Naschmarkt-Leuchten: Wiens neuer "Lampenstreit"

Das Leopold Museum kritisiert die neuen Leuchten für den Naschmarkt. Das historisches Ensemble werde zerstört. Die Grünen sprechen von "Autobahn-Ambiente".

Links die neue, rechts die alte Lampe am Naschmarkt.
Links die neue, rechts die alte Lampe am Naschmarkt.
(c) Michaela Bruckberger

Zuerst wurde über die Lampen in der Kärntner Straße und am Graben gestritten, nun regt sich Widerstand gegen die neuen Leuchten am Naschmarkt. Diesmal kommt er aber nicht von City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel sondern vom Leopold Museum. Durch die neuen Lichtkörper werde ein historisches Straßenleuchtenensemble in Form hundert Jahre alter Laternensockel mit Jugendstilmotiven zerstört, kritisierte Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Museums, am Mittwoch.

Bis zum Mai 2010 soll das Marktareal im Bezirk Mariahilf für rund 800.000 Euro ein einheitliches Lampendesign erhalten, weshalb die zu beiden Seiten stehenden alten Kandelaber weichen müssen. Mit der Montage der neuen Modelle, die an grauen Masten befestigt werden und deren flache, geschlossene Unterseite in halbkugelartigen Aufsätzen eingefasst sind, wurde bereits begonnen.

"Wien glaubt oftmals mit schlechten Lösungen 'modern' zu sein und zerstört dabei die letzten städtebaulichen Ensembles, wie das Gebiet um den Naschmarkt", so Weinhäupl. In anderen europäischen Großstädte würden zur Erhaltung des Charakters historischer Laternenensembles in sensiblen Zonen Abgüsse hergestellt.

Überdimensionale Masten

In der Bundeshauptstadt sei nicht einmal im Bereich des Otto-Wagner-Ensembles an der Wienzeile sensibel verfahren worden: "Hier wurden nun überdimensionale Masten in den Boden gerammt", klagte der kaufmännische Direktor. "Wir wollen weder Denkmalschutzaktivisten noch Verhinderer der Moderne sein", versicherte Weinhäupl. Man sei lediglich gegen schlechte und nicht umgebungsgerechte, mit Meisterwerken der Architektur in Einklang stehende Lösungen.

Ein schlechtes Licht auf den Naschmarkt wirft der neue Leuchtentyp auch für Richard Weihs, grüner Bezirksrat in Mariahilf. Frei nach dem Motto "Autobahn-Ambiente statt Weltstadt-Flair" würden still und heimlich kahle, gesichtslose Masten aufgestellt, zeigte sich Weihs von SPÖ-Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann enttäuscht. Denn die VP-Vorsteherin der Inneren Stadt habe sehr wohl durchsetzen können, dass wieder die "passenden historischen Lampen" aufgestellt wurden, erinnerte Weihs an den Schlagabtausch zwischen Ursula Stenzel und Planungsstadtrat Rudolf Schicker.   

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