Wiener U1 wird nach Oberlaa verlängert

Die U1 fährt 2017 nicht bis Rothneusiedl, sondern nach Oberlaa. Ein Hotspot der Stadtentwicklung wartet dort (noch) nicht, aber eine Therme. Insgesamt wird die U1 um 4,6 Kilometer verlängert.

Eine Vidualisierung der Station Troststraße.
Eine Vidualisierung der Station Troststraße.
Eine Vidualisierung der Station Troststraße. – (c) Wiener Linien

Wien. Für einen Knalleffekt sorgte Vizebürgermeisterin Renate Brauner am Mittwoch. Gemeinsam mit der grünen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou erklärte sie beim Spatenstich für die U1-Verlängerung: Die U1 werde nicht in das Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl, sondern vom Reumannplatz nach Oberlaa (zur dortigen Therme) führen.

„Mit der Entscheidung für Oberlaa binden wir nicht nur die Therme Wien, sondern auch die Bewohner des südöstlichen Teils der Hansson-Siedlung ein“, so Brauner. Insgesamt hätte die neue U1-Führung zwischen Alaudagasse und Oberlaa ein Einzugsgebiet von 21.000 Menschen. Dazu kommen die künftigen Bewohner der Entwicklungsgebiete südlich der Donauländebahn, für die derzeit das Widmungsverfahren läuft.

Zumindest für den grünen Teil der Stadtregierung hat die Entscheidung dabei auch Zwangscharakter: Stadtentwicklungsgebiete lieber mit Straßenbahnen als mit teuren U-Bahnen ans öffentliche Verkehrsnetz anzubinden ist eine alte grüne Prämisse, die nun konterkariert wird. Noch dazu fährt schon jetzt die Straßenbahnlinie 67 nach Oberlaa. „Natürlich hege ich weiterhin eine gesunde Portion Skepsis im Zusammenhang mit großen U-Bahn-Ausbauten“, sagt Vassilakou im Gespräch mit der „Presse“. Doch die Stadt habe sich vor der grünen Regierungsbeteiligung für den Ausbau entschieden, die Endstation Oberlaa sei nun die „günstigste Version, die uns auch die Flexibilität gibt, mit einer Verlängerung nach Rothneusiedl auf aktuelle Prozesse der Stadtentwicklung zu reagieren“. Eine längere U1 mache zudem nicht nur die Therme, sondern „ein gesamtes Naherholungsgebiet“ schneller zugänglich.

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Kritik, dass die U1-Endstelle im Niemandsland liegt, die teure U-Bahn für dieses Gebiet unsinnig ist, weist auch Wiener-Linien-Sprecher Answer Lang zurück: „Wir rechnen mit genügend Auslastung. In dem Gebiet ist eine Bevölkerungsmasse, die eine U-Bahn fast nötig macht.“

Insgesamt wird die U1 um 4,6 Kilometer verlängert – und mit 19,2 Kilometern zur längsten U-Bahn der Stadt. Die Option auf Rothneusiedl ergibt sich durch ein Weichensystem, das bei einer der neuen Stationen eingebaut wird. So soll die U1, falls die bisher ausgebliebene Stadtentwicklung in Rothneusiedl doch stattfindet, die Endstationen Oberlaa und Rothneusiedl abwechselnd anfahren können – „in zehn bis zwanzig Jahren“, wie es Lang formuliert.

Die neue Trasse umfasst fünf Stationen, die ersten drei unterirdisch: Troststraße, Altes Landgut, Alaudagasse, Neulaa und Oberlaa. Die Kosten betragen rund 600 Mio. Euro, die Eröffnung soll 2017 gefeiert werden. Dann wird die Straßenbahnlinie 67 eingestellt oder umgeleitet.

Die Entscheidung gegen Rothneusiedl ist auch ein Abbild enttäuschter Erwartungen: Tausende Wohnungen, das neue Austria-Stadion von Frank Stronach und ein großes Einkaufszentrum hätten entstehen sollen. Nachdem Stronach das Interesse am Stadion verloren, es Probleme beim Grundstückskauf gegeben hatte und das geplante Einkaufszentrum heftig kritisiert worden war, stellte die Stadt das Projekt Rothneusiedl zurück.

Begeistert von der Entscheidung zeigte sich (naturgemäß) die Therme Wien. „Das ist nicht nur ein wichtiger Schritt für nachhaltigen Gesundheitstourismus, sondern auch ein Meilenstein zur Entwicklung des Areals“, erklärte Sigrid Oblak, Geschäftsführerin der Wien Holding, zu der die Therme gehört. Die Vorarbeiten für die U1-Verlängerung laufen seit 2010. Nun wurden die Tunnelarbeiten beim Verteilerkreis Favoriten gestartet. Die unterirdischen Bauarbeiten gelten als komplex. Sie führen unter die Südosttangente.

Auf einen Blick

Die Linie U1 wird nicht wie ursprünglich geplant ins Stadtentwicklungsgebiet Rothneusiedl geführt, sondern nach Oberlaa. Die Kosten betragen rund 600 Millionen Euro. Insgesamt wird die U1 um 4,6 Kilometer verlängert – es wird fünf neue Stationen geben: Troststraße, Altes Landgut, Alaudagasse, Neulaa und Oberlaa. Bei Neulaa wird zusätzlich eine Weiche eingebaut, um bei Bedarf die U1 auch bis nach Rothneusiedl zu verlängern. Diese Entscheidung soll aber erst in etwa zehn bis 20 Jahren fallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2012)

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