Die Gärtner der Wiener Schätze

Der Trend zum allgegenwärtigen Gärtnern in der Stadt macht vor den Prunkgärten nicht halt: Freiwillige helfen nun in den Bundesgärten mit. Und sie suchen Unterstützer.

Man erkennt sie an den roten Schürzen – die Gärtnerinnen des Teams Schatzhaus Österreich, hier beim Einsatz im Augarten.
Man erkennt sie an den roten Schürzen – die Gärtnerinnen des Teams Schatzhaus Österreich, hier beim Einsatz im Augarten.
Man erkennt sie an den roten Schürzen – die Gärtnerinnen des Teams Schatzhaus Österreich, hier beim Einsatz im Augarten. – (c) Clemens Fabry

Die Wiener wissen ja gar nicht, was sie da haben. Umgeben von so viel Schönem, von den Bauten bis zu den Gärten, das da vermeintlich immer schon war. Weshalb man gar nicht mehr glaubt, dass es anders sein könnte – vielleicht der Grund, dass sie darauf nicht gut schauen? So sinniert Hobby-Gärtnerin Monika Fritz, während sie im Schlosspark Schönbrunn in einem Rondeau steht, in dem eben Tulpen ausgerissen wurden, und das nun für die Sommerbepflanzung vorbereitet wird.

Denn freiwilliges Gärtnern steckt in Wien noch in den Anfängen. Aber das wird wohl nicht mehr lang so bleiben, bekanntlich ist ja mittlerweile um das städtische Gärtnern, ja, um jedes Fleckchen Grün, ein regelrechtes Geriss ausgebrochen. Das gemeinschaftliche Gärtnern in den Prunkgärten, das beginnt aber erst. Seit ein paar Jahren sind in den Wiener Bundesgärten, in Schönbrunn, im Augarten, im Belvedere oder im Volksgarten, Ehrenamtliche mit Rechen und Harke unterwegs, um die Flächen zu pflegen oder nötige Arbeiten von Unkrautjäten bis zum Streichen der Stadtmöbel in den Gärten durchzuführen.


Britische Gartentradition in Wien. Das, was im gartenbegeisterten Großbritannien schon lange zum guten Ton gehört – der National Trust organisiert dort seit vielen Jahren die ehrenamtliche Pflege nationaler Natur- und Kulturdenkmäler – etabliert sich nun auch hierzulande. 2015 hat der Verein Schatzhaus Österreich das Projekt „Gartenschätze“ gestartet, zuvor hatte der Verein sich der Denkmalpflege verschrieben gehabt.

Nun geht es also um Grünflächen. Bis zu 150 Mitglieder, Gründerin und Vereinspräsidentin Eva Klimek nennt sie „Schatzis“, seien derzeit in den Gärten aktiv. Mitmachen kann jeder, die meisten sind an einem oder mehreren Halbtagen beim Gärtnern dabei. Manche haben einen Stammgarten, andere wechseln. Schließlich gibt es einen fixen Plan: Montags wird in Schönbrunn gearbeitet, dienstags im Augarten und so weiter.

Die ehrenamtlichen Gärtner gleichen einen Mangel in den Bundesgärten aus. Das sagt jedenfalls jener Mitarbeiter, der an diesem sommerlichen Vormittag die Arbeiten an einem Beet anleitet. Denn grundsätzlich seien die Gärtner in den Bundesgärten zu wenige, zu tun sei immer viel, und so sei man über jede Hilfe froh.


Freiwillige gegen den Mangel.
Mittlerweile jedenfalls. Denn zu Beginn der Aktivitäten, das sagt auch Eva Klimek, seien manche Mitarbeiter der Bundesgärten durchaus skeptisch gewesen. Ob ihnen hier nicht Ehrenamtliche die Arbeit abspenstig machen, quasi. Heute ist das vorbei – und die Arbeitsteilung klar: Die Gärtner planen, schaffen an, führen die Arbeiten mit schwererem Gerät durch (alles, wofür Maschinen vonnöten wären, ist den Freiwilligen untersagt), und die Helfer in den roten Schürzen packen an.

2015 haben die Freiwilligen laut eigenen Aufzeichnungen 1350 Arbeitsstunden in den Bundesgärten geleistet, Ende vorigen Jahres waren es schon gut 2000 Arbeitsstunden, in denen gejätet oder gepflanzt wurde. Oder, in denen der Verein zu Akuteinsätzen ruft: An solchen Aktionstagen wird in einem größeren Einsatz ein akutes Problem behoben, eine Löwenzahninvasion in den barocken Buchsbaumhecken im Belvedere etwa. Ebenfalls im Belvedere wurden heuer auch schon an wenigen Tagen 2000 Buchsbäumchen gepflanzt.

Mittlerweile können über den Verein auch Firmen Compliance-Tage veranstalten, also gemeinsam zwecks Teambuilding zum Garteln ausrücken. Das bringt ein wenig Geld, denn Subventionen gibt es für den Verein keine. Nur die Mitglieder zahlen einen kleinen Beitrag, 20 Euro im Jahr, vor allem für eine Unfallversicherung. Als Belohnung für die „Schatzis“ gibt es dann Spezialführungen in den Bundesgärten, übrig gebliebene Pflanzen für Zuhause und Ähnliches.

Die Mitglieder treffen sich mitunter auch zum Stammtisch, es ergeben sich interessante Gespräche und Freundschaften, sagt auch die eingangs erwähnte Hobbygärtnerin, Monika Fritz. Sie ist pensionierte Lehrerin, hat daheim zwar auch einen Garten – aber dort zu arbeiten mache nicht so viel Freude. „Daheim sehen den Garten ja nur ein paar Leute. Hier sehen ihn Millionen“, sagt sie an diesem Arbeitstag in Schönbrunn. Außerdem treffe man interessante Leute beim Gärtnern. „Anpacker, keine Stubenhocker.“

Unter den Gärtnern sind viele Pensionisten – eine ältere Frau etwa, die sagt, die zwei Vormittage seien für sie reine Meditation. Und viele Studenten, immerhin wird zu Zeiten gearbeitet, zu denen gewöhnliche Arbeitnehmer keine Zeit haben. Eva Klimek erzählt vor allem von vielen internationalen Helfern. Etwa einer Frau, einer Deutschen, die jeden Sommer eine Woche nach Wien kommt, sich im teuren Innenstadthotel einquartiert, und dann eine Woche lang täglich im Volksgarten gärtnert. In Summe sind derzeit Leute aus vier Erdteilen aktiv, Mexikaner, Japaner, Russen, Franzosen, Tschechen, Wiener auch, aber verhältnismäßig wenige.

Warum kümmern sich tendenziell die in Wien ansässigen Ausländer lieber um die Wiener Ziergärten als die Wiener selbst? „Ich liebe die Wiener sehr, aber vielleicht wissen sie einfach nicht zu schätzen, was sie in dieser Stadt an Schätzen haben“, das meint auch Präsidentin Klimek.

Info

2015 hat der Verein Schatzhaus Österreich das Projekt „Gartenschätze“ gestartet, zuvor hatte der Verein sich der Denkmalpflege verschrieben.

Mittlerweile sind die ehrenamtlichen Gärtner in einigen Bundesgärten aktiv: im Schlosspark Schönbrunn, dem Belvederegarten, dem Augarten, Burggarten und Volksgarten.

Infos und Termine zum Gärtnern gibt es unter schatzhaus-oesterreich.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2018)

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