„Dilettantismus gibt Ton an“ Kritik an Spital-Nord-Planung

FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus ortet Chaos im Krankenhaus Nord. Millionen Euro an Steuern würden dort versenkt.

Krankenhaus Nord
Krankenhaus Nord
Krankenhaus Nord – Die Presse/Clemens Fabry

Wien. Von „Chaos im angeblich modernsten Spital Europas, dem Krankenhaus Nord“ spricht die Wiener FPÖ als Reaktion auf den exklusiven „Presse“-Artikel vom Freitag, wonach der Krankenanstaltenverbund (KAV) über kein Personal für die Haustechnik verfügt und in Verhandlungen mit externen Betreibern steht, die mehr kosten würden als der Eigenbetrieb.

Vizebürgermeister Johann Gudenus: „So langsam bestätigt sich der Verdacht, dass beim Bau des Krankenhauses Nord vor allem der Dilettantismus den Ton angibt. Was kommt als Nächstes? Die Erkenntnis, dass man Ärzte, Schwestern, Pfleger und Co. brauchen wird, um ein Spital zu betreiben, man durch die komplett verpatzte Gesundheitspolitik jedoch kein Personal zur Verfügung hat?“ Es sei „traurige Realität“, wie die Wiener Stadtregierung „durch Inkompetenz Millionen Steuereuro versenkt“.

 

„Keine Verhandlungen mit Vamed“

Auch der KAV reagierte per Aussendung auf den „Presse“-Artikel und nannte die Aussagen, es wäre zu spät für Einschulungen und die Technikräume wären leer, „nicht nachvollziehbar“. Im Krankenhaus Nord habe man 2015 damit begonnen, das nötige Personal aufzubauen, teilte der bestellte Technische Direktor des Krankenhauses Nord, Wilfried Gröblinger, mit. „Ich habe in der Technischen Direktion bereits 15 Personen vor Ort. Für sämtliche Fachbereiche sind also KAV-Mitarbeiter bereits dabei, sich mit den Anlagen vertraut zu machen und sukzessive ihren Stab aufzubauen. Wir haben also noch genügend Zeit, und es ist falsch, dass mit der Vamed diesbezügliche Verhandlungen geführt werden.“ Selbstverständlich sei nicht auf die Technik vergessen worden.

Politische Reaktionen gab es am Freitag auch auf den „Presse“-Artikel, wonach Ärzte in Wiener Gemeindespitälern ab Oktober nur noch 40 Stunden pro Woche arbeiten und anfallende Überstunden nicht ausgezahlt, sondern als Zeitausgleich abgegolten werden sollen. Die mit dieser Maßnahme „drohenden Leistungsreduktionen und damit die Unterversorgung für Patienten werden von der Stadt Wien schulterzuckend hingenommen. Das ist verantwortungslos und fahrlässig“, sagt die Gesundheitssprecherin der ÖVP Wien, Ingrid Korosec. Die Stadtregierung sei mit der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie für Ärzte „komplett überfordert“.

 

„Anschlag auf Gesundheitsversorgung“

Als „Anschlag auf die Gesundheitsversorgung der Stadt“ bezeichnet Stefan Gara, Gesundheitssprecher der Neos Wien, die Vorgangsweise des KAV. „Vor der Umstellung auf das neue Arbeitszeitgesetz wurden die Ärzte mit dem Versprechen gelockt, dass es mehr Geld geben wird, nicht einmal ein Jahr danach fehlt das Geld dafür“, sagt Gara. Und fordert „Mut zur Transparenz“ von der Stadt und vom KAV: „Was sind die Pläne hinter dem Ende der Überstunden, wie will man die medizinische Versorgung aufrechterhalten?“ Man fahre die Leistungen der Krankenhäuser zurück, ohne durch mehr niedergelassene Ärzte gegenzusteuern. Gara: „Das Resultat sind Arbeitsbelastung und Demotivierung für das medizinische Personal und längere Wartezeiten für Patienten.“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2016)

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