City-Attraktion: Wo Habsburg auf Disneyland trifft

Fliegende Fiaker, zeitreisende Mönche und falscher Fliegeralarm: Im Keller des Salvatorianerklosters in der Innenstadt entsteht ein Wiener Erlebnispark.

(c) Time Travel In Vienna Betriebs G (Michele Pauty)

Wien/Gr. Ob es das ist, was der Wiener Innenstadt (noch) gefehlt hat? Die Kaiserinnen Elisabeth und Maria Theresia, Johann Strauß und natürlich Mozart versammelt als sprechende Roboter, mit Wachsüberzug, dazu multimediale „Rides“ durch die Stadt während Römerzeit und Türkenkriegen, zum Abschluss noch eine Fahrt im fliegenden Fiaker durch und über das moderne Wien.

„Time Travel Vienna“ heißt sinnigerweise die Attraktion, die am 1.Juni in der Habsburgergasse 12a, nur wenige Schritte von Hofburg und Graben entfernt, in Betrieb gehen soll. Die Katakomben unter dem der Michaelerkirche angeschlossenen Kloster dienen als Kulisse für sieben Themenräume, die jeweils einen anderen Aspekt der Wiener Geschichte in Szene setzen sollen. Eine Umgebung, die gleich als Ausgangspunkt für die Show herhalten darf: Begrüßt werden die Besucher – bis zu 32 Städtetouristen können sich gleichzeitig in einem Raum aufhalten – vom animierten Abbild eines Salvatorianermönchs, der sie durch die Show begleitet.

 

Puppen, Licht, Windmaschinen

Die Instrumente, deren sich die Erlebniswelt bedient, kennt man aus anderen Themenwelten von Disneyland bis zum London Dungeon: Sprechende Puppen, Lichteffekte, Windmaschinen unterstützen die Videoprojektionen an den Wänden der um knapp sechs Millionen Euro errichteten Anlage.

Freimütig erklärt Initiator und Geschäftsführer Paul Rankine (siehe Porträt links), dass die millionenschweren Disney-Parks und die Figurenkabinette der Tussauds-Gruppe eine Inspiration gewesen seien: Wochenlang sei er durch solche Anlagen gereist, bevor er sich an die Planung von „Time Travel Vienna“ gemacht habe. „Touristen erleben in den Museen sehr viel reale Bilder – wir sind sozusagen die leichte Kost dazu“, sagt Rankine. Hauptzielgruppe sollen Touristen und Familien sein – die Attraktionen seien für alle Altersgruppen geeignet, versichert der 49-Jährige.

Ganz aus der Luft gegriffen soll die virtuelle Zeitreise aber nicht sein: Alle gezeigten Szenarien – von den rattendurchfluteten Gassen Wiens während der Türkenbelagerung bis zur Simulation eines Fliegeralarms während des Zweiten Weltkrieges (in einem Keller, der als Luftschutzbunker verwendet wurde, wie die Betreiber betonen) – seien mit Unterstüzung von Historikern erarbeitet und möglichst realistisch gestaltet worden.

Rankine hofft, dass seine „themed attraction“, wie er „Time Travel Vienna“ nennt, jährlich rund 300.000 Besucher anzieht – „das wären etwa so viele wie das Haus des Meeres“. Ein mögliches Hindernis für diesen Plan könnte der Preis sein: 18 Euro muss ein Erwachsener für die einstündige Show hinlegen, auch in der Reisegruppe werden noch 15 Euro fällig. Dazu kommt für Fremdsprachen eine Audioguide-Gebühr von zwei Euro.

 

Experte Mikunda skeptisch

Österreichs Experte für Erlebniskultur und -welten, Christian Mikunda, ist hinsichtlich der Erfolgsaussichten von „Time Travel“ skeptisch: „In den 1990er-Jahren wäre das ein perfektes Konzept gewesen.“ Heute gehe der Trend aber eher zurück zum authentischen Erleben historischer Substanz – etwa der Inszenierung von Kunstwerken und Originalobjekten in unterhaltsamem Kontext.

Eine eskapistische „Stand-Alone-Kunstwelt“, wie sie Mikunda (ohne sie genauer zu kennen, wie er betont) in der „Time Travel“-Anlage sieht, laufe gegen den Zug der Zeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2012)

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