Spittelau „neu“: Stadt steckt 130 Mio. Euro in Sanierung

Ab Herbst 2013 kommt in der Spittelau (kurz) kein Müll mehr ins Feuer: Die Anlage wird modernisiert. Das Ziel ist ein geringerer Einsatz von Erdgas, bessere Filterung sowie höhere Stromproduktion.

(c) Presse Fabry

Wien/Maki. Wien/Maki. „Hundertwasser soll Hundertwasser bleiben“, sagt Gerhard Fida, technischer Geschäftsführer von Wien Energie Fernwärme – womit die einzige Konstante in der näheren Zukunft der Müllverbrennungsanlage Spittelau schon genannt ist: Um 130 Mio. Euro wird der Betrieb zwischen März 2012 und Mai 2015 saniert. Das Ziel: Geringerer Einsatz von Erdgas, bessere Filterung sowie höhere Stromproduktion. Die Kapazität der Anlage bleibt jedoch bei 250.000 Tonnen Müll pro Jahr.

 

Einige Monate Stillstand

Besonders aufwendige Neuerungen betreffen die Kessel, in denen der Abfall thermisch behandelt wird. Sie haben zwar den Großbrand der Anlage 1987 überstanden, sind nun aber abgenützt. Um die großen neuen Teile anliefern zu können, stehen nächtliche Schwertransporte so wie der Abbau einer Seitenwand bevor. Zu spüren bekommen werden die Sanierung auch andere Verbrennungsanlagen: Zwar ist der fortlaufende Betrieb zumindest eines Kessels geplant – zwischen September 2013 und Februar 2014 müssen jedoch die Anlagen Flötzersteig und Pfaffenau einspringen, weil die Spittelau stillsteht. Gleichzeitig soll das derzeit entstehende Abfall-Logistik-Zentrum in Simmering Müll zwischenlagern.

Neu wird auch die Filterung: Während bisher ein elektrischer Filter den Rauchgasen Staub entzogen hat, wird dies künftig ein spezielles Gewebe übernehmen, die Emissionen sollen dadurch sinken. Zudem wird die Stromproduktion durch ein leistungsstärkeres System aus Turbine und Generator mehr als verdoppelt. Der von Umweltstadträtin Ulli Sima gepriesene „höhere Wirkungsgrad“ der Anlage ergibt sich auch durch das Einsparen von Erdgas, das bisher zur Anregung der Verbrennung eingesetzt wurde. Die Energie dafür soll künftig durch Wärmeverschub aus dem System selbst gewonnen werden.

Für jene, die nur als Passanten die Anlage wahrnehmen, wird sich an dem von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Außenbild kaum etwas ändern. Nur ein Kundenzentrum eröffnet im März, das wohl auch zum höheren angestrebten Marktanteil beitragen soll. In Wien werden 318.000 Wohnungen mit Fernwärme versorgt – ein Marktanteil von 35Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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