Omas gegen rechts: "So nett der Bundeskanzler aussieht, die Agenda macht uns Angst"

Ein Jahr nach der Gründung zieht die Gruppe "Omas gegen rechts" Bilanz. Sie sieht ihren Widerstand gegen die türkis-blaue Bundesregierung als Verpflichtung.

Caroline Koczan bei der Pressekonferenz zur Ein-Jahres-Bilanz.
Caroline Koczan bei der Pressekonferenz zur Ein-Jahres-Bilanz.
Caroline Koczan bei der Pressekonferenz zur Ein-Jahres-Bilanz. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Die "Omas gegen rechts" sehen ihren Widerstand gegen die türkis-blaue Bundesregierung als Verpflichtung. Gegründet wurden sie im November 2017 aufgrund der Regierungsbildung mit Beteiligung des "rechten Lagers", erklärten die Sprecherinnen am Montag bei einer Pressekonferenz und präsentierten ihre bunten "Pussyhats", mit denen sie bei Demos auffallen wollen.

"Die 'Omas gegen rechts' sind aus einer Emotion heraus entstanden. Wir stellen uns dagegen", gegen die "Menschenverachtung, den Faschismus, den Rassismus", erklärte Gründerin Monika Salzer. "Wir gehen nicht für unsere Interessen oder unsere Pension auf die Straße, sondern für die nachfolgenden Generationen." Denn Salzer und ihre Mitstreiterinnen fürchten, dass unter der ÖVP-FPÖ-Regierung die parlamentarische Demokratie abgebaut wird und man sich in Richtung gelenkte Demokratie entwickelt: "So nett der Bundeskanzler aussieht, die Agenda macht uns Angst."

Caroline Koczan, Susanne Scholl und Monika Salzer
Caroline Koczan, Susanne Scholl und Monika Salzer
Caroline Koczan, Susanne Scholl und Monika Salzer – APA/HERBERT PFARRHOFER

"Wir sind die neuen Zeitzeugen"

Protestiert wird von den Omas mit den auch von den Trump-Gegnern verwendeten bunten Pussyhats: "Das Gute bei unserem Design ist: Selbst wenn nur eine Oma wo hin geht, fällt sie auf", so Salzer. Die Anliegen der Frauen sind aber ernste, wie Journalistin Susanne Scholl erklärte: "In Europa und Österreich findet eine Entwicklung statt, der gegengesteuert werden muss." Hauptaufgabe der "Omas gegen rechts" sei die Aufklärung, denn zunehmend werde durch die Regierung eine Sprache salonfähig, die sich etwa gegen Flüchtlinge richte.

"Wir dachten, dass so eine Zeit nie wieder kommen kann, wir sehen aber, dass 'Nie wieder' immer mehr zu einer Phrase verkommt. Wir erleben eine Welt, die sich total rückwärts wendet", stellte Scholl fest. Man sehe sich daher gezwungen, auf die Straße zu gehen, "auch wenn wir lieber etwas anderes tun würden, es ist notwendig. Wir sind die neuen Zeitzeugen".

"Omas gegen rechts"-Protest in Deutschland. – imago/Chris Emil Janßen

Sieben Landesgruppen und deutsche Ableger

Die politisch unabhängige Plattform ist als Verein organisiert, die Facebook-Gruppe verzeichnet rund 3500 Mitglieder. Salzer geht davon aus, dass nach der Generalversammlung auch der Verein 2000 Mitglieder zählen könnte. In Österreich gibt es bereits sieben Landesgruppen und auch in Deutschland haben sich Gruppen gebildet.

Die "Omas gegen rechts" nehmen nicht nur an Demonstrationen teil, sondern organisieren auch Vernetzungstreffen. Eine weitere Aktion ist dem Thema "Widerstand im Paradies" im Rahmen der Vienna Art Week im Wiener Museumsquartier gewidmet.

(APA)

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