ATIB: Über 60 Vereine mit mehr als 100.000 Mitgliedern

Harmloser muslimischer Kulturverein oder Hort des Islamismus? Der Anfang der 1990er Jahre gegründeten Verein wird immer wieder kritisiert.

Die Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich, kurz ATIB, deren Prüfung nun unter anderem zu Moscheeschließungen führt, vertritt über 60 Vereine mit über 100.000 Mitgliedern in ganz Österreich. ATIB fungiert als Dachverband und koordiniert die religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der türkisch-islamischen Moscheegemeinden in Österreich. ATIB stand immer wieder unter türkischem Nationalismusverdacht.

Der Anlass für die Prüfung: eine ATIB-Moschee in Wien, die eine in der Türkei ausgetragene Schlacht aus dem Ersten Weltkrieg mit Kindern in paramilitärischen Tarnanzügen nachstellte. Kritiker warfen der Organisation in der Vergangenheit auch Spionage und Bespitzelung von in Österreich lebenden Türken für das Regime des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor. Von dort soll ATIB auch finanzielle Unterstützung erhalten. Vorgehalten wurde dem Verein auch, dass er in islamischen Kindergärten und Schulen bewusst die Schaffung einer Parallelgesellschaft fördere und so die Integration von Türken in Österreich erschwere.

In 1990ern gegründet

Der Verein wies alle Vorwürfe zurück. ATIB beweise seit mehr als 30 Jahren, dass der Verein für Toleranz und gegenseitigen Respekt steht und keinerlei Berührungspunkte zu religiösem Fanatismus oder radikalem Nationalismus hat, heißt es auf der Homepage der Organisation. In seinen Statuten betont der Verein die Befolgung der österreichischen Gesetze und empfiehlt den Weg zur Integration in der Gesellschaft. ATIB wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet.

Hinter ATIB verbirgt sich der türkische Name Avusturya Türkiye Islam Birligi (Österreichisch türkische islamische Vereinigung). Der Dachverband organisiert Pilgerfahrten nach Mekka, bietet Bildungs- und Kulturangebote und leistet Beerdigungshilfe wenn es der letzte Wunsch von Verstorbenen ist, in der alten Heimat begraben zu werden.

ATIB gibt den Ton an

ATIB ist der größte muslimische Verband in Österreich und gibt damit seit einigen Jahren auch den Ton in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) an. Seit 2016 stellt man mit Ibrahim Olgun den Präsidenten der IGGÖ. Bei anderen muslimischen Gruppen stieß die türkische Dominanz seither wiederholt auf Kritik. Der Verband vertritt den sunnitischen Islam und stellt seinen Moscheegemeinden staatliche Imame aus der Türkei zur Verfügung. ATIB gilt als verlängerter Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet und Erdogans AKP-Partei.

Während man sich selbst eher als Kulturverein definiert, sehen Gegner die Organisation als Hort von Islamisten. Ziel von ATIB sei es, türkische Werte in Österreich zu etablieren und den Koran zu verbreiten, so der Vorwurf. Dass immer wieder versucht werde, ATIB mit diesen Positionen in Verbindung zu bringen, ändere nichts an der gefestigten Einstellung von ATIB als Hüter von demokratischen Werten, heißt es dazu seitens des Vereins.

(APA)

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