Kunden-Safes geknackt: „Sicherheitsvorkehrungen weiter erhöhen“

Nach dem Einbruch in den Schließfach-Raum der Raiffeisenbank im Wiener Looshaus hat die Polizei ein Fahndungsfoto eines Verdächtigen veröffentlicht. Die Raika will indes die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen.

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Polizei bittet um Hinweise, Tel. 01-31310-62800. – (c) BMI

Wien. War es der filmreife Gentleman-Einbrecher, der nach akribischer Planung zugeschlagen hat? Oder hat jemand nach dem Spruch „Gelegenheit macht Diebe“ nur die Gunst der Stunde genutzt und ungeniert zugegriffen? Wie immer die Einstufung ausfällt – dieser Coup hat sich das Attribut „dreist“ verdient. Die Rede ist von jenem Mann, der schon vorigen Mittwoch in die noble Raiffeisen-Filiale im Wiener Looshaus spazierte und dort zehn Safe-Fächer knackte.

Am Dienstag ging die Polizei in die Offensive: Sie veröffentlichte ein Fahndungsfoto. Wie der abgebildete Mann – schlank, gepflegt, mit Smartphone in der Hand – es schaffte, während der Banköffnungszeit Beute zu machen, wollen die Ermittler unter Hinweis auf die laufenden Untersuchungen nicht erklären. Auch ist nicht gesagt, ob es sich überhaupt um den Täter handelt.

Apropos Öffnungsstunden: Um in den Raum mit den Safefächern bzw. Schließfächern zu gelangen, muss man freilich während der Geschäftszeit kommen. Dies muss also unabdingbarer Teil des Täter-Plans gewesen sein. Der Unterschied zwischen einem Safe-Fach und Schließfach besteht übrigens darin, dass Schließfächer für Bank-Papiere (Aktien, Sparbücher, sonstige Bankdokumente etc.) gedacht sind; während man in Safes einlagern kann, was immer man möchte – von Dingen, die vielleicht nur ideellen Wert haben, bis hin zu teuren Preziosen. So liegt es auf der Hand, dass sich der Täter – und auf den Überwachungsvideos der Bank ist nur eine (einzige) Person am Weg in den Safe-Raum zu sehen – die Safes ausgesucht hat. Nämlich zehn Safes.

Wie diese aufgebrochen oder aufgesperrt wurden – darüber will die Polizei nichts sagen. Soviel scheint klar: Eine erste vermeintliche heiße Spur verlief im Sande. Eine von Ermittlern in Oberösterreich bereits vorgenommene Hausdurchsuchung ist ergebnislos verlaufen.
Wird die Raiffeisenbank Konsequenzen ziehen? „Wir werden die ohnehin schon hohen Sicherheitsvorkehrungen weiter erhöhen“, erklärt die Sprecherin der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich/Wien Michaela Stefan der „Presse“. Den Einbruch sieht die Sprecherin so: „Ein schrecklicher Fall, aber gegen kriminelle Energie ist man nie hundertprozentig geschützt.“

Was heißt das nun für die bestohlenen Kunden? Nun, die Bank steht freilich mit allen Safeinhabern in Kontakt. Man bemühe sich in Gesprächen zu gütlichen Lösungen hinsichtlich Entschädigungen zu kommen, heißt es.

 

Frage der Haftung oder Versicherung

In der Regel haftet die Bank nach Eröffnung eines Safes bis zu einer gewissen Summe. Diese ist nicht besonders hoch. Ein „Presse“-Banken-Rundruf ergab, dass die von Haus aus gedeckte Haftungssumme bei „nur“ etwa 3000 bis 4000 Euro liegt. Aber natürlich kann man sich als Kunde zusätzlich versichern. Diese Möglichkeit bieten praktisch alle Banken an. Konkret: Hat man vor seine Diamanten in einen Safe zu legen, kann man diese gemäß ihrem Wert versichern lassen. Oder man vertraut darauf, dass ohnedies niemand in den Tresor-/Safe-Bereich einer Bank eindringt und legt die Edelsteine unversichert in das Fach.

Trotzdem bleibt es vorerst rätselhaft, wie der Täter unbemerkt ans Werk gehen konnte, da normalerweise ein Bankangestellter den Safebereich erst öffnen muss, ehe man dort hinkommt. In aller Regel werden nur jene Leute vorgelassen, die selbst Safeinhaber sind. Wie das im konkreten Fall war, will vorerst niemand verraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2017)

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