Kann Schieder Simmering?

Andreas Schieder unterwegs im Ludwig-Land: Im Schutzhaus Neugebäude warb er um Sympathien für seine Kandidatur als Parteichef der Wiener SPÖ.

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Beim Eingang zum Schutzhaus – (c) Weiser

Gelbe Papierlampions, grüne Girlanden, baumelnde Luftschlangen. Im Schutzhaus  Neugebäude in Simmering ist man schon auf Fasching eingestellt. Doch bevor es lustig wird, wird es am Donnerstagabend doch ein bisschen ernst. Immerhin kämpft in der Wiener SPÖ gerade Rot gegen Rot. Der Bund Sozialistischer Akademiker(innen) und die Sektionen 18 und 21 haben Andreas Schieder für ein Referat eingeladen. Es ist keine ganz leichte Übung. In Simmering ist die SPÖ geschwächt. Hier regiert die FPÖ, die Bezirks-Roten sind geschwächt und seit 2013 (damals wurde die Kandidatur von Christine Lapp verhindert) eher zerstritten. Bezirks-Chef Harald Troch selbst ist Michael-Ludwig-Fan der ersten Stunde, generell gilt der Elfte als Ludwig-Land. Auch an diesem Abend sitzen im Saal, wie nachher ein Gast verrät, dezidierte Ludwig-Fans. Man erkenne sie am gequälten Klatschen. Insgesamt ist das Lokal nicht schlecht gefüllt, auch der Präsident des Bundesrates, Reinhard Todt, ist da.

Spannend ist Schieders Auftritt weniger wegen des "Was" - seine Botschaften sind inzwischen hinlänglich bekannt - als wegen des „Wie“: Wie stellt sich ein Politiker, der stets unter dem Verdacht steht, zu schick, zu Innenstadtbezirk zu sein, hier an? Also: Kann Schieder Simmering?

Inhaltlich: durchaus. Wie immer bei Schieder hat man auch diesmal das Gefühl, der Nationalratswahlkampf hat nie aufgehört. Detailreich schildert er die Schrecken der türkis-blauen Bundesregierung . Die Kurzfassung: „Kurz und Strache sind die, die alles kaputtmachen“ - und Blümel und Gudenus planen, in Wien alles von Wasserversorgung bis Wohnbau zu privatisieren. Das kommt gut an. Schieder ist dabei bemüht, das "bigger picture" zu zeichnen: Er spannt den Bogen von der Spaltung der Gesellschaft über das postfaktische Zeitalter bis zur Notwendigkeit von Town Hall Meetings. Dass vielleicht nicht jeder weiß, was Town Hall Meetings (Treffen von Lokalpolitikern mit Bürgern) sind, entfällt ihm dabei kurz.

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Andreas Schieder in Simmering. – (c) Die Presse/Weiser

Hat er gerade "Scheiße" gesagt?

Sozusagen als Ausgleich zu den langen Schachtelsätzen erdet sich Schieder zwischendurch immer wieder selbst. Ein Bonmot hier, ein Scherz da, ein paar atmosphärische Lockerungsübungen. Irgendwann ist Schieder locker genug, um zu kritisieren, dass Politiker wie Kurz die Botschaft verbreiten, dass „Parteien eigentlich Scheiße sind“.

Apropos eigentlich. Eigentlich ist Simmering ja der Heimatbezirk von Christian Kern. Davon merkt man aber wenig. Die Liebe zum SPÖ-Chef scheint abgekühlt. Auch Schieder gibt sich distanziert, zum Beispiel wenn er über den Wert von Mitgliederbefragungen spricht: „Wir wissen von Ceta, wie man es nicht macht.“ Zustimmendes Raunen.

Was noch auffällt: Versöhnlichkeit, vor allem zum Schluss. Schieder - vielleicht weil er weiß, dass er hier im Teich des Konkurrenten fischt - sagt nur Nettes über Michael Ludwig. Egal wer am Parteitag gewinne, müsse nachher die Hand ausstrecken.

Der Streit von unten

Dass mit dem 27. Jänner alles vorbei ist, glaubt aber auch nach Schieders Rede nicht jeder hier. Weil der Streit ja nicht "von oben" komme, "es sind die kleineren Ebenen", sagt Bezirksrätin Marlene Koch. Wo wüsste man das besser, als in Simmering.

Auch der Umgang mit der FPÖ ist nicht vom Tisch, obwohl beide Kandidaten eine Koalition ausgeschlossen haben. Dafür habe Ludwig habe zu lange gebraucht, findet der frühere Bezirksrat Karl Trost. „Er hat sich in der Hinsicht von den Flächenbezirken (und ja, da ist auch Simmerung gemeint) vereinnahmen lassen.

Trost kennt Ludwig aus der Bildungsarbeit. Er sei im Zuge dessen mit ihm auf einer Reise in Marokko mit gewesen: „Er ist ein Netter, aber er hat nicht das Charisma“. Schieder dagegen "hat heute immerhin so geredet, wie ich ihn noch nie erlebt habe." „Er kann frei sprechen, er stottert nicht, er ist nicht unsympathisch“, sieht es Marlene Koch etwas nüchterner. Ob sie Ludwig und Schieder bevorzuge, habe sie nicht entschieden. Das werde der heutige Freitag zeigen. Da ist Rote-Herzen-Ball in Simmering. Zu Gast: Michael Ludwig. 

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