Jüdisches Museum: Rücktritt nach SS-Zitierung

Peter Menasse, Museumsprokurist, geht nach „Unsere Ehre heißt Treue“-Facebook-Eintrag zu Angriffen gegen Spera. Der Prokurist zieht die Konsequenzen aus Querelen um die Demontage von Hologrammen.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wien. Peter Menasse geht. Der Prokurist des Jüdischen Museums und enge Vertraute von Direktorin Danielle Spera zieht die Konsequenzen aus Querelen um die Demontage von Hologrammen. In diesen Schaustücken der frühen 1990er-Jahre wurde das Leben des jüdischen Wien dargestellt. Spera wollte die für 2011 unzeitgemäßen Stücke aus dem Museum haben, bei dem – möglicherweise nicht fachgemäßen – Abbau und Abtransport wurden 21 zerstört. Andere, kleine, blieben unangetastet und wurden jüngst gezeigt.

Die in der Fachwelt anerkannte Kuratorin Felicitas Haimann-Jelinek, die sich erfolglos um den Job Speras beworben hatte, fotografierte die Scherben und verschickte sie via Mail. Nachdem die Bilder in einem Blog auftauchten, ging die Aufregung los. Hanno Loewy, der die Spera-Konkurrentin unterstützt hatte und das Jüdische Museum in Hohenems leitet, versammelte Kollegen anderer jüdischer Museen, darunter einiger bekannter und einiger unbekannter Häuser, um sich. Zusammen übten sie in einem Brief scharfe Kritik an der Zerstörung der Hologramme, die sie als wertvoll für die Geschichte der Jüdischen Museen einstuften.

Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde übte ebenfalls Kritik. Vielleicht Hintergrund der Auseinandersetzung: Spera und Menasse sind die führenden Köpfe der jüdischen Zeitschrift „Nu“, die sich immer wieder kritisch mit der Politik Ariel Muzicants befasst (und für die auch der Autor dieses Textes schreibt). Speras Mann, der Psychoanalytiker Martin Engelberg, wird als möglicher Kandidat für die Muzicant-Nachfolge gehandelt – nicht zur Freude Muzicants.

Menasse, Cousin des Schriftstellers Robert Menasse, kritisierte den Brief der Direktoren heftig: Kein einziger habe vor der Unterzeichnung Spera Gelegenheit gegeben, Stellung zu beziehen. Auf seinem Facebook-Account formulierte er das seiner Meinung nach unreflektierte Vorgehen mit der abgewandelten Zitierung des SS-Spruchs: „Ihre Ehre heißt Treue“.

Menasse: „Ich stamme aus einer Familie, die viele Opfer in der Shoa zu beklagen hatte. Mein Vater hat aufrecht und in Uniform gegen die Faschisten gekämpft. Das ist meine Erbschaft. Ich kann es daher nicht ertragen, wenn Direktoren ohne Prüfung die ihnen übertragene Aufgabe der Wahrung jüdischer Geschichte dazu missbrauchen, unschuldige Menschen zu attackieren. (...) Für solche Ausritte will ich mich nicht mehr zur Verfügung stellen.“ Für den Facebook-Eintrag entschuldigte er sich: „Das war unangemessen und falsch.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2011)

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