Straßenbahn 2.0: Wiener Linien haben eigenen Fanclub

Die "Fanpage der Wiener Linien" bietet ein Forum für rund 900 Freunde des öffentlichen Verkehrs, die über neue Fahrzeuge, neue Streckenführungen oder Beobachtungen in Straßenbahn, Bus und U-Bahn diskutieren.

(c) Teresa Zötl

Wien/Eko. Ein häufiger Reflex, wenn das Gespräch auf die Wiener Linien kommt, ist Klagen. Was alles nicht funktioniert, wie lange man warten muss oder wie gut der öffentliche Verkehr anderswo funktioniert. Daneben gibt es pragmatische Gleichgültigkeit. Und dann gibt es auch noch Menschen, die sich dezidiert zu Fans erklären.

Gerardo Valido Gonzalez gehört zu dieser Gruppe. Der 22-jährige Informatikstudent betreibt sogar eine eigene Website, auf der er dieses Fantum lebt. Die „Fanpage der Wiener Linien“ versammelt rund 900 Fans, die über neue Fahrzeuge diskutieren, neue Streckenführungen oder ganz alltägliche Beobachtungen in Straßenbahn, Bus und U-Bahn. Rund 22.000 Fotos und Konstruktionspläne von verschiedenen Modellen finden sich auf der Seite, dazu akribisch recherchierte technische Details und auch aktuelle Meldungen über Störungen.

„Ich habe U-Bahnen schon immer faszinierend gefunden“, erzählt Gonzalez im Gespräch mit der „Presse“. Nur habe es damals, als er Informationen dazu im Internet suchte, kaum Seiten gegeben. So entschloss er sich kurzerhand, ein eigenes Forum einzurichten. Am Anfang verwendete er vor allem Zahlen und Bilder, die er auf anderen Websites entdeckte. Mittlerweile ist eine eigene Fotografentruppe unterwegs, die aktuelle Bilder liefert.

 

Männlich, jung, technikinteressiert

„Etwa 20 bis 30 Mitglieder beschäftigen sich jeden Tag mit dem Forum“, schätzt er. Und auch viele Mitarbeiter der Wiener Linien würden im Forum immer wieder Beiträge schreiben. „Aber ich habe mit den Wiener Linien nichts zu tun“, merkt er an. Das wüssten viele User nicht – und beschweren sich bei ihm, wenn sich etwa eine U-Bahn verspätet hat.

Zwei bis drei Stunden pro Woche wendet er für die Arbeit an der Seite auf. Mehr nicht. „Daneben führe ich ein ganz normales Leben.“ Die Vorstellung, dass man ein Sonderling sein muss, um sich so tief in die technischen Details von öffentlichen Verkehrsmitteln zu vertiefen, passt ihm sichtlich nicht.

Wenn er auch zugibt, dass der typische User einem gewissen Bild entspricht: „männlich, jünger und technikinteressiert“. Und gelegentlich gibt es unter den Fans auch so etwas wie ideologische Differenzen. So bildete sich etwa mit dem „Tramwayforum“ eine Abspaltung, auf der sich ausschließlich Freunde der Straßenbahn unterhalten – U-Bahn und Bus spielen hier keine Rolle. Mit dem „Straßenbahnjournal“ gibt es eine weitere Fanseite, die sich der Tramway aus allen Blickwinkeln widmet. Auch die U-Bahn hat mit „wiener-untergrund.at“ eine eigene Fansite.

 

„Irgendetwas mit Verkehr“

Von den Wiener Linien zunächst noch belächelt, haben die Verkehrsbetriebe mittlerweile Gefallen an den Fansites gefunden – und verweisen bei Anfragen, etwa zu historischen Fahrzeugen, sogar auf sie. Als Sprungbrett auf dem Weg zu den Wiener Linien sieht Gerardo Valido Gonzalez seine Fansite dennoch nicht. Auch wenn eine berufliche Zukunft im Dienste der öffentlichen Verkehrsmittel nicht abwegig ist. „Irgendetwas mit Verkehr reizt mich schon.“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.fpdwl.at

www.tramwayforum.at

www.strassenbahnjournal.at

www.wiener-untergrund.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2011)

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