Kometgründe: Zurück an den Start in Meidling?

Der Verwaltungsgerichtshof hat die Baubewilligung für das geplante Großprojekt – Büroturm und Einkaufszentrum – aus formalen Gründen aufgehoben.

Im Frühjahr wurde das Komet-Haus - gleich hinter der U-Station Meidlinger Hauptstraße – abgerissen. Mittlerweile ist dort ein riesiger abgezäunter Bauplatz.
Im Frühjahr wurde das Komet-Haus - gleich hinter der U-Station Meidlinger Hauptstraße – abgerissen. Mittlerweile ist dort ein riesiger abgezäunter Bauplatz.
Im Frühjahr wurde das Komet-Haus - gleich hinter der U-Station Meidlinger Hauptstraße – abgerissen. Mittlerweile ist dort ein riesiger abgezäunter Bauplatz. – (c) BI Kometgründe

Wien. Unter den Mitgliedern der Wiener Bürgerinitiative (BI) Kometgründe herrscht Freude. Grund für den Jubel ist eine neue Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, mit der die Baubewilligung für die Verbauung der Kometgründe, ein lang umstrittenes Großprojekt in Meidling, aufgehoben wird. Geplant ist dort ein Hochhaus und ein riesiges Einkaufszentrum, im Frühjahr wurden die letzten Gebäude auf dem Areal geschleift, Anfang kommenden Jahres hätte schon mit dem Bau begonnen werden sollen.

Damit wird es jetzt einmal nichts, das Projekt müsse zurück an den Start, sagt die BI. Formaler Grund für die Verwaltungsgerichtshof-Entscheidung (VwGH) war die Ablehnung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durch die Behörden ohne Widerspruchsrecht durch die Anrainer. Jetzt müssen Juristen der Stadt Wien die rechtlichen Grundlagen reparieren. Die BI Kometgründe, die für den 19. November eine Infoveranstaltung vorbereitet, hofft, dass jetzt alles neu aufgerollt wird und künftig die Wünsche der Anrainer mehr berücksichtigt werden. BI-Sprecherin Erika Mottl sagt: „Der Bürgermeister hat nach der Wahl angekündigt, dass die SPÖ ihre Ohren stärker für die Sorgen der kleinen Leute öffnen wird. Da sind wir gespannt.“

 

Tor in den Bezirk

Meidlings Bezirksvorsteherin Gabriele Votava (SP) steht weiterhin hinter dem Projekt. „Wir sind überzeugt, dass das ein hochwertiger Wirtschaftsstandort ist und auch ein repräsentatives Tor nach Meidling.“ Derzeit schaue es dort nicht sehr erfreulich aus, spielt die Bezirkschefin auf das eingezäunte Baustellengelände an.

Die VwGH-Entscheidung hat aber auch symbolische Bedeutung. Denn das Projekt Kometgründe ist sozusagen ein Dinosaurier unter den schwebenden Großbauprojekten in Wien. Der Streit zwischen Stadt Wien, dem privaten Investor HPD-Holding und den Anrainern läuft schon seit über einem Jahrzehnt. 2004 wurde ein Architektenwettbewerb für das Areal ausgeschrieben, den Peter Podsedensek gewann. Bald darauf bildete sich die BI. Besonderen Widerstand rief der geplante hohe Büro-Wohnturm (ursprünglich 120 Meter) hervor. Das rief auch die Unesco auf den Plan, die das Projekt überprüfte und heftige Kritik an der Höhe übte. Die Sichtachse vom Schloss Schönbrunn in die Stadt werde damit gestört, hieß es. Nach vielen Verhandlungen genehmigte die Stadt einen 60-Meter-Turm. Für die BI immer noch zu hoch: „Alles ist überdimensioniert, das ist in diesem kleinen Viertel nicht okay“, sagt eine Sprecherin.

 

Gute Verkehrslage

Stadtplanung, Bezirk und Investor argumentieren, dass das Areal Kometgründe verkehrstechnisch sehr günstig liege. Einerseits direkt an der Westeinfahrt und der Westausfahrt und zugleich auch an zwei U-Bahnstationen: Die U4-Station Meidlinger Hauptstraße liegt unmittelbar daneben, und die U6-Station Längenfeldgasse in Gehweite.

Indirekt eingebunden ist auch der 15. Bezirk, denn der Baubetreiber plant einen zusätzlichen Steg über den Wienfluss für Radfahrer und Fußgänger. Das war auch mit ein Grund für die Zustimmung der Stadt zur Flächenwidmung, hieß es. Jedenfalls wurde die Bebauung des Geländes schon im Jahr 2008 unter der SPÖ-Alleinregierung (Planungsstadtrat Rudolf Schicker) beschlossen. Die Anrainer versuchten seither mit Eingaben und rechtlichen Einsprüchen das Projekt zu verzögern.

Geplant ist ein Gebäude samt Turm mit rund 50.000 Quadratmetern Fläche, 12.000 davon sind für ein Einkaufszentrum vorgesehen. Der Rest ist für Büros reserviert. Die Baukosten sind nicht bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2015)

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