Contra Heumarkt-Hochhaus: „Das ist reiner Kuhhandel“

War alles nur Show? Stadtplaner Reinhard Seiß kritisiert die Rolle der Politik bei dem Projekt. Von Anfang an habe man ein Hochhaus gewollt. Alle Planungsschritte hätten nur zur nachträglichen Rechtfertigung gedient.

Mit dem Istzustand beim Heumarkt ist keiner so richtig zufrieden.
Mit dem Istzustand beim Heumarkt ist keiner so richtig zufrieden.
Mit dem Istzustand beim Heumarkt ist keiner so richtig zufrieden. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sie sagen, die Heumarkt-Causa sei typisch für Wien. Was ist das Typische?

Reinhard Seiß: Die weitgehende Unsachlichkeit des städtebaulichen Prozesses, aber auch der fachlichen, politischen und medialen Diskussion. Diesmal ist es nur stärker aufgefallen, weil so viele Unsauberkeiten zusammengekommen sind und sich an einem besonderen Ort verdichtet haben. Zudem hat das Unesco-Welterbe dafür gesorgt, dass die Causa über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde – und es plötzlich eine übergeordnete Ebene gibt, die sich in die Stadtentwicklung einmischt. Üblicherweise braucht sich Wiens Planungspolitik ja nur an die eigenen, breit interpretierbaren Vorgaben zu halten, an denen im Bedarfsfall auch noch fleißig herumgeknetet wird.

Ich nehme an, „herumgeknetet“ wird für den Investor. Aber was hat die Stadtpolitik davon?

Ein Beispiel: Politiker brauchen Medien, und Medien leben von Inserenten, nicht zuletzt aus der Immobilienwirtschaft. Im konkreten Fall kommt dazu, dass Herr Tojner und die Familie Dichand bekanntermaßen Geschäftspartner sind – und kein Wiener Bürgermeister gegen „Krone“ und „Heute“ regiert. In den 1990er-Jahren hat die „Kronen Zeitung“ noch ein Hochhaus im Museumsquartier, am anderen Ende der Innenstadt, verhindert. Am Heumarkt dagegen ist die „Krone“ auffallend desinteressiert. Aber auch vermeintliche Qualitätszeitungen fungieren bis heute als Steigbügelhalter des Projekts und polemisieren mit der Stadtregierung gegen die Unesco, anstatt die geradezu grotesken Verrenkungen der Planungspolitik zu kritisieren.

Es geht vor allem um einen Gefallen für die „Krone“?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2019)

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