Hauptbahnhof: Ein Haus für Ärzte, Kunst und Obdachlose

Unter dem Namen Cape 10 entsteht am Wiener Hauptbahnhof ein Sozial-Medizin-Kunst-Bildungs-Projekt mit prominenter Beteiligung. Bis 2021 soll es fertiggestellt sein.

Noch läuft die Planung, aber so (ähnlich) soll das Cape 10 aussehen.
Noch läuft die Planung, aber so (ähnlich) soll das Cape 10 aussehen.
Noch läuft die Planung, aber so (ähnlich) soll das Cape 10 aussehen. – Coop Himmelb(l)au

Wien. In Favoriten, im Sonnwendviertel am Hauptbahnhof, entsteht ab kommendem Jahr ein besonderes Haus: ein innovativer Bau, moderne Architektur (aber zum Preis eines Sozialbaus), in dem ein Zentrum für Ärzte, Bildung, für Obdachlose, Kunst, Bildung, für Bewegung und Beratung und vor allem für Begegnung entstehen soll, wie Mediziner Siegfried Meryn, der Initiator des Cape 10, sagt.

Dieses Kap (der Name ist an das der Guten Hoffnung angelehnt) soll Ärztezentrum und Ort für Gastronomie und Kulturräumlichkeiten sein, dazu Tageszentrum für obdachlose Frauen oder ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen gefördert werden sollen. Baubeginn ist für September 2019 geplant, 2021 soll der von Coop Himmelb(l)au entworfene Bau, der von prominenten Unterstützern getragen wird, eröffnen.

Mediziner Siegfried Meryn spricht von einem „Ort der Begegnung – für alle“. Man wolle Menschen, die in einer Phase der Schwäche sind, unterstützen, wieder stark zu werden. Cape 10 solle dabei weniger Defizite der Versorgung durch die Stadt oder die öffentliche Hand ausgleichen, eher, so Meryn, wolle man Neues versuchen, ein „Haus der sozialen Innovation“ schaffen, in dem auf rund 5000 Quadratmetern Nutzfläche an der Adresse Alfred-Adler-Straße 1 diverse Gesellschaftsschichten zusammenkommen.

Entstehen soll eine Ambulanz, auch für nicht versicherte Kranke, ein von „Obdach Wien“ betreutes Zentrum für wohnungslose Frauen (das Zentrum Esther übersiedelt dazu vom sechsten Bezirk ins Cape 10). Außerdem entsteht ein Kinder- und Jugendgesundheitszentrum, für das die Vinzenzgruppe federführend verantwortlich zeichnet. Schließlich gibt es bei rund 200.000 Einwohnern im zehnten Bezirk und nur fünf Kinderärzten, die je 100 Kinder pro Tag betreuen, einen eklatanten Mangel, kritisierte Meryn. Physio- und Psychotherapie sollen ebenfalls angeboten werden.

Andererseits wird das Gebäude mit Gastronomie, Büroflächen und Räumen für Kulturveranstaltungen und Wissensvermittlung bespielt. Die Ausarbeitung des Kunstkonzepts hat Erwin Wurm übernommen, auch Burgtheater und Konzerthaus wollen sich als Projektpartner beteiligen. In Kooperation mit Wirtschafts- und Technischer sowie Medizin-Uni sind Bildungsprogramme für benachteiligte Kinder vorgesehen.

Geplant wurde der Bau von Coop Himmelb(l)au, Büromitgründer Wolfgang Prix betonte, dass der ersten Entwürfen zufolge sehr durchlässige und mit einem v-förmigen Dach versehene Bau für eine offene Gesellschaft stehen soll. „Es muss nicht nach Unter-der-Brücke-Leben ausschauen, denn soziale Integration ist kein ärmliches Thema“, so der Architekt. Die Errichtungskosten von rund 8,5 Mio. Euro orientieren sich nichtsdestoweniger am Niveau des sozialen Wohnbaus, hieß es.

 

Derzeit läuft noch die Planung

In Summe werden die Investitionen für das Projekt mit 13,5 Millionen Euro beziffert. Zur Abwicklung des Projekts wurde eine gemeinnützige Stiftung gegründet. 90 Prozent seien schon ausfinanziert. Die Finanzierung erfolgt über einen Immobilienkredit, durch Partnerunternehmen und private Investoren, etwa Hans Peter Haselsteiner, und eine spezielle Anleiheform, den sogenannten Social Impact Hybrid Bond. Derzeit läuft die Detailplanung, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Der Baubeginn ist für September 2019 avisiert, die Fertigstellung für den Lauf des Jahres 2021. (cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2018)

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