Zu teuer: Kein zweiter Lift für den Stephansplatz

Der versprochene Aufzug zur U-Bahn kommt nicht, weil niemand die Kosten tragen will. Behindertenverbände sind empört.

Wien. Auch auf dem Stephansplatz gibt es Stau. Wenn sich nämlich vor dem Haas-Haus Tag für Tag lange Menschenschlangen bilden. Mit den Geschäften oder dem Restaurant hat das aber nichts zu tun. Dafür mit dem Lift, der in die U-Bahn-Station führt – dem einzigen. Selbst dieser ist sehr klein dimensioniert: Wenn ein Rollstuhlfahrer oder jemand mit Kinderwagen einsteigt, ist der Aufzug schon voll.

Der Stephansplatz ist mit täglich 230.000 Personen die meistfrequentierte U-Bahn-Station der Stadt. Darum wurde mit dem geplanten Umbau auch ein adäquater Lift versprochen: „Auch der Wiener Stephansplatz wird saniert, mit mehr Sitzgelegenheiten für konsumfreies Verweilen, besserer Beleuchtung und neuem Lift zu den U-Bahnen“, heißt es in einer Aussendung des SPÖ-Klubs vom 2. März zur 100-Tage-Bilanz von Rot-Grün II.

Tatsächlich wird der Stephansplatz nun um insgesamt 13 Millionen Euro saniert – allerdings jetzt doch ohne zweiten Aufzug. Die Kosten von zwei Millionen Euro müssten nämlich die Wiener Linien tragen – und diese wollen diese Summe nicht investieren. „Aufgrund der speziellen Gegebenheiten auf dem Platz ist der Einbau eines zweiten Lifts technisch sehr aufwendig und darum teuer – uns zu teuer“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries zur „Presse“.

Thalhammer / Die Presse

Prinzipiell sei die Station mit einem Lift barrierefrei – man verstehe den Wunsch, sehe aber die Notwendigkeit nicht. Sollte sich ein Financier finden, werde man sich der Errichtung des zweiten Aufzugs aber nicht entgegenstellen.

Derzeit ist allerdings noch keiner in Sicht. Im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou verweist man wieder zurück an die Wiener Linien. Der Bezirk allein kann die Kosten nicht stemmen. „Wir würden zehn Prozent der Summe tragen – wie beim Umbau generell. Bei einem Bezirksgesamtbudget von 3,7 Millionen Euro für 2016 können wir uns den Lift aber nicht allein leisten“, heißt es aus dem Büro von Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP).

Behindertenverbände empört

Die Behindertenvertreter schäumen ob der Absage. Martin Ladstätter, Obmann des Verbands Bizeps, sagt: „Was sollen behinderte Menschen von Rot-Grün in Wien halten? Im März wurde endlich ein neuer Aufzug für die U-Bahn-Station zugesagt. Vier Monate später werden behinderte Menschen wieder im Regen stehen gelassen. Das ist einfach nur mehr peinlich.“

Sollte sich keine Lösung finden, war es das mit dem Lift übrigens für die nächsten zehn Jahre. Denn nach der Sanierung des Platzes, die bis November 2017 anberaumt ist, wird für zehn Jahre ein Aufgrabungsstopp verhängt.

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