Schubhäftling: Brand in Polizeianhaltezentrum aus Protest gelegt

Bei einem Brand in Wien wurden sechs Schubhäftlinge verletzt, einer von ihnen liegt noch auf der Intensivstation. Ein 31-Jähriger wurde bereits vernommen. Er sagt, seine Mithäftlinge haben das Feuer aus Protest gelegt.

++ HANDOUT ++ WIEN: BRAND IM  POLIZEIANHALTEZENTRUM IN WIEN JOSEFSTADT
++ HANDOUT ++ WIEN: BRAND IM  POLIZEIANHALTEZENTRUM IN WIEN JOSEFSTADT
Die Suizidtheorie wurde nach der Befragung des Häftlings unwahrscheinlich. – APA/LPD WIEN/LPD WIEN

Nach dem Brand im Wiener Polizeianhaltezentrum (PAZ) am Hernalser Gürtel, bei dem sechs Schubhäftlinge in der Nacht auf Samstag verletzt worden waren, sind vier bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das sagte eine Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) am Sonntag zur APA. Einer befindet sich noch auf einer Intensivstation, ein weiterer auf einer Normalstation.

In Lebensgefahr ist keiner der Schubhäftlinge mehr. Einer der sechs konnte bereits kurz einvernommen werden. Der 31-Jährige gab dabei an, dass er und seine Mithäftlinge das Feuer aus Protest gelegt hätten. Der am Freitag gegen 22.30 Uhr ausgebrochene Brand in einer Zelle im ersten Stock des PAZ hatte einen Großeinsatz von Polizei, Berufsfeuerwehr und Berufsrettung ausgelöst. Die sechs Männer - fünf Afghanen und ein Iraner, 18 bis 33 Jahre alt und alle in Schubhaft - hatten auf einem DIN-A5-Zettel eine Art Erklärung auf Deutsch verfasst. Sie beklagten ihre Perspektivlosigkeit wegen der drohenden Abschiebung.

Die Ermittler fanden den stark verkohlten Zettel bei einer ersten Begehung nach dem Feuer und dachten zunächst an einen Abschiedsbrief. Die Suizidtheorie wurde jedoch nach der Befragung des Häftlings unwahrscheinlich. Er gab an, sie hätten ein Zeichen des Protests setzen wollen. Sie zündeten Matratzen und Bettzeug an und zogen sich dann ins Badezimmer zurück, wo sie den Türschlitz mit einem Fetzen abzudichten versuchten.

Weil das nicht half, rannte einer zur Zellentür und versuchte Hilfe zu organisieren. Ihn fanden die Einsatzkräfte reglos hinter der Zellentür liegend, sobald sie diese geöffnet hatten. Die Insassen hatten die Tür mit einem Spind zu blockieren versucht.

Neben den sechs Schwerverletzten, die in drei Wiener Krankenhäusern untergebracht wurden, untersuchten die Rettungskräfte 14 Personen auf Rauchgasvergiftungen. Vier Beamte - drei Polizistinnen und ein männlicher Kollege - konnten am Samstag wegen der Auswirkungen des Feuers keinen Dienst mehr versehen.

Kickl: "Tief betroffen"

"Tief betroffen" gab sich Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) am Samstag. "Ich nehme diesen Vorfall zum Anlass, die Sicherheitsmaßnahmen in den Polizeianhaltezentren einer Überprüfung zu unterziehen, um das Brandrisiko in den Polizeianhaltezentren zu minimieren. Darüber hinaus werden wir genau untersuchen, was die Ursachen des Brandes sind", kündigte der Ressortchef zudem an.

Präzisieren wollte dies das Innenministerium am Wochenende noch nicht. "Wir evaluieren gerade, welche Maßnahmen wir setzen können, und werden die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren", sagte Kickls Sprecherin Viktoria Preining am Sonntag zur APA.

Im PAZ an Feuerquellen zu kommen, stellt an sich kein Problem dar: "Es gibt grundsätzlich zwischen 8.00 und 17.00 Uhr einen offenen Vollzug", erläuterte Polizeisprecher Harald Sörös. Die Häftlinge können sich in diesem Zeitraum in dem jeweiligen Block frei bewegen. "Es ist ja kein Strafvollzug, sondern die Schubhaft dient ausschließlich der Verfahrenssicherung", sagte der Polizeisprecher. Es gibt außerdem Raucher- und Nichtraucherzellen, in die jeder zu den angebenen Zeiten hineingehen kann. Daher fällt auch der Zugang zu Feuerzeugen oder Zündhölzern nicht schwer.

(APA)

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