U-Kommission: Zu wenig Personal für das Spital Nord?

Die frühere ärztliche Leiterin ortet Personalprobleme, nachdem Ausbildungsplätze gestrichen wurden. Derweilen sind die Bauarbeiten für das Milliardenprojekt offiziell abgeschlossen.

S. Schwarz, frühere ärztliche KH Nord-Leiterin.
S. Schwarz, frühere ärztliche KH Nord-Leiterin.
S. Schwarz, frühere ärztliche KH Nord-Leiterin. – (c) APA/HELMUT FOHRINGER

Wien. „Da gebe ich Ihnen recht. Das war sehr schmerzhaft.“ Mit diesem Satz ließ die frühere ärztliche Leiterin des Spitals Nord, Sylvia Schwarz, aufhorchen. Es war die Antwort auf die Frage des FPÖ-Abgeordneten Günter Koderhold, der einen Personalmangel beim Betrieb des KH Nord ortet – nachdem der frühere Generaldirektor Udo Janßen Ausbildungsplätze für Ärzte radikal gestrichen hatte um Kosten zu sparen.

Diese Ärzte würden nun fehlen, meinte Koderhold, der selbst Arzt ist. Was die frühere Ärztliche Leiterin nun de facto bestätigte.

 

Alle Stationen in Betrieb?

Damit zeigt jene Kommission, die das Fiasko beim Bau des Spitals Nord aufklären soll, das nächste Problem auf: Es ist mehr als fraglich, ob mit der Eröffnung des Spitals alle Stationen wie geplant in Vollbetrieb gehen können.

Hintergrund ist nicht nur die Streichung von Ausbildungsplätzen, womit medizinischer Nachwuchs fehlt, sondern auch die völlig verunglückte Umsetzung der EU-Arbeitsrichtline für Ärzte, die zu massiv höheren Kosten bei deutlich geringerer Leistung für die Patienten geführt hat. Wobei das Problem des Ärztemangels seit einiger Zeit virulent ist, und nicht nur das Spital Nord betrifft.

Es sei ein Problem gewesen, dass sich der damalige Generaldirektor Wilhelm Marhold krankheitsbedingt zurückziehen hätte müssen, erklärte Schwarz. Marhold hätte die Betriebszeiten mit mehr Ärzten verlängern wollen – sein Nachfolger Janßen dagegen hätte mit weniger Personal mehr Leistung geplant, berichtete Schwarz, die die Personalplanung für das Spital Nord durch die Änderungen von Janßen als „größtes Problem“ sah.

Gleichzeitig erklärte die Medizinerin, dass der Amtsantritt von Janßen weitere Probleme ausgelöst hätte: „In der Anfangsphase mit Marhold gab es klare Verträge, alles war exakt aufgestellt.“ Nach Marhold seien diese klaren Verträge aufgeweicht worden, und es hätten viel zu viele plötzlich mitgeredet. Das deckt sich mit der Einschätzung des Rechnungshofes, wonach die Projektorganisation beim KH Nord anfangs stabil war, aber nicht stabil gehalten werden konnte.

Gleichzeitig zeigte sich Schwarz erstaunt über die damalige Ankündigung der Politik, das KH Nord werde 2015 eröffnen. Sie selbst habe sich gedacht, das könne sich bei diesem komplexen Projekt nie ausgehen, so Schwarz.

Weniger auskunftsfreudig gab sich die Medizinerin bei einem anderen Thema. Nach ihrem Ausscheiden als ärztliche Leiterin war sie Beraterin beim KH Nord und dabei in die Vergabe eines Auftrags an einen Energetiker involviert, der um 95.000 Euro eine angebliche energetische Reinigung der Baustelle durchgeführt hatte. Hier verweigerte Schwarz jegliche Antwort mit dem Hinweis, dass deswegen ein entsprechendes Verfahren gegen sie laufe.

Apropos: Jener Energetiker, der den fast 100.000-Euro-Auftrag zur energetischen Reinigung der Baustelle erhielt, hatte am Dienstag einen schlechten Energiefluss. Er sollte vor der Kommission unter Wahrheitspflicht aussagen, wie es zu diesem (mit Steuergeld finanzierten) Auftrag kam bzw. wer ihn konkret beauftragt hatte. Allerdings musste er kurz vor der Einvernahme absagen – wegen Krankheit.

 

Bauarbeiten nun abgeschlossen

Einen Lichtblick gab es in der Causa Krankenhaus Nord derweilen am Dienstag: Wie Gesundheitsstadtrat Peter Hacker erklärte, ist am Freitag die sogenannte Fertigstellungsanzeige bei der Baupolizei erfolgt. Damit ist zumindest der Bau des Milliardenprojektes formal abgeschlossen. Die ersten Mitarbeiter sollen im Dezember einziehen, wurde betont. Dabei handelt es sich noch nicht um Ärzte, sondern um Mitarbeiter aus der Verwaltungsabteilung.

Ab dem nächsten April wird der Echtbetrieb in dem Hi-Tech-Spital simuliert, um das Krankenhaus auf noch unbekannte Schwachstellen samt Praxistauglichkeit im Alltag zu testen. Wenn das Krankenhaus Nord diese Prüfung im simulierten Echtbetrieb besteht, sollen dann im Juni die ersten Patienten aufgenommen werden. Hält dieser Zeitplan, wird das Krankenhaus Nord im September des kommenden Jahres in Vollbetrieb gehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2018)

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