Wienfeste kennen keine Krise

Mit dem Stadtfest will sich die Wiener ÖVP selbst inszenieren, gegen die geballte Ladung der SPÖ-Events kommt sie aber nicht an – besonders im Wahljahr.

Wienfeste kennen keine Krise
Wienfeste kennen keine Krise
WIENER STADTFEST – (c) APA (RENE VAN BAKEL)

Einmal im Jahr zeigt auch die Wiener ÖVP, wie man Großevents organisiert. Beim Stadtfest ist vor allem die City fest in der Hand der Volkspartei – die mit Musik und Events der Bevölkerung viel Unterhaltung bietet. Und sich dabei natürlich selbst bewirbt, was gerade im Wahljahr 2010 von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Rund 1,3 Mio. Euro kostet die Organisation des heurigen Stadtfests (28. bis 30. Mai). Und jeder Bürger zahlt mit. Nämlich 900.000 Euro, die die Stadt als Subvention zur Verfügung stellt. Die restlichen 400.000 werden über Sponsoren hereingeholt.

Die ÖVP muss aber angesichts der Stadthilfe für das „schwarze“ Fest kein schlechtes Gewissen haben. Denn auch für die „roten“ Großfeste gibt es Geld von der öffentlichen Hand: Für das Donauinselfest, das von 27. bis 29. Juni stattfindet, stehen 1,45 Mio. zur Verfügung, eine weitere knappe halbe Million Euro für das traditionelle Maifest im Prater.

Nur mehr Parteifeste? Die Finanzhilfen für Prater-, Donauinsel- und Stadtfest laufen unter Kultursubventionen. Was den Grünen sauer aufstößt: „Ich habe nichts gegen Feste. Aber sowohl Stadtfest als auch Donauinselfest sind eindeutige Parteifeste geworden – und haben mit Kultur nichts zu tun“, sagt Marie Ringler, Kultursprecherin der Grünen. Daher stimmt sie seit Jahren im zuständigen Kulturausschuss gegen solche Finanzhilfen. Seit Jahren vergeblich.

Am 10. Oktober 2010 wird in Wien gewählt. Daher will man PR-mäßig der VP nicht das Feld überlassen, sondern hat eine „Gegenveranstaltung“ lanciert. Unter dem Titel „Wien. Für Dich“ fand an diesem Wochenende (28. und 29. Mai) auf dem Rathausplatz eine Leistungsschau statt. Die SP-Stadtregierung präsentierte hier, was man „als lebenswerteste Stadt der Welt“ so alles zu bieten hat. Neben viel Musik wurde auch alles über Wohnen, Wasser, Freizeit und Familie gezeigt. Unausgesprochenes Motto: Die SP-regierte Stadt sorgt für dich, und das sehr gut.

Aber auch bei diesem Fest zahlt der Bürger über seine Steuern massiv mit. 960.000 Euro kommen aus dem Gemeindebudget für die ÖVP-Konkurrenz. Die Opposition sieht nicht nur in dieser Veranstaltung unnötige Lobhudelei, die den Steuerzahler viel koste. Norbert Walter, Landesgeschäftsführer der ÖVP, sieht darin eine „Brot-und-Spiele“-Strategie der regierenden SPÖ: „Es gibt ja einige Events der Stadt, die ganz okay sind. Aber man muss hinterfragen, ob wir das in dieser Dichte brauchen. Wenn Wien so gut verwaltet ist, warum muss man das teuer rauskehren?“

Ausgerichtet wurde die Schau am Rathausplatz direkt vor den Augen Michael Häupls von der Stadt Wien Marketing, der Eventagentur Wiens. Sie ist eine 100-Prozent-Tochter der Stadt und sehr rührig – da bleibt nicht viel Platz für private Organisatoren, außer sie haben eine gewisse Nähe zur Stadt. Seit Jahren tragen die städtischen Eventmanager mit zahlreichen Veranstaltungen dazu bei, Wohlfühlgefühl bei den Wienern zu erzeugen.

Diese Zufriedenheit mit der Stadt, die im Wahljahr besonders wichtig ist, kostet natürlich: 47 Mio. Euro wurden 2006 der Wien Marketing für Großveranstaltungen im Zehnjahreszeitraum 2007 bis 2017 zugestanden. Das Geld kommt vom Presse- und Informationsdienst (Oxonitsch-Ressort).

Unbestrittene Publikumsmagneten sind seit Jahren die von Wien Marketing organisierten Großveranstaltungen auf dem Rathausplatz wie das Filmfestival, der Eistraum, der Silvesterpfad und zuletzt immer mehr auch das Weinfest. Das von der Stadt zur Verfügung gestellte Budget sei aber nur für die Grundfinanzierung dieser Großevents ausreichend, sagt die Geschäftsführerin von Wien Marketing, Barbara Schwarzinger. Und nennt als Beispiel den Eistraum. Da habe man zwar ein jährliches Grundbudget von 400.000 Euro, aber mittlerweile seien die Kosten durch Verbesserungen und räumliche Ausweitungen auf 1,6 Mio. gestiegen. Den Rest müsse man durch Sponsoren, Eintrittsgelder oder Einnahmen aus der Gastronomie hereinbekommen, so Schwarzinger, die auf die große Umwegrentabilität hinweist.

Zwischen Mistfest und Kirtag. Sicher ist jedenfalls, dass neben den erwähnten Klassikern die Zahl der direkt oder indirekt von der Stadt veranstalteten kleineren Events deutlich zunimmt. Mindestens 30 Zusatzveranstaltungen seien es heuer, sagt Schwarzinger. Die Aufträge dazu kämen von verschiedenen Abteilungen der Stadt oder direkt von Stadtratsbüros. „In-house-Vergabe“, heißt das. Und so kommt es, dass kaum ein Wochenende vergeht, an dem nicht ein Event stattfindet. Von Genussfestival über Seniorentag, Tierschutztag und Mistfest bis zum Kirtag reicht die Palette. Letzterer fand kürzlich auf dem Rathausplatz statt. Die PR dafür wurde von Wien Marketing gemacht, veranstaltet wurde er aber von einer privaten Agentur, die schon einiges für die Stadt gemacht hat.

In Wien gibt es heuer Shows und Feiern, als ob es keine Wirtschaftskrise gebe. So auch beim Ende Juni angesetzten Donauinselfest. Während im Vorjahr noch gespart und daher auch – billigere – österreichische Bands engagiert wurden, ist nun wieder internationale Pop-Prominenz vertreten. Rund fünf Mio. Euro Budget steht dem von der SPÖ veranstalteten Fest zur Verfügung. Die finanzielle Lage habe sich beruhigt, es gebe neue Sponsoren, sagt Festveranstalter Sascha Kostelecky.

Und ist die Werbung für die SPÖ im Wahljahr stärker als sonst? Immerhin hält Bürgermeister Michael Häupl die Eröffnungsrede. Das habe doch mit Politik wenig zu tun, wenn der Bürgermeister einer Stadt das größte Festival dieser Stadt eröffnet, meint der Festivalorganisator.

Das Stadtfest findet seit 27 Jahren vor allem in der Wiener City statt. Es wird von der ÖVP organisiert und soll „Unterhaltung auf hohem Niveau“ bieten. Eine Million Besucher werden an diesem Wochenende erwartet.
Das Donauinselfest findet Ende Juni ebenfalls zum 27. Mal statt. Es wird von der SPÖ auf der Donauinsel organisiert. Vergangenes Jahr zählte man drei Millionen Besucher. Beide Veranstaltungen werden von der Stadt Wien subventioniert: Donuinselfest: 1,45 Mio Euro; Stadtfest: 900.000 Euro.Viele Wiener Stadtevents werden von der Stadt Wien Marketing, einer 100-Prozent-Tochter der Stadt, ausgerichtet. Neben Großevents wie Eistraum oder Filmfestival organisieren die Eventmanager Dutzende kleinere Feste für die Stadtregierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2010)

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