Und wieder: Polizei von Bande eingekesselt

Derartige Angriffe häufen sich. Ist die Wiener Polizei dafür gerüstet?

Wien. Eigentlich sollte das ein Standardeinsatz sein: Am frühen Mittwochabend wird die Polizei wegen angeblichen Drogenkonsums in den Braunhirschenpark in Rudolfsheim-Fünfhaus gerufen. Als zwei Beamte ankommen, stellt sich ihnen ein 21-Jähriger entgegen.

Der junge Syrer schimpft und droht, es stellt sich heraus, dass er mehrere unbezahlte Strafakte offen hat. Er ruft seine Kumpanen zusammen, die Polizisten werden von rund 20 Personen umzingelt. Als der Syrer seinen Gürtel ablegt, fällt ein Messer zu Boden, die Polizisten ziehen ihre Waffen, drohen damit, um die jungen Männer auf Distanz zu halten. Als Verstärkung kommt, fliehen die meisten. Einige Identitäten werden festgestellt, der 21-Jährige wird verhaftet, laut Polizei wütet er noch im Arrestwagen weiter.

Solche Angriffe werden offenbar mehr: Erst vorige Woche hatten sich zwei Jugendbanden, die sich in Alt-Erlaa prügeln wollten, gegen die Polizei zusammengetan: Die tschetschenisch- und afghanischstämmigen Jugendlichen und jungen Männer umkreisten die Polizisten, rissen an Uniformen, mehrere Beamte wurden mit Tritten und Faustschlägen verletzt.

Werden solche Attacken mehr? Und ist die Polizei dafür gerüstet? „Die Aggressivität wird mehr, nicht nur gegen Polizisten, das ist gesamtgesellschaftlich zu beobachten“, sagt Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger (FSG, Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter). Besonders bei Menschen, die in ihren Herkunftsländern nur negative Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben, gebe es Probleme im Umgang. „Aber die Zahl der verletzten Kollegen stagniert bei einer Zahl von rund 1000 pro Jahr in ganz Österreich.“

Muss man gegen solche Gruppen anders, schärfer vorgehen? Nein, sagt Greylinger, auch hier sei Deeskalation und Dialog der richtige Weg. Trete die Polizei den jungen Burschen martialisch und schroffer gegenüber, würde das nur zu mehr Gewalt führen. Der steigenden Gewaltbereitschaft entgegenzuarbeiten, das sieht er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Werner Herbert, der Vorsitzende der freiheitlichen Gewerkschaft AUF, kommt zu einem ähnlichen Schluss: Speziell solche Jugendgruppen seien respektlos der Polizei gegenüber, würden in Bagatellsituationen regelrecht die Eskalation suchen. Die Polizei sei dafür aber gut geschult. Wenn eine Gruppe aber Gewalt wolle, sei es kaum möglich, dass alle friedlich auseinandergehen, sagt Herbert. Dieser Gewalt und Respektlosigkeit entgegenzuwirken, sieht auch er als gesellschaftliche Aufgabe, die nicht die Polizei allein lösen könne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2019)

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