Wien kürzt Ärztedienste

Die ärztlichen Nachtdienste in Wiener Pflegeheimen sollen aus Kostengründen halbiert werden.

In den Pflegewohnhäusern Wiens soll künftig nur ein Arzt – statt bisher zwei – Nachtdienst haben.
In den Pflegewohnhäusern Wiens soll künftig nur ein Arzt – statt bisher zwei – Nachtdienst haben.
In den Pflegewohnhäusern Wiens soll künftig nur ein Arzt – statt bisher zwei – Nachtdienst haben. – Fabry / Die Presse

Wien. Ein Kahlschlag droht der medizinischen Versorgung in Pflegewohnheimen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Statt zwei Nachtdiensträdern soll es laut „Presse“-Informationen ab März nächsten Jahres nur noch einen Arzt geben, der in der Nacht – üblicherweise zwischen 19 Uhr und acht Uhr – für alle Patienten zuständig ist. Betroffen von diesen Plänen sind die Pflegewohnhäuser Rudolfsheim-Fünfhaus, Baumgarten, Liesing, Leopoldstadt sowie Simmering – jene größeren Häuser mit mehreren hundert Bewohnern also, die derzeit zwei Ärzte im Nachtdienst haben.

Zudem werden die Ärzte in Pflegeheimen angehalten, ihre Überstunden deutlich zu reduzieren; zuletzt seien pro Einrichtung bis zu 400 Überstunden angefallen. Künftig sollen pro Mediziner höchstens acht Überstunden im Monat erlaubt sein. Darüber hinausgehende Stunden sollen nur in Ausnahmefällen, etwa bei Langzeitkrankenständen, bewilligt werden.

„Kontraproduktiver Schritt“

Scharfe Kritik an den geplanten Kürzungen kommt von der Wiener Ärztekammer und der Ärztegewerkschaft Asklepios. „Doppelte Nachtdiensträder wurden nicht ohne Grund eingeführt. Eine gute medizinische Versorgung ist essenziell für Pflegeheime, denn hier werden kranke bis schwer kranke Menschen, teilweise sogar Wachkomapatienten, behandelt“, sagt Kammerpräsident Thomas Szekeres. Bei einer Reduktion der Nachtdiensträder sei die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen deutlich höher. Die logische Folge seien mehr Überstellungen in Spitalsambulanzen – was wiederum den Trend zu mehr Akut- und weniger Pflegebetten verstärken würde.

Seiner Meinung nach führt diese Maßnahme daher nicht zu Kosteneinsparungen: „Im Gegenteil, durch steigende Überstellungen würden die Kosten eher steigen.“ Auch die Anweisung zur Reduktion von Überstunden hält Szekeres für „kontraproduktiv“. Überstunden würden schließlich nicht „aus Jux und Tollerei“ gemacht, sondern aus einer Notwendigkeit heraus.

„Keine Pensionistenheime“

Eine Zunahme von Behandlungen in Ambulanzen befürchtet auch Asklepios-Obmann Gernot Rainer. Pflegeheime seien keine Pensionistenheime und brauchten daher eine adäquate ärztliche Versorgung. Die Pläne des KAV seien „genau das Gegenteil der angekündigten Strategie zur Entlastung der Spitäler“. Die Reduktion der Nachtdienste und die mögliche Einführung von Schichtdiensten (also mehr 12-Stunden- statt 24-Stundendienste) seien zwar günstiger für den KAV, „verschlechtern aber die Betreuung der Patienten und sind für die Ärzte denkbar unattraktiv“.

Susanne Drapalik, Direktorin der Teilunternehmung Pflegewohnhäuser des KAV, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der KAV teilte nur schriftlich mit, dass „an der finalen Umsetzung des Ärztearbeitszeitgesetzes, wie es auch für die Spitäler gilt“, gearbeitet werde. Generell seien in den KAV-Pflegewohnhäusern rund um die Uhr Ärzte im Dienst. Für die Nachtdienste werde auch in Zukunft sichergestellt, „dass in jedem Haus und in jeder Nacht mindestens ein Arzt anwesend ist“.

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