Wiener Linien schicken Aufpasser in die Öffis

Der 70-köpfige Linienservice soll auf die Einhaltung der Regeln achten, die 50 Personen des Reiningungsservice putzen im fahrenden Betrieb. Eine einheitliche Stadtwache will Bürgermeister Häupl nicht.

Linienservice der Wiener Linien
Linienservice der Wiener Linien
(c) PID / W. Schaub-Walzer

In öffentlichen Raum Wiens gibt es zwei neue Uniformen: Ab 1. November nehmen zwei Ordnungstruppen unter dem Titel "Linienservice" und "Reinigungsservice" die Arbeit auf. Der 70-köpfige Linienservice soll für die Einhaltung der Beförderungsbestimmungen sorgen und hat im Ernstfall auch das Recht, Organstrafmandate zu verhängen. Der 50-köpfige Reinigungsservice wird hingegen während des laufenden Betriebs die Waggons reinigen, wie die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Dienstag im Bürgermeister-Pressegespräch ankündigte.

Pro 100.000 Fahrten im Liniennetz gebe es zwar nur eine Beschwerde, so Brauner: "Aber auch diese eine Beschwerde ist uns noch zu viel." Abhilfe soll dabei nun der Linienservice schaffen, dessen Mitarbeiter ab Anfang November in gemischtgeschlechtlichen Zweierteams mit gelber Weste und blauer Baseballkappe im gesamten Liniennetz patrouillieren. Zunächst werden 40 Personen unterwegs sein, ab 1. Jänner 2010 ist dann volle Mannstärke erreicht. Besonders erfahrene Mitarbeiter seien für den Job ausgebildet worden, wobei auch Deeskalationsstrategien mitberücksichtigt würden, unterstrich die SPÖ-Politikerin.

Gutes Benehmen im Fokus

Ein Fokus für den Linienservice seien der Kaugummi unter und die Füße auf dem Sitz, oder auch ein altes Mütterchen beim Hinsetzen zu unterstützen: "Dass sind diese Alltäglichkeiten, die unser Leben ausmachen und für die wir uns auch verantwortlich fühlen." Entscheidend sei mithin die schiere Präsenz der Ordnungstruppe.

Wenn alles nichts hilft, können die Linienservicler allerdings als eisenbahnrechtliche Aufsichtsorgane auch durchgreifen und etwa bei Verunreinigungen eine Gebühr in Höhe von 50 Euro verlangen oder Organstrafmandate verhängen. Wenn es um Gewalt gehe, sei dies aber nach wie vor eine Sache der Polizei, unterstrich Brauner. Die bestehenden Einheiten wie die Fahrscheinkontrolleure oder die Stationsaufsicht bleiben erhalten, auch wenn die Linienservice-Mitarbeiter im Anlassfall auch Fahrscheine kontrollieren können.

Die 50 Mitglieder des Reinigungsservice werden hingegen primär in den schwächeren Betriebszeiten im U-Bahn-Netz im Einsatz sein und dort mit grün-gelber Weste für Sauberkeit sorgen. Die bestehenden 370 Reinigungskräfte blieben weiterhin erhalten, unterstrich Brauner.

Häupl und Brauner gegen Stadtwache

Eine einheitliche Stadtwache, wie sie seit längerem von Teilen der Opposition gefordert wird, lehnten Brauner und Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) erneut ab. Zwar sei bei den verschiedenen Ordnungsdiensten wie den Waste-Watchern, den Ordnungsberatern oder dem Linienservice das Prinzip das gleiche. Die konkrete Aufgabe sei allerdings jeweils spezifisch und die Instrumente darauf abgestimmt.

Ob es demnach noch weitere Ordnungsdienste in der Zukunft geben werde, könne man nicht sagen. "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei", unterstrich Häupl. Man reagiere auf die Wünsche der Wiener. Es gehe dabei nicht um Law und Order: "Es geht darum, dass wir wollen, dass die Leute gut miteinander umgehen."

Opposition höhnt über "Uniformensalat"

Die Wiener Opposition reagierte mit Hohn auf den "Uniformensalat". ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter machte sich am Dienstag über den "mit Pomp und Trara präsentierten nächsten Kapperl-Streich der Wiener SPÖ" lustig. Man honoriere zwar, dass die Stadt Aufgaben der Polizei übernommen habe, aber auch das Prostitutionsgesetz sei Landessache, mutmaßte Walter über die Installierung von "Nightclub-Watchern" im Rotlichtmilieu. Auch "Bay-Watcher" für die städtischen Bäder traute er der SPÖ angesichts der "Kreativität beim Erfinden neuer Ordnungsdienste" zu.

Die grüne Verkehrssprecherin Ingrid Puller nannte den Linienservice eine Husch-Pfusch-Aktion. Damit schaffe man lediglich eine Uniform mehr und hopple den Scharfmacherparolen von ÖVP und FPÖ hinterher. Es fehle ein durchdachtes Konzept, regte die Grün-Politikerin die Wiedereinführung etwa von Zugbegleitern an, wie dies in Bochum geschehen sei.

Teuer und wirkungslos prophezeiten die Freiheitlichen als Fazit nach Einführung der neuen Wiener-Linien-Organe. Schließlich könne die "überbordende" Kriminalität und Gewalt in Wiens U-Bahnen durch diese Einheiten nicht gestoppt werden. Sie forderten eine 150-köpfige U-Bahn-Polizei. Darüber hinaus sorgte sich Sicherheitssprecher Johann Gudenus darum, dass der SPÖ die Kapperl-Farben langsam ausgehen könnten. Dann "werden die nächsten Brauner-Truppen wahrscheinlich Pudelhauben tragen", so seine Vermutung.

Brauner: "Überwachung nicht in Ordnung"

Am Rande der Vorstellung der Ordnungsdienste bezeichnete Brauner die Überwachung der Wiener-Linien-Mitarbeiter als Fehler: "Die Vorgangsweise war falsch." Es habe sich dabei jedoch um Einzelfälle gehandelt, wobei diese Art und Weise der Observierung nun nicht mehr angewendet werde, versicherte sie. "Diese Methode, die gewählt wurde, hat uns nicht gepasst. Das haben wir auch klar zum Ausdruck gebracht, worauf das abgestellt wurde", unterstrich Brauner. Personelle Veränderungen an der Spitze des Unternehmens stellte sich nicht in Aussicht.

Die Wiener Linien hatten in der Vorwoche einen Vorwurf der FPÖ bestätigt, wonach Mitarbeiter, bei denen Verdacht auf Krankenstandmissbrauch geherrscht hatte, durch speziell engagierte Detektive überwacht wurden. Die Anschuldigung, wonach zudem heikle Daten aus Krankenakten wie Diagnosen oder Angaben zur Medikation an die Personalabteilung weitergeleitet worden seien, hatte die Geschäftsführung zurückgewiesen. Die Freiheitlichen wollen jedenfalls das Kontrollamt und die Staatsanwaltschaft mit der Sache betrauen.

(APA)

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