Heumarkt: Frist für Stellungnahme Österreichs läuft ab

Bis 1. Februar muss Österreich der Unesco berichten, wie es den Welterbe-Status der Innenstadt trotz des umstrittenen Heumarkt-Projekts gewährleisten kann. Wird das Hochhaus nicht redimensioniert, droht die Aberkennung des Welterbe-Status.

So soll der neugestaltete Heumarkt aussehen.
So soll der neugestaltete Heumarkt aussehen.
So soll der neugestaltete Heumarkt aussehen. – Isay Weinfeld und Sebastian Murr, Rendering: nightnurse images, Zürich

Nachdem es in den vergangenen Monaten relativ still um die drohende Aberkennung des Welterbestatus der Wiener Innenstadt war, könnte die Debatte nun wieder hochkochen. Bis zum morgigen Donnerstag (1.Februar) muss Österreich der Unesco nämlich ein Update über den Erhalt seiner Welterbestätten übermitteln, in dem auch auf das umstrittene Bauprojekt am Heumarkt eingegangen wird.

Wie berichtet, wurde das historische Zentrum von Wien im vergangenen Juli auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Grund ist das geplante Hochhaus am Heumarkt, das mit einer Höhe von 66 Metern das Innenstadtensemble nach Ansicht der Unesco maßgeblich beeinträchtigt. "Man hatte viel Zeit, konkrete Schritte zu unternehmen. Das ist nicht passiert", kritisierte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen Unesco-Kommission.

Unesco fordert Redimensionierung

Bis 1. Februar verlangt die Unesco im sogenannten "Desired State of Conservation Report" Auskunft zu folgenden Punkten: Gefordert wird die Redimensionierung des Bauprojekts am Heumarkt sowie die Nachschärfung der Stadtplanungsinstrumente Hochhauskonzept 2014 und Masterplan Glacis, um den Schutz der Welterbezone "nachhaltiger zu gewährleisten".

Auch die Umbaupläne am Karlsplatz bereiten der Unesco Sorge. Hier erwartet sich das Welterbe-Komitee ebenfalls weitere Visualisierungen zur geplanten Aufstockung des Wien Museums und des angrenzenden Winterthurgebäudes neben der Karlskirche.

Entscheidung fällt im Juni

Die Stellungnahme Österreichs, die auch auf der Webseite der Unesco veröffentlicht wird, wird dann an das Beratungsgremium Icomos, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege, zur Kommentierung übermittelt. Sollten die Vorgaben des Welterbe-Komitees nicht umgesetzt werden, droht der Wiener Innenstadt bei der nächsten Sitzung des Komitees Ende Juni die Aberkennung des Welterbestatus. Das Komitee tagt von 24. Juni bis 4. Juli in Bahrain.

 

So soll der Eislaufverein nach der Neugestaltung aussehen. – Isay Weinfeld und Sebastian Murr, Rendering: nightnurse images, Zürich

Über den Inhalt des Schriftstücks zeigten sich die Beteiligten im Vorfeld der Übermittlung an die Unesco nicht allzu auskunftsfreudig. Laut Rudolf Zunke, Weltkulturerbe-Beauftragter der Stadt Wien, werden in dem Bericht unter anderem die Experten von Icomos eingeladen, nach Wien zu kommen, um sich vor Ort ein Bild von dem betroffenen Areal zu machen. Der Bericht wurde vom Bundeskanzleramt in Abstimmung mit der Stadt Wien vorbereitet. "Wir sind natürlich daran interessiert, mit der Unesco im Gespräch zu bleiben", sagte Zunke zur APA.

Pressekonferenz geplant

Vertragspartner der Unesco ist die Republik Österreich, offizieller Ansprechpartner also Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP). Aus dem Kulturministerium gab es am Mittwoch keine Auskunft zu dem Thema, für den morgigen Donnerstag wurde eine Pressekonferenz mit Blümel und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) zum Thema "Weltkulturerbe Wien" angekündigt.

Die Innere Stadt hofft auf den Erhalt des Welterbestatus: "Es liegt in der Verantwortung der Stadtregierung, gemeinsam mit dem Bezirk sicherzustellen, dass dieses Erbe der Menschheit in seiner weltweiten Einmaligkeit auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt", betonte Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP).

(APA )

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