Wien: Immer mehr zahlen Rettung selbst

Bereits ein Viertel aller Einnahmen der Wiener Berufsrettung wird direkt an die Patienten verrechnet. Der Grund: Die Krankenkassen zahlen seltener und weniger.

Rettungseinsatz am Wiener Praterstern
Rettungseinsatz am Wiener Praterstern
Wiens Rettung wird immer stärker direkt aus der Tasche von Patienten finanziert. – (c) Willfried Gredler-Oxenbauer/picturedesk.com

Wien. Eigentlich wollte der Wiener Stadtrechnungshof nur wissen, ob der Verwaltungsaufwand und die Abläufe zur Verrechnung von Gebühren, die die MA 70 (Berufsrettung) für Einsätze in Wien einhebt, effizient verläuft (Antwort: Das ist – zumindest halbwegs – der Fall). Sozusagen als Nebenprodukt ist für den Bürger jedoch eine interessante Analyse der Finanzierung einer wichtigen Gesundheitsinfrastruktur entstanden. Fazit: Einnahmen, die aus Direktverrechnungen an Patienten kommen, werden immer wichtiger.

 

Immer mehr Selbstzahler

Bereits mehr als ein Viertel (26 Prozent) jener 14,9 Millionen Euro (2014), die die Berufsrettung in Form von Gebühren einnimmt, müssen die Patienten bereits selbst bezahlen. Das entspricht immerhin einer Summe von 3,9 Millionen Euro. 2011 betrug der Beitrag der Selbstzahler noch 18 Prozent. Wie ist das möglich?

Recherchen ergaben, dass die Krankenkassen in immer weniger Fällen die Weiterverrechnung an sie akzeptieren, ihrerseits argumentieren, dass der Einsatz der Rettung nicht notwendig, zumindest jedoch übertrieben war. Es kommt hinzu, dass der ohnedies schon erheblich billigere Kassentarif, den das Rathaus mit den Sozialversicherungsträgern ausverhandelt hat, seit Jahren praktisch auf gleichem Niveau stagniert. Beides hat für die MA 70 unangenehme Konsequenzen: Ein Versiegen der wichtigsten Einnahmequelle. Trotz absolut leicht steigender Einnahmen aus der Gebührenvorschreibung an die Krankenkassen, ging diese Position in den vergangenen vier Jahren real (also wertbereinigt um die Inflation) um 0,8 Prozent zurück.

Das allein wäre für die Finanzierung der Wiener Rettung noch nicht schlimm. Allerdings stiegen im gleichen Zeitraum auch die Ausgaben erheblich, und zwar um 14,2 Prozent auf zuletzt 73,3 Mio. Euro im Jahr. Oder andersherum: Der jährlich von der Stadt auszugleichende Fehlbetrag wuchs seit 2011 von damals 49,4 auf 56,1 Millionen Euro.

 

Hohe Preise auf eigene Kosten

Ein Abgang, der zumindest ansatzweise kompensiert werden muss. Dafür infrage kommen jedoch nur die auf eigene Kosten transportierten Patienten. Deren Zahl steigt zwar auch (zuletzt 6249 Fälle pro Jahr), in Summe reichte das jedoch nicht aus, um das Finanzloch zu stopfen. Und das, obwohl Selbstzahler erheblich höhere Preise zahlen als die Kasse. Pro Versicherten überwies die Kasse der MA 70 unterm Strich zuletzt 91,5 Euro. Bei Selbstzahlern jedoch sind im Schnitt 638,91 Euro fällig.

Auffällig ist auch hier die Veränderung in den vergangenen Jahren. Während der Kostenersatz durch die Kassen – wie erwähnt – real sogar zurückging, stieg er bei den Selbstzahlern pro Fahrt seit 2011 um satte 30 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2016)

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