Hietzing: Der Hofpavillon des Kaisers verfällt

Der von Otto Wagner gebaute Hofpavillon wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen. Seit Jahren wurde nicht saniert, Schäden wurden nicht, oder nur provisorisch, ausgebessert. Niemand fühlt zuständig.

Hietzing Hofpavillon Kaisers verfaellt
Hietzing Hofpavillon Kaisers verfaellt
Stadtbahn – Dieses Bild basiert auf dem Bild Wien Stadtbahn (U-Bahn), Hofpavillon Hietzing; Otto Wagner aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Welleschik.

Wien. Gebaut wurde er 1898 von Otto Wagner – als Ein- und Ausstiegsstelle der Stadtbahn für den kaiserlichen Hof. Später wurde er als attraktiver Ort für Veranstaltungen wie Hochzeiten genutzt. Heute ist vom alten Glanz des Kaiserpavillons in Wien-Hietzing nicht mehr viel zu sehen. Das Gebäude mit seinem prunkvollen Warteraum und kuppelartigen Dachaufbau verfällt zusehends.

Seit Jahren wurde es nicht saniert, Schäden wurden nicht, oder nur provisorisch, ausgebessert. Der Grund dafür ist klassisch: Niemand fühlt sich zuständig. Weder das Gebäudemanagement der Stadt Wien (MA 34) noch die Wiener Linien, denen das Grundstück gehört, wollen sich um die Erhaltung kümmern, wie das Kontrollamt nun aufgedeckt hat.

Wie sehr der Pavillon bereits in Mitleidenschaft gezogen ist, zeigt der Bericht des Kontrollamts: Teile des Gebäudes waren bereits so abgenutzt, dass absturzgefährdete Teile vom Gutachter händisch entfernt werden mussten. Der sah auch Gefahr in Verzug: Bei Sturm droht das Vordach abzustürzen. Deshalb musste das direkte Umfeld des Pavillons gesperrt werden. Dazu kommt, dass die historische Holzkonstruktion unter Pilzbefall leidet und dadurch entsprechend beschädigt ist.

Ursache der schweren Schäden, unter anderem sind auch einige Stützen durchgerostet, sind laut Kontrollamt vernachlässigte Wartungs- und Pflegemaßnahmen. Die Prüfer vermuten, dass verrostete Teile des Pavillons bei den vergangenen Sanierungsarbeiten nicht ausgebessert, sondern nur mit Farbe und Pinsel überstrichen wurden.

Wörtlich heißt es in dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht, dass „regelmäßige Überwachungsmaßnahmen nicht im erforderlichen Ausmaß durchgeführt wurden, erforderliche Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen aufgrund der Uneinigkeit in der Erhaltungszuständigkeit unterblieben“.

 

Pattsituation

Der Bericht wurde den Wiener Linien und der MA 34 übermittelt. Doch beide Seiten erklären sich für unzuständig. Die Wiener Linien betonen, dass sie bei der Ausgliederung nicht Aufgaben wie die Erhaltung des Pavillons übernommen hätten: „Als Gebäude- und Liegenschaftseigentümerin haften die Wiener Linien zwar gegenüber Dritten, für die Nutzung und Erhaltung des Gebäudes sehen die Wiener Linien aber die Hoheitsverwaltung zuständig“, lautet die Stellungnahme der Verkehrsbetriebe, die damit den Ball weiter an die Stadt Wien spielt. Soll heißen, dass man nur Sicherungsmaßnahmen durchführt, weitere Renovierungsarbeiten jedoch nicht.

Die MA 34 dagegen betont, dass sich das Bauwerk im Eigentum der Wiener Linien befinde. Man sei daher für die Erhaltung des Pavillons nicht zuständig. Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hofft man nun darauf, dass die Rechtslage bald geklärt wird. Der Otto-Wagner-Pavillon wird inzwischen also noch eine Zeit lang halten müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2011)

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