtig ist, weil es aus einer besonderen Linie ist.

 

Dass Pferde unterschiedlich sind, hat es wohl immer schon gegeben.

So ist es heute noch. Und ich möchte all denen, die Kritik üben, gern die Fotos und Filmaufnahmen aus dieser angeblich glorreichen goldenen Zeit geben. Da gibt es Bilder, von denen ich sage: Das sind keine schönen Bilder.

 

Sie sagen, die Schule sei so gut wie nie.

Wir haben 16 Reiter. Ich würde nicht sagen, dass alle 16 so gut sind, wie es nie zuvor Reiter an der Spanischen waren. Es gab immer gute und schlechtere, erfahrene und weniger erfahrene. Den beiden Oberbereitern wird immer wieder vorgeworfen, dass sie nicht alle Lektionen ausbilden können. Aber dass sie die Lektionen nicht in der Vorführung reiten, heißt nicht, dass sie sie nicht ausbilden können. Podhajsky (legendärer Leiter der Schule, 1939–1964, Anm.) ist auch nicht alles geritten.

 

Sie sagen auch: Seit die Hofreitschule nicht mehr das Plaisir des Kaisers ist, war sie immer auch Kommerz.

Kommerz war die Schule bereits mit der ersten Vorführung, mit der ersten Tournee. Nur musste sie mit diesen Einnahmen nicht ihre volle Existenz bestreiten. Das ist jetzt notwendig.

 

Glauben Sie, dass die Spanische im Kulturministerium besser aufgehoben wäre?

Nein. Ich möchte ehrlich gesagt nicht mit den Museumsdirektoren und Opern- und Theaterdirektoren ums Budget kämpfen, die sind auch nicht ohne. Und es ist ja bei uns auch so: Wir verdienen hier in Wien Geld. Was Geld kostet, ist die Zucht in Piber. Und ich glaube, wenn hier ein gewisses Verständnis des Ministeriums da ist, und wir sind in ganz guten Gesprächen, bekommen wir vielleicht die eine Million, die wir benötigen.

Steckbrief

1950 wurde Elisabeth Gürtler als Tochter des Handelsunternehmers Fritz Mauthner geboren. Sie studierte an der Hochschule für Welthandel und arbeitete im Familienunternehmen.

1990 übernahm sie das Management der Sacher-Hotels, die ihr Exmann Peter Gürtler seinen Kindern vererbt hatte.

Von 1999 bis 2007 organisierte sie den Wiener Opernball.

2007 übernahm sie mit Erwin Klissenbauer die Geschäftsführung der Spanischen Hofreitschule. Diese ist 2001 ausgegliedert worden, gehört aber zu 100 Prozent dem Bund. Gürtler führte eine Zeitfassung ein, beendete Privilegien, erhöhte die Zahl der Vorführungenund erschloss neue Einnahmequellen etwa durch Führungen und Vermietung der Räume.

2010 eröffnete das Trainingszentrum Heldenberg, wo das Wissen der Hofreitschule auch in Kursen weitergegeben wird. APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2015)

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