Wien: Lobautunnel kostet 1,4 Milliarden Euro

Die Wiener Nordostumfahrung wird in zwei Etappen errichtet. Die Asfinag rechnet mit der Fertigstellung des umstrittenen Lobautunnels erst 2025.

Bereits 2006 kam es wegen des geplanten Tunnels zu einer Mahnwache in der Lobau.
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Bereits 2006 kam es wegen des geplanten Tunnels zu einer Mahnwache in der Lobau.
(c) FABRY Clemens

19 Kilometer beträgt der noch fehlende Teil des Regionenrings in Wien, die Nordostumfahrung. Besonders umstritten ist dabei der Tunnel unterhalb der Lobau. Der Baustart für das Großprojekt werde im Jahr 2018 erfolgen, gab die Asfinag am Mittwoch bekannt. Für den Verkehr freigegeben werden die zwei Röhren 2025. Der Tunnel, laut den ursprünglichen Plänen sollte er schon längst in Bau sein, wird etwa 1,4 Milliarden Euro kosten.

Der noch fehlende Teil des Umfahrungsringes wird in zwei Etappen gebaut. Zunächst wird zwischen 2014 und 2016 die rund zehn Kilometer lange, an der Oberfläche verlaufende Strecke zwischen Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn realisiert. Erst dann folgt der Tunnel zwischen dem Knoten Schwechat und Groß-Enzersdorf.

"Es ist ein sehr wichtiges Projekt und auch ein sehr teures", verwies Schedl auf die ungewöhnliche Dimension des Projekts Lobautunnel. Aus finanziellen Gründen sei darum ein Paket geschnürt worden, das eine Errichtung in zwei Abschnitten vorsehe. Die Gesatmkosten für die Nordostumfahrung wurden mit 1,8 Milliarden Euro beziffert.

Flugfeld Aspern: Keine Autobahnanbindung

Zum nördlichen Teil, also jener zwischen Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn, gehört auch die Spange zum Flugfeld Aspern. Die weitere Verbindung von dort zur Südosttangente (A23) ist inzwischen nicht mehr Teil des Gesamtprojekts -

Die geplante Trasse der Nordostumfahrung.
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Die geplante Trasse der Nordostumfahrung.
(c) APA
denn sie wird entgegen den ursprünglichen Plänen nicht als Autobahn errichtet. 

Der Lobautunnel wird nach Vollendung des ersten Abschnittes in Angriff genommen. Der Tunnelbau soll besonders grundwasserschonend erfolgen. Spezielle Bohrmaschinen sollen dafür sorgen, dass es zu keinen Verunreinigungen kommt. Die Röhren werden bis zu 60 Meter unter der Erde bzw. der Donau liegen.

60.000 Fahrzeuge täglich

Die Asfinag rechnet damit, dass täglich etwa 60.000 Fahrzeuge durch die Unterführung fahren. Ein eigens entwickeltes Notfallkonzept soll für einen sicheren Betrieb sorgen. Dazu wird es zwischen den beiden Röhren alle 500 Meter Querstollen geben, in die sich Autofahrer im Ernstfall retten können. Ein Lüftungssystem wird zudem die Luftversorgung garantieren. Der Tunnel wird außerdem durchgehend über Pannenstreifen verfügen - was es, wie die Asfinag betont, bei sonst kaum einem Tunnel in Österreich gibt.

Kritik von Grünen und Greenpeace

Die Wiener Grünen und Greenpeace bezeichneten die Lobau-Autobahn unisono als "Milliardengrab". Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnetedie Kosteneinschätzung der Asfinag als "höchst unseriös". Der Lobautunnel sie mit "mindestens 300.000 Euro pro Meter anzuberaumen", so Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof. "Angesichts der weltweiten Finanzkrise ist der geplante Bau der Lobauautobahn noch viel unsinniger als bisher", erklärte der Verkehrssprecher der Grünen Wien, Rüdiger Maresch.

Die Wiener SPÖ begrüßte die bevorstehende öffentliche Auflage des Projekts. "Das war schon überfällig", zeigte sich SP-Verkehrssprecher Karlheinz Hora über die nun erfolgenden weiteren Schritte zufrieden: "Wer die Autofahrer durch attraktive Öffi-Tarife zum Umstieg bewegen will, muss im Sinne des Gesamtkonzepts für eine Verkehrsentlastung auch dafür sorgen, dass der Transitverkehr in Nord-Süd-Richtung um Wien herum geleitet wird."

(APA)

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