Dritte Piste: "Persilschein" für Flughafen befürchtet

Die öffentliche Verhandlung über den Bau einer dritten Piste für den Flughafen Schwechat ist zu Ende. Kritiker sprechen von einer "Farce".

Skizze: Die dritte Piste für den Flughafen Schwechat.
Skizze: Die dritte Piste für den Flughafen Schwechat.
(c) APA

Im Multiversum in Schwechat ist am Mittwoch die mündliche öffentliche Verhandlung gemäß Paragraf 16 UVP-G 2000 (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000) zum geplanten Bau einer dritten Piste auf dem Flughafen Wien zu Ende gegangen. Das öffentliche Interesse blieb einmal mehr gering. Kaum 25 Personen saßen in den weitläufigen Zuhörerreihen. Platz gewesen wäre im Multiversum für 2300.

In der Verhandlung nützten letztlich etwa 110 Redner in mehr als 38 Stunden mündlicher Erörterung die Möglichkeit, über das Projekt zu sprechen. "Größter Brocken" war der Lärmschutz, der drei Tage lang diskutiert worden war.

Grüne: Keine Unabhängigkeit der Behörden

Kritik am UVP-Verfahren haben die Wiener Grünen geübt. Umweltsprecher Rüdiger Maresch befürchtet einen "Persilschein" für den Ausbau. Auch könne man nicht von wirklicher Unabhängigkeit der Behörden sprechen, da die das Verfahren durchführenden niederösterreichischen Behörden gleichzeitig weisungsgebundene Beamte des Miteigentümers des Flughafens seien. Die Grünen fordern ein Nachtflugverbot, umweltschonende Landeverfahren und "keine Abflugrouten über dicht bebautem Stadtgebiet wie etwa Liesing".

"Die UVP-Verhandlungen sind eine Farce", kritisierte Alfred Höllriegl von der ARGE gegen Fluglärm gegenüber dem ORF. "Die Verhandlungen haben gezeigt, dass eigentlich nichts mehr veränderbar ist, dass jede Einwendung, die kommt, nicht wirklich ernst genommen wird. Eine Bürgerbeteiligung kann man das nicht nennen."

Die Behörde wird nun binnen einer Woche die Niederschrift der Verhandlung fertigstellen. Diese wird in der Folge drei Wochen lang beim Amt der NÖ Landesregierung in St. Pölten (Haus 16) und in den Standortgemeinden der geplanten dritten Piste - Schwechat, Fischamend, Klein-Neusiedl, Rauchenwarth und Schwadorf - öffentlich aufliegen.

Laut Umweltverträglichkeitsgutachten gilt die geplante "Parallelpiste 11R/29L" als umweltverträglich. Die Start- und Landebahn soll 3680 Meter lang sein und sich 2400 Meter südlich parallel zur bestehenden "Piste 11L/29R" befinden.

(APA/Red.)

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