Grüne: Neue Tarife bei Wiener Linien mit Anfang 2012

Die Ticketpreise sollen sich nach sozialen Aspekten und nicht nach Altersgruppen richten, sagt der Grüne Klubobmann David Ellensohn. Die Opposition befürchtet einen "Klassenk(r)ampf".

Wiener Linien Ellensohn
Wiener Linien Ellensohn
David Ellensohn – (c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (Andreas Pessenlehner)

Geht es nach den Wiener Grünen, gibt es ab Anfang 2012 neue Tarife bei den Wiener Linien: Künftig würden die Ticketpreise weniger nach Altersgruppen, sondern vielmehr nach sozialen Aspekten gestaffelt, kündigte David Ellensohn, Klubobmann der Rathaus-Grünen, an. Bis Ende Juni sollen die Ergebnisse der eingesetzten Arbeitsgruppe auf dem Tisch liegen. Die Opposition kritisiert den Vorschlag und befürchtet einen "Klassenk(r)ampf".

Die derzeitige Altersstaffelung mache nicht unbedingt Sinn, so Ellensohn. "Nach einer langen politischen Karriere muss man nicht unbedingt verbilligte Fahrscheine bekommen", spielte er auf die Seniorenermäßigung an. Andererseits würde es bedürftige Leute geben, die allein wegen ihres Alters keine Vergünstigung erhielten.

Das neue Tarifsystem soll laut Klubchef nicht nur die Jahreskarten betreffen, sondern alle Ticketvarianten inkludieren. "Idealerweise" werde auch die Kernzone - sie umfasst derzeit nur den Stadtbereich - ins Wiener Umland ausgeweitet. Hier müsse es aber Gespräche mit Niederösterreich geben. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", zeigte sich Ellensohn optimistisch.

Gegen Citymaut, für Parkpickerl

Was den Autoverkehr betrifft, sei eine Citymaut in den kommenden fünf Jahren - trotz äußerst schlechter Feinstaubwerte in der Bundeshauptstadt - kein Thema. In der Koalitionsvereinbarung sei ausdrücklich festgehalten, dass ein derartiges Gebührenmodell weder eingeführt noch Anträge dafür gestellt würden. In Sachen Umweltzonen - sie verbieten schadstoffintensiven Fahrzeugen die Einfahrt in bestimmte Stadtgebiete - hielt sich Ellensohn bedeckt: "Alles, was nicht dezidiert im Regierungspakt steht, ist Verhandlungsgegenstand." Die Ökopartei hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Umweltzonen für Wien gefordert.

Man werde mit diversen anderen Maßnahmen versuchen, den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen. Ein Mittel sei etwa die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung. Die Entscheidung darüber, in welchen zusätzlichen Bezirken das Parkpickerl kommt, werde wohl noch in diesem Jahr fallen, sagte der Grüne Klubchef. Sinnvoller seien jedenfalls "geografische Pakete" statt einer "Fleckerlteppichlösung". Bereits vor einigen Wochen hatten diverse Außergürtelbezirke Interesse angemeldet, kostenpflichtige Parkplätze einzuführen.

Opposition befürchtet "Klassenk(r)ampf"

Die beiden Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ befürchten durch die sozial abgestuften Öffi-Tarife einen "Klassenk(r)ampf": "Anscheinend wollen die Wiener Grünen den Klassenkampf in die Verkehrspolitik tragen. Es ist nämlich zu befürchten, dass diese Reform auf dem Rücken des Wiener Mittelstandes und der Leistungsträger ausgetragen wird", so die Warnung von VP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl.

Der blaue Verkehrssprecher Anton Mahdalik prophezeite "eine Art Che-Guevara-Liste", in der wohl jene Fahrgäste aufscheinen würden, die einer vergünstigten Jahresnetzkarte würdig seien. Dies solle den "100 Euro Jahresticket"-Umfaller vergessen machen. Neben günstigeren Tickets für alle Öffi-Benutzer müsse es auch leistbare Tarife für Park-and-Ride-Anlagen geben, um Autofahrer zum Umstieg auf Bus, Bim und U-Bahn zu bewegen, forderten die Freiheitlichen.

(APA)

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