Vinzi-Bett: Notschlafstellen auf Quartiersuche

Die Notschlafstelle in Hernals wurde von Nachbarn hinausgeklagt, am Rennweg läuft der Mietvertrag aus. Entspannung bringt der Sommer den Obdachlosen keine – im Gegenteil.

Der Grazer Pfarrer Wolfgang Pucher, der Gründer der Vinzi-Werke, in einer Notschlafstelle. In Wien brauchen nun zwei Notschlaf-Einrichtungen der Vinzenzgemeinschaft ein neues Quartier. Das erste Wiener Vinzi-Dorf wird in wenigen Monaten eröffnet.
Der Grazer Pfarrer Wolfgang Pucher, der Gründer der Vinzi-Werke, in einer Notschlafstelle. In Wien brauchen nun zwei Notschlaf-Einrichtungen der Vinzenzgemeinschaft ein neues Quartier. Das erste Wiener Vinzi-Dorf wird in wenigen Monaten eröffnet.
Der Grazer Pfarrer Wolfgang Pucher, der Gründer der Vinzi-Werke, in einer Notschlafstelle. In Wien brauchen nun zwei Notschlaf-Einrichtungen der Vinzenzgemeinschaft ein neues Quartier. Das erste Wiener Vinzi-Dorf wird in wenigen Monaten eröffnet. – (c) Katharina Roßboth

Wien. Die Notschlafstelle Vinzi-Bett in der Ottakringer Straße wird geschlossen. Noch nicht gleich, ein paar Monate, vielleicht ein halbes Jahr, könne man wohl noch bleiben, sagt Regine Gaber, die Koordinatorin der Wiener Vinzi-Werke. Aber die Kündigung läuft, die rechtlichen Mittel sind de facto ausgeschöpft. Damit ist eine Institution, die seit zehn Jahren bis zu 47 Menschen pro Nacht Quartier bietet, selbst auf Quartiersuche.

Grund dafür ist eine Klage von Anrainern beziehungsweise Miteigentümern. Denn das Haus an der Ottakringer Straße, das die Vinzenzgemeinschaft unbefristet gemietet hat, gehört mit einem davon durch einen Hof getrennten Haus zusammen. In diesem Haus sind Wohnungen, deren Eigentümer die Obdachlosen nicht mehr in der Nähe haben wollten. Der Eigentümer bzw. Vermieter des Gebäudeteils, in dem die Notschlafstelle ist, wurde geklagt, er hat Prozess und Berufungsverfahren verloren, nun läuft das Kündigungsverfahren. „Wir haben versucht, eine Lösung zu finden, haben die Nachbarn zu uns eingeladen, aber bis auf eine Person ist niemand gekommen“, sagt Gaber.

Für sie sei die Sache „gegessen“, gegen die gerichtliche Kündigung läuft ein Berufungsverfahren. Aber das verschaffe wohl nur Zeit, um ein neues Quartier zu finden. Gaber rechnet mit rund einem halben Jahr. Dann wird das Haus, wie viele in dieser Gegend um den Yppenplatz, wohl neu ausgebaut.

Die Vinzenzgemeinschaft sucht nun dringend nach einem anderen gut erreichbaren Quartier zur Miete. Besonders kritisch ist die Lage, weil bald eine zweite Wiener Vinzi-Einrichtung schließen muss: der Vinzi-Port am Rennweg mit 55 Schlafplätzen. Hier, so Gaber, sei die Lage anders. Man wusste frühzeitig, dass der befristete Mietvertrag enden würde. Nun soll die Notschlafstelle einem Immobilienprojekt weichen und für den Vinzi-Port wird ein neues Quartier gesucht. Die Einrichtungen zusammenzulegen habe man überlegt. Aber ein Quartier für 100 Menschen zu finden sei schwieriger als zwei für 50.

Schließlich begleiten Anrainerproteste viele Vinzi-Projekte, auch das Vinzi-Dorf wurde dadurch lang verzögert. Nun soll das Dorf in Meidling im November eröffnet werden und eine dauerhafte Bleibe mit 24 Kleinstwohnungen für ehemals Obdachlose sein. Ein Ersatz für die Notschlafstellen, so Gaber, sei das nicht: Das Dorf ist Menschen vorbehalten, die nach dem Wiener Sozialhilfegesetz anspruchsberechtigt sind, also Österreicher oder gleichgestellte Ausländer. Und weil man für das Vinzi-Dorf nun erstmals Geld vom Fonds Soziales Wien (FSW) bekommt, müsse man hier strenger sein als in den Vinzi-Notschlafstellen. In denen wurden auch Obdachlose, die in Stadt-Wien-geförderten Einrichtungen nicht unterkommen, betreut.

Für diese Obdachlosen sei die anstehende Schließung „eine Katastrophe“, so Gaber. Vinzi-Bett habe sich über die Jahre zu einem Zuhause entwickelt, „47 ehemals Obdachlose auf die Straße zu setzen wäre ein Wahnsinn“. Die Plätze der Notschlafstelle seien auch zuletzt stets belegt gewesen.

 

Hitzebus und Kältestube

Denn Entspannung bringt der Sommer da keine – im Gegenteil. Wiewohl man an Obdachlose eher im Winter denkt, stellt die Hitze zusätzlichen Stress dar: Obdachlose hätten schwer Zugang zu kühlen Räumen, vor allem psychisch Kranke unterschätzen die Gefahren langer Aufenthalte in der prallen Sonne, warnte die Wiener Caritas zuletzt. Der Kältebus wurde deswegen zuletzt zum Hitzebus: Statt Ausrüstung für kalte Nächte ist das Streetwork-Team unterwegs, um Wasserflaschen oder Sonnenschutz zu verteilen.

Das Rote Kreuz hat, analog zu den Wärmestuben im Winter, ein erstes „Cooling Center“ eingerichtet. Ein klimatisierter Raum im Shoppingcenter Nord in Floridsdorf, in dem Hitzegeplagte, die keinen Zugang zu kühlen Räumen haben, Entspannung finden. Das Cooling Center hat vorerst bis kommenden Dienstag geöffnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2018)

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