Die Donnerstagsdemos werden zur Routine

Vor zwei Monaten haben Regierungsgegner zur Wiederbelebung der "Donnerstagsdemo" aufgerufen. Seitdem ziehen jede Woche mehrere Tausend durch die Straßen Wiens. Auch in Linz, Innsbruck und Klagenfurt wurde schon demonstriert.

DONNERSTAGS-DEMONSTRATION GEGEN DIE BUNDESREGIERUNG
DONNERSTAGS-DEMONSTRATION GEGEN DIE BUNDESREGIERUNG
APA/GEORG HOCHMUTH

Es ist ein Versuch, alten Protest wieder aufleben zu lassen. Seit nunmehr acht Wochen wird in Wien jede Woche gegen die türkis-blaue Regierung demonstriert. "Es ist wieder Donnerstag" lautet das Motto - in Anlehnung an die berühmt gewordenen Donnerstagsdemos, die im Jahr 2000 im Protest gegen die damals gebildete Koalition zwischen ÖVP und FPÖ begannen und wöchentlich stattfanden. 

Es scheint, als würde der Versuch gelingen, zumindest in wesentlich kleinerer Ausführung. Während die Proteste im Jahr 2000 die Schüssel-Haider-Regierung zwangen, zur Angelobung durch einen unterirdischen Gang in die Hofburg zu schleichen, war die erste "zweite" Donnerstagsdemo am 4. Oktober im Vergleich eher bescheiden. Einige tausend Regierungsgegner (die Polizei sprach von 4000, die Organisatoren von 20.000 Teilnehmern) versammelten sich auf dem Ballhausplatz. Ob es wirklich funktionieren würde, einen wöchentlichen Protest aufrechtzuerhalten, fragte man sich da. Jedenfalls hatten die Organisatoren, alle Privatpersonen, prominente Unterstützung. Die Schriftstellerin Elfriede Jelinek rief per Video zur Teilnahme auf, die Autorin Stefanie Sargnagel sowie die Schauspielerin Erni Mangold standen als Rednerinnen auf der Bühne.

Acht Wochen später: die Donnerstagsdemos gibt es immer noch - und  langsam stellt sich so etwas wie Routine ein, die Teilnehmerzahl bleibt konstant bei einigen wenigen Tausend. Geändert wird lediglich das Programm, die Route und der thematische Schwerpunkt: In der zweiten Woche sammelte man sich vor der ÖVP-Zentrale, in der dritten Woche zog man vom Stephansplatz Richtung Praterstern. In der vierten fuhr man gemeinsam Kebab essend in der U6 - um gegen Verbote und "die strenge Hand von oben" zu demonstrieren (Ungeachtet dessen, dass das Essensverbot in der Wiener U-Bahn von der Wiener Stadtregierung beschlossen wurde). Letzte Woche zog man vor die Wirtschaftskammer in Wien Wieden, wo gerade die KV-Verhandlungen der Metaller stattfanden.

Geschichte: Wiens größte Demonstrationen

Klagenfurt, dann Linz, Innsbruck und Salzburg

Auch in den Bundesländern wird demonstriert. Zeitgleich mit der ersten Demo in Wien versammelten sich in Klagenfurt einige wenige Protestwillige. Auch in Linz, Innsbruck und Salzburg fanden bereits Demos statt.

Für die nunmehr achte Ausgabe am morgigen 22. November werden in Wien etwa 3000 Teilnehmer erwartet. Vom Sozialministerium am Stubenring geht der Demozug  über das Gesundheitsministerium in die Radetzkystraße weiter zum Finanzministerium. Der ARBÖ rechnet mit Sperren am Ring, auf der Zweier-Linie und in Teilen des 3. Bezirkes.

Zumindest 100 Wochen fanden die Original-Donnerstagsdemos statt. Wie lange es die aktuellen Donnerstagsdemos geben wird, ist noch nicht abzusehen.

(twi)

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